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Fragen & Antworten

Antworten auf Fragen: Die aktuellen Entwicklungen im Jemen – Die Machtübernahme von Salman bin Abdulaziz in Saudi-Arabien

January 26, 2015
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Frage:

Es gibt bemerkenswerte Ereignisse im Jemen und in Saudi-Arabien. Die Huthi-Rebellen haben die Kontrolle über Sanaa übernommen, woraufhin erst die Regierung und dann am Abend des 22.01.2015 der Staatspräsident zurücktraten... Danach verstarb König Abdullah in Saudi-Arabien am Freitagmorgen, den 23.01.2015, und König Salman bin Abdulaziz wurde sein Nachfolger. Meine Frage ist zweigeteilt:

Erstens: Verlaufen die Ereignisse im Jemen immer noch gemäß der Erklärung der Partei vom 01.10.2014? Und was ist die erwartete Lösung?

Zweitens: Ändert die Machtübernahme von Salman bin Abdulaziz nach König Abdullah die Politik Saudi-Arabiens oder bleiben die Dinge beim Alten?

Bitte entschuldigen Sie, dass ich zwei Fragen statt einer gestellt habe. Möge Allah Sie mit Gutem belohnen.

Antwort:

Erstens: Die Ereignisse im Jemen:

  1. Was die Ereignisse im Jemen betrifft, so wird derjenige, der das Geschehen aufmerksam verfolgt, feststellen, dass es sich exakt so verhält, wie es in unserer vorangegangenen Antwort vom 01.10.2014 dargelegt wurde... Die USA agieren im Jemen mit ihrer bekannten Arroganz, d. h. mit militärischer Gewalt und Unterdrückung. Die Huthis haben Sanaa und andere Gebiete besetzt, nehmen Menschen fest und töten unter dem Vorwand der „Volksrevolution und der Volkskomitees...“. Die Briten hingegen agieren im Jemen durch politische List auf zwei Ebenen: Die erste besteht darin, dass Hadi seine Befugnisse als Staatspräsident für kalkulierte Manöver ausnutzt. Wann immer die Huthis ihn von allen Seiten bedrängten, gab er ihnen Versprechen und stellte Abkommen in Aussicht, um deren Umsetzung dann hinauszuzögern... Dies setzte er so lange fort, bis sein Vorgehen für die Huthis offensichtlich wurde. Sie umstellten ihn von allen Seiten und bestanden auf der Umsetzung aller Abkommen. Da überraschte er sie mit seinem Rücktritt! Dies versetzte sie erneut in Unruhe, nachdem sie kurz davor standen, sich zu konsolidieren. Dies betrifft die erste Ebene.

  2. Die zweite Ebene verläuft über den ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh. Die Briten ließen ihn seine Präsenz gegenüber den Huthis behaupten. Er schloss sich ihnen an und wurde zu ihrem Freund, nachdem er ihr Feind gewesen war. Er unterstützte sie mit seinen Kräften, bis es für sie schwierig wurde, sich von ihm zu lösen. Diese zweite Schiene ist darauf ausgelegt, dass – falls Hadis Manöver zur Bedrängung der Huthis scheitern sollten und diese der Macht zu nahe kämen – Ali Abdullah Saleh und seine Gruppe die Macht mit den Huthis teilen würden. So erhielten die Briten ihren Anteil und die USA ihren Anteil...

  3. Dies ist es, was im Jemen geschieht. Großbritannien ist nicht mehr wie früher in der Lage, den Jemen allein zu dominieren. Gleichzeitig kann es keine militärische Konfrontation mit den USA und deren Agenten eingehen. Daher griff es zur politischen List durch seine beiden Agenten Hadi und Ali Saleh, die ihre Rollen perfekt spielten:

Hadi trieb seine Manöver und Verzögerungstaktiken bis zum Äußersten und trat schließlich zurück. Im Land brachen Demonstrationen aus, und die Huthis gerieten in eine Sackgasse. Während sie ihre Vorherrschaft durch präsidentielle Dekrete legitimieren wollten, um nicht als Putschisten zu gelten, werden sie nun genau als solche bezeichnet. Sie haben nun mit einer aufgeheizten, spannungsgeladenen Lage zu kämpfen, insbesondere im Machtzentrum Sanaa, zusätzlich zum vakanten Amt des Präsidenten...

Was Ali Saleh betrifft, so ist seine Verflechtung mit den Huthis für jeden offenkundig geworden. Großbritannien, seine Agenten und Medienkanäle trugen dazu bei, Leaks von Ali Saleh mit den Huthis zu verbreiten, um diese vor den Menschen bloßzustellen. Das Volk erhob sich gegen Saleh wegen seiner Übeltaten, und nun sitzen er und die Huthis im selben Boot, was es für die Huthis schwer macht, sich von ihm zu distanzieren! Wer diese Kanäle, insbesondere Al-Jazeera, verfolgt, erkennt dies deutlich. In ihren Interviews betonten sie, dass die Huthis behaupten, die Korrupten zu bekämpfen, während sie mit Saleh, dem Kopf der Korruption, zusammenarbeiten. Dann veröffentlichen sie Leaks über ihre Anhänger, die die Beziehung der Huthis zu Saleh belegen... So strahlte Al-Jazeera am 21.01.2015 eine Tonaufnahme zwischen Saleh und dem Huthi-Anführer Abdul Wahid Abu Ras aus und behauptete, sie habe diese erhalten! Die Tonaufnahme, die auf Ende Oktober letzten Jahres datiert – also nach dem Fall von Sanaa in die Hände der Huthis Ende September – zeigt eine Koordination zwischen Saleh und den Huthis. In einigen Interviews hinterfragte Al-Jazeera die Aussagen der Huthis, sie seien gegen Korruption, während sie sich mit dem Kopf der Korruption, Ali Saleh, verbündet hätten!

  1. Was die Erwartungen betrifft, so ist es für beide Seiten schwierig, die Angelegenheit so zu ihren Gunsten zu entscheiden, dass eine Seite den Jemen allein dominiert. Vielmehr ist eine Kompromisslösung nach kapitalistischer Art am wahrscheinlichsten. Diese beendet die Krise jedoch nicht, sondern ist lediglich eine Atempause für die Kämpfenden, bis eine der beiden Seiten die Angelegenheit endgültig für sich entscheiden kann... Nichts beendet die Krise mit Gerechtigkeit und Güte außer dem Kalifat. Durch es wird der Islam und die Muslime gestärkt und der Unglaube sowie die Ungläubigen gedemütigt. Und dies ist für Allah nicht schwer.

  2. Dies ist in Kürze das, was im Jemen geschieht, und was wir bereits in unserer politischen Einschätzung in der Antwort vom 01.10.2014 erwähnt haben. Ich zitiere Ihnen einen Teil daraus, damit Sie die Richtigkeit unserer Ansicht sehen, die wir vor mehr als drei Monaten veröffentlicht haben:

„Großbritannien hat erkannt, dass die USA es ernst meinen mit der Anwendung von Gewalt, um bedeutende Gewinne in der Herrschaft über den Jemen zu erzielen, und dass die Huthis über eine einflussreiche Kraft an Waffen und Ausrüstung verfügen, die ihnen über den Iran geliefert wurde... Diese Erkenntnis Großbritanniens veranlasste es, dem auf zwei Wegen entgegenzuwirken: Erstens, dass Hadi alles in seiner Macht Stehende als Präsident unternimmt, um den Huthis den Zugang zu effektiver Macht zu verwehren. Der zweite Weg besteht darin, Ali Saleh als Partner der Huthis einzuschleusen, so als ob er sich der Herrschaft Hadis widersetzen würde. Einige seiner Anhänger schlossen sich den Huthis an, während sie die Fahne des Allgemeinen Volkskongresses (der Partei des ehemaligen jemenitischen Präsidenten) trugen. Als die britische Botschafterin gefragt wurde, ob sie mit dem ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh in Kontakt stehe, sagte sie: ‚Ich habe keine direkte Beziehung zu Ali Abdullah Saleh, aber ich stehe in Kontakt mit der Partei des Allgemeinen Volkskongresses, einschließlich Personen, die ihm nahestehen.‘ (Asharq Al-Awsat, 27.09.2014). Daraus ist zu verstehen, dass Großbritannien es war, das seinem Agenten Ali Saleh signalisierte, ebenfalls mit den Huthis zu kooperieren, da die britische Botschafterin den Kontakt zur Partei von Ali Saleh zugab – und er ist es, der die Partei leitet und kontrolliert, ohne Konkurrenz oder Opposition... Diese Maßnahmen Großbritanniens, Ali Saleh bei den Huthis einzuschleusen, dienen dazu, dass – falls Hadi sein Amt als Präsident nicht dazu nutzen kann, die USA und ihre Gefolgsleute an der tatsächlichen Machtübernahme zu hindern – Ali Saleh ein aktiver Partner der Huthis ist, wodurch der britische Einfluss im Jemen bestehen bleibt. Dies gilt insbesondere deshalb, weil die Huthis keine breite Unterstützung im Volk haben, die es ihnen ermöglichen würde, den Jemen allein zu regieren...“ (Ende des Zitats)

Dann schlossen wir die Antwort ab, indem wir die Vorboten des Geschehens, dessen Ergebnisse und die richtige Lösung beschrieben:

„- Das bedeutet, dass die zu erwartende Lösung im Jemen eine Kompromisslösung zwischen den USA und Großbritannien nach Art der Kapitalisten sein wird, bei der die Herrschaft zwischen den Parteien geteilt wird... Eine Kompromisslösung hält bei ihnen gewöhnlich nur als Atempause an, bis die USA oder Großbritannien das Thema zu ihren Gunsten entscheiden können. Das heißt, die Ereignisse im Jemen werden weiterhin schwanken, mal abflauen und dann wieder an Intensität gewinnen, je nach dem politischen und militärischen Kräfteverhältnis der Streitenden.

  • Basierend auf dem Vorangegangenen lässt sich schlussfolgern, dass die Dinge im Jemen eskalieren werden, ohne sich entscheidend zu stabilisieren, außer in zwei Fällen: Erstens, dass es den USA oder Großbritannien gelingt, die Angelegenheit zu ihren Gunsten zu entscheiden und somit den tatsächlichen Einfluss im Jemen zu dominieren. Dies ist jedoch nicht so einfach, wie wir zuvor dargelegt haben. Zweitens, dass Allah diese Umma mit dem Kalifat ehrt, welches den Einfluss der kolonialistischen Kuffar zertrampelt, ihre Wurzeln aus dem Land reißt und ihrem Unheil unter den Dienern Allahs ein Ende setzt. Dann wird der Unglaube und seine Anhänger gedemütigt und der Islam und seine Anhänger werden gestärkt, und die Gläubigen werden frohlocken über den Sieg Allahs:

وَيَوْمَئِذٍ يَفْرَحُ الْمُؤْمِنُونَ * بِنَصْرِ اللَّهِ يَنْصُرُ مَنْ يَشَاءُ وَهُوَ الْعَزِيزُ الرَّحِيمُ

„Und an jenem Tage werden die Gläubigen frohlocken, über die Hilfe Allahs. Er hilft, wem Er will; und Er ist der Allmächtige, der Barmherzige.“ (Sure Ar-Rum [30]: 4-5)

... Es geziemt den Leuten des Jemen, den Leuten des Iman und der Weisheit, diese Angelegenheit (das Kalifat) zu errichten, damit sie in beiden Welten erfolgreich sind. Und Allah nimmt sich der Rechtschaffenen an.“ (Ende des Zitats)

Somit verlaufen die Dinge weiterhin so, wie wir es in unserer vorangegangenen Analyse vom 01.10.2014 dargelegt haben.

Zweitens: Die Ereignisse in Saudi-Arabien:

Was das betrifft, was in Saudi-Arabien geschah und geschieht: Damit man versteht, ob es auf derselben Linie verläuft wie unter Abdullah in seinen Beziehungen zu Großbritannien und den USA oder ob es sich geändert hat, und wie die politische Lage des neuen Königs Salman aussieht, müssen folgende Punkte erwähnt werden:

  1. Innerhalb der saudischen Familie überschneiden sich der US-amerikanische und der britische Einfluss unter den Prinzen. Je nach Stärke der Anhänger der jeweiligen Seite ergibt sich der tatsächliche Einfluss auf die Herrschaft in Saudi-Arabien, und dementsprechend gestaltet sich der Charakter der saudisch-britischen oder saudisch-amerikanischen Beziehungen.

  2. Bei der Verfolgung dieser Beziehungen wird deutlich, dass der US-Einfluss im Verteidigungsministerium vorherrscht, zumindest seit dem Jahr 1382 n. H., als Sultan bin Abdulaziz Minister war – er war als einer der Männer Amerikas bekannt. Dieser politische Zustand im Ministerium hielt an, auch während Salman bin Abdulaziz das Verteidigungsministerium am 09.12.1432 n. H. übernahm. Ihm folgte sein Sohn Mohammed bin Salman bin Abdulaziz ab dem 03.04.1436 n. H., als Salman bin Abdulaziz König von Saudi-Arabien wurde.

  3. Ebenso ist der britische Einfluss in der Nationalgarde (Haras al-Watani) vorherrschend, zumindest seit dem Jahr 1382 n. H., als der damalige Chef der Nationalgarde der verstorbene König Abdullah bin Abdulaziz war. Dies blieb so bis 1431 n. H. Danach übernahm sein Sohn Mutaib bin Abdullah bin Abdulaziz das Amt von 1431 n. H. bis 1434 n. H., als die Institution der Nationalgarde in ein Ministerium umgewandelt wurde. Mutaib blieb bis heute Minister im Ministerium der Nationalgarde.

  4. Gemäß den Regelungen der Familie darüber, wer König wird, führen diese Regelungen nicht notwendigerweise dazu, dass der König immer aus einer bestimmten Institution kommt. Der König oder der Kronprinz kann aus dem Verteidigungsministerium, der Nationalgarde oder von einer anderen Stelle kommen... In den letzten Jahrzehnten wurde jedoch bekannt, dass derjenige, der aus diesen beiden Institutionen kommt, den größten Einfluss auf die Herrschaft hat. Wenn er aus einer anderen Institution kommt, ist der Einfluss geringer...

  5. Der verstorbene König Abdullah stammte aus der Nationalgarde, weshalb der britische Einfluss in Saudi-Arabien dominierte, gepaart mit Methoden zur Beschwichtigung der USA. Die Beziehungen zu den USA waren manchmal angespannt und lockerten sich zu anderen Zeiten wieder, aber die allgemeine Politik trug einen britischen Charakter, ohne die Konfrontation gegenüber den USA anzuheizen. Vielmehr geschah dies, wie erwähnt, mit Methoden der Beschwichtigung nach britischer Art, bei der man das Gegenteil dessen zeigt, was man verbirgt...

Was den derzeitigen König betrifft, so stammt er aus dem Verteidigungsministerium. Daher ist zu erwarten, dass der US-amerikanische Einfluss in seiner Ära vorherrschen wird. König Abdullah war sich dessen bewusst. Aus diesem Grund führte er eine neue Tradition in Saudi-Arabien ein: Der König ernannte nicht nur seinen Kronprinzen, sondern auch den stellvertretenden Kronprinzen (Wali Wali al-Ahd). Er wusste, dass Salman bin Abdulaziz mit den USA kooperiert. Um zu verhindern, dass Salman – wie es früher üblich war – seinen eigenen Kronprinzen aus den Reihen der Männer Amerikas ernennt, ernannte König Abdullah im Voraus einen stellvertretenden Kronprinzen. Er ernannte Muqrin zum stellvertretenden Kronprinzen von Salman bin Abdulaziz zu dem Zweck, den wir oben erwähnt haben.

  1. Muqrin ist bekannt für seine Beziehungen zu den Briten. Er hat dort studiert und seinen Abschluss an der berühmten Cranwell-Schule in Großbritannien gemacht. Er genießt das Vertrauen des verstorbenen Königs Abdullah und gehörte zu dessen engstem Umfeld. Die Einführung der Ernennung eines stellvertretenden Kronprinzen durch den verstorbenen König diente dazu, die Fortführung der US-amerikanischen Kette nach Salman bin Abdulaziz zu unterbrechen. König Abdullah bestätigte diese Ernennung durch den Erlass eines Dekrets, das die Absetzung des stellvertretenden Kronprinzen verbietet!

  2. Basierend auf dem Vorangegangenen stellt sich die politische Realität nun wie folgt dar:

a) Der neue König steht den USA nahe, während sein Kronprinz den Briten nahesteht.

b) Dies bedeutet, dass der vorherrschende Einfluss bei den USA liegen wird, während der britische Einfluss ihn bis zu einem gewissen Grad herausfordert.

c) Daraus resultiert eine Abnahme der Spannungen zwischen den USA und Saudi-Arabien. Dies könnte dazu beitragen, den anhaltenden Rückgang der Ölpreise zu begrenzen. Der verstorbene König und hinter ihm die Briten wollten durch die Senkung der Ölpreise den Erfolg der USA bei der Nutzung von Schieferöl vereiteln, da die Kosten für Schieferöl mit etwa 70 Dollar pro Barrel relativ hoch sind. Wenn der Ölpreis niedrig ist, wird die Produktion von Schieferöl kostspielig und unrentabel, während die Kosten für konventionelles Öl nur wenige Dollar (etwa 7 Dollar pro Barrel) betragen – wir haben dies in unserer Antwort vom 07.01.2015 ausführlich dargelegt.

  1. Abschließend schmerzt es die Seele, dass die ungläubigen Staaten, die dem Islam und den Muslimen feindlich gegenüberstehen, Einfluss in jenen Ländern haben, welche die Qibla der Muslime und den Ort der Offenbarung an den Gesandten Allahs (s.a.w.) beherbergen... und das Land der Hidschra, den Sitz des ersten islamischen Staates! Doch der Islam hat Männer, die Nacht und Tag miteinander verbinden und mit Aufrichtigkeit und Ergebenheit – so Allah will – an der Wiedererrichtung des islamischen Staates, des rechtgeleiteten Kalifats, arbeiten. Und wahrlich, es wird durch die Kraft des Allmächtigen entstehen. An jenem Tage werden die Gläubigen frohlocken über den Sieg Allahs, und die kolonialistischen Kuffar werden in ihre Heimatländer zurückgedrängt werden, sofern ihnen überhaupt ein Heim bleibt...

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