Erste Frage:
Am Montag, den 30.03.2009, fand der 21. Arabische Gipfel statt. Anstatt wie geplant zwei Tage zu dauern, schloss der Gipfel seine Aufgaben noch am selben Tag ab. Was steckt hinter diesem Gipfel und wie effektiv sind seine Beschlüsse?
Antwort:
Hinter diesem Gipfel steckt nichts Wesentliches, und ebenso wenig gingen daraus bedeutende Beschlüsse hervor, deren Wirksamkeit man hinterfragen müsste. Um das Bild zu verdeutlichen, halten wir folgendes fest:
- Die Gipfeltreffen werden mittlerweile „routinemäßig“ im März eines jeden Jahres abgehalten.
- Die Großmächte haben sich daran gewöhnt, die arabischen Gipfeltreffen für ihre Projekte in Bezug auf die Palästina-Frage zu nutzen, die sie als „Nahost-Frage“ bezeichnen. Zu Beginn der Gipfeltreffen in den sechziger Jahren waren die USA und Großbritannien die einflussreichen Staaten. Als der Einfluss Großbritanniens später schwand, wurden die USA zur treibenden und bestimmenden Kraft bei diesen Treffen.
- In der letzten Zeit sind die Bedingungen für die USA instabil und unruhig geworden. Sie haben Prioritäten, die vor der Nahost-Frage rangieren, insbesondere seitdem sie von der Wirtschaftskrise sowie ihrer Misere im Irak und in Afghanistan heimgesucht wurden. Daher haben sie ihre Aufmerksamkeit auf diese Prioritäten konzentriert.
- Obwohl Netanjahu öffentlich erklärt, dass er das von den USA geforderte Zwei-Staaten-Projekt nicht will, und obwohl die USA in der Lage gewesen wären, ihn bei den Wahlen zu stürzen, wie sie es zuvor getan haben, ließen sie die Dinge laufen und beschäftigten sich nicht weiter damit. Sie begnügten sich damit, Barak an seiner Seite zu beteiligen, um ihr Gesicht zu wahren – als ob Netanjahu die Macht nicht allein ausübe, sondern jemand an seiner Seite habe, der ihr Projekt fordert, nämlich Barak! Gleichzeitig sind sie sich bewusst, dass die schwache Stimmenanzahl, die Barak erhielt, ihn nicht in die Lage versetzen wird, Netanjahu an der Umsetzung seiner Ansichten zu hindern.
All dies deutet darauf hin, dass die USA derzeit keine Lösung für die Frage auf ihrer Agenda haben, sei sie auch noch so hinfällig. Das bedeutet, dass sie die Dinge in der Region ohne ernsthaftes Eingreifen laufen lassen, bis sie ihre Prioritäten erledigt oder darin einen bedeutenden Schritt vorangekommen sind. Danach werden sie sich wieder der „Nahost-Frage“ zuwenden. Weder Netanjahu noch ein anderer aus dem jüdischen Gebilde wird sie dann daran hindern können, zumal das Leben und der Tod des jüdischen Gebildes in der Hand Amerikas liegen. Bis sie bei ihren Prioritäten vorankommen, haben sie die Bewegung in der Palästina-Frage ihrem loyalen Vasallen Husni Mubarak überlassen, um das Vakuum nach Bedarf zu füllen. Dies gilt nicht für einen Gipfel, mit dem sie sich derzeit nicht beschäftigen wollen... Währenddessen senden sie einen Abgesandten oder Gesandten, um die aktuelle Lage zu beobachten und Informationen zu sammeln, bis die Nahost-Frage wieder an der „Reihe“ ist.
- Aus diesem Grund ließen die USA diesen Gipfel routinemäßig ablaufen. Das heißt, die arabischen Herrscher trafen sich, aßen, tranken, lächelten einander an, stichelten gegeneinander und sprachen in vagen, vieldeutigen Worten über Versöhnung...
Daher kann dieser Gipfel am ehesten als eine Public-Relations-Konferenz zwischen den arabischen Herrschern beschrieben werden... bis die USA ihre Prioritäten abgeschlossen oder einen großen Schritt darin gemacht haben. Danach könnten große und kleine Konferenzen abgehalten werden, die von den USA initiiert werden, um Beschlüsse zu fassen, die ihren Interessen dienen.
Zweite Frage:
Am 23.03.2009 stattete der Präsident der Republik Türkei, Abdullah Gül, dem Irak einen zweitägigen Besuch ab. Es war der erste Besuch eines türkischen Staatspräsidenten seit 33 Jahren. Er traf sich mit dem Staatspräsidenten Talabani und dem Premierminister al-Maliki sowie mit Nedschirvan Barsani, dem Premierminister der Region Kurdistan. Letzterer erklärte daraufhin: „Das Treffen des türkischen Präsidenten mit ihm sei eine Anerkennung der Region Kurdistan durch die Türkei.“ (Türkischer Nachrichtensender, 25.03.2009). Talabani erklärte zudem auf einer Pressekonferenz mit dem türkischen Präsidenten: „Die PKK muss die Waffen niederlegen oder das Land verlassen.“ (Radio Sawa, 23.03.2009). Bedeutet dies, dass die Existenz der türkischen PKK im Irak im Austausch für eine türkische Anerkennung der Region Kurdistan – jedoch innerhalb des irakischen Staates – beendet ist? Haben die Kurden im Irak die Hoffnung auf die US-Versprechen eines unabhängigen Staates aufgegeben? Hat der Besuch zudem eine internationale Dimension oder beschränkt er sich auf die Beziehungen zwischen dem Irak und der Türkei?
Antwort:
Ja, die Versprechen der USA an die Kurden im Irak bezüglich der Errichtung eines eigenen Staates waren niemals ernsthafte Versprechen. Sie gaben sie ihnen nur, um sie gegen ihre Brüder im Irak auszuspielen und so die Besetzung des Irak zu erleichtern. Ähnlich versprach Großbritannien Mahmud al-Hafid im Jahr 1919, das osmanische Protektorat in Sulaimaniyya anzugreifen, im Austausch für das Versprechen eines kurdischen Staates. Sie griffen an und töteten ihre osmanischen Brüder im Protektorat und vertrieben die Überlebenden. Danach brach Großbritannien sein Versprechen und verbannte Mahmud al-Hafid sogar in seine Kolonie Indien. Ebenso bestand Großbritannien im Vertrag von Sèvres 1920 mit dem Osmanischen Staat auf einer Klausel zur Errichtung eines kurdischen Staates, um den Kalifen Muhammad Wahid-ud-Din zu bedrängen, da die Delegation des Kalifen die Verhandlungsseite war. Als es Großbritannien später gelang, Mustafa Kemal als Präsidenten der Republik einzusetzen und das Kalifat beendet war, und der Vertrag mit der Republik von Mustafa Kemal in Lausanne 1924 geschlossen wurde, weigerte sich Großbritannien, die Klausel über den kurdischen Staat aufzunehmen. Denn es hatte sein Ziel erreicht, nämlich den Sturz des Kalifats, und eine solche Instrumentalisierung war nicht mehr nötig. Großbritannien schürte kurdische nationalistische Gefühle sowie alle anderen nationalistischen Regungen in der Region und nutzte diejenigen aus, die es zum Ungehorsam und zur Rebellion gegen den Islamischen Staat anstiftete, um seine Ziele zu erreichen. Danach ließ es die Kollaborateure fallen oder setzte sie als Agenten ein, wenn es sie zu sogenannten Herrschern und Führern ernannte. Die USA übernahmen dieselbe Rolle, spielten das gleiche Spiel und verfuhren mit ihren Kollaborateuren auf die gleiche Weise: bloße Versprechen, um sie für ihre Interessen auszunutzen. Sobald ihre Interessen gesichert sind, verschwinden ihre Versprechen, als hätten sie nie existiert!
Es ist nicht auszuschließen, dass die Türkei die Region Kurdistan offiziell anerkennt, jedoch innerhalb des irakischen Staates und ohne eigenen Staat, unter der Bedingung der Ausweisung der PKK. Abdullah Gül erklärte gegenüber Journalisten nach seinem Treffen mit Nedschirvan Barsani: „Ich habe ihm unmissverständlich mitgeteilt, dass die terroristische Organisation PKK und ihre Lager in eurer Region sind. Ihr müsst eine klare Haltung gegen sie einnehmen. Wenn sie beseitigt ist, ist alles zwischen uns und euch möglich. Ihr seid unsere Nachbarn und Verwandten.“ (Reuters, 25.03.2009). Gül war bereits am 17.03.2009 in Istanbul am Rande des 5. Weltwasserforums mit Talabani zusammengetroffen und erklärte dort die Unmöglichkeit der Errichtung eines kurdischen Staates; dieser existiere nur in kurdischen Gedichten. Er forderte die PKK auf, die Waffen niederzulegen.
Es scheint, dass die Herrscher der Region Kurdistan auf die Forderungen der Türkei eingehen wollen, im Austausch für deren Anerkennung. Nedschirvan Barsani sagte: „Wir wollen gute Beziehungen zur Türkei und wir verstehen die Sorgen der Türkei.“ (CNN, 25.03.2009). Er fügte hinzu: „Wir akzeptieren keine Angriffe auf Nachbarländer vom Irak oder von der Region Kurdistan aus.“ (CNN, 25.03.2009). Kürzlich wurde aus Quellen des türkischen Außenministeriums bekannt gegeben, dass die Türkei die Bitte des Präsidenten der Region Kurdistan, Masud Barsani, um einen Besuch in Ankara angenommen hat. (CNN, 26.03.2009). Dieser Besuch steht im Zusammenhang mit demselben Thema, nämlich der Vertreibung der PKK aus der Region Kurdistan im Austausch für die türkische Anerkennung der Region innerhalb des irakischen Staates – und das, obwohl die Präsenz der PKK im Nordirak unter dem Schutz von Barsanis „Demokratischer Partei Kurdistans“ stand!
- Daneben berührte Güls Besuch auch die Beilegung der Kirkuk-Frage; die Türkei lehnt den Anschluss von Kirkuk an die Region Kurdistan ab. Abdullah Gül traf sich mit Vertretern der Turkmenen und versicherte ihnen, dass die Türkei den Anschluss Kirkuks an irgendeine Seite ablehnt. Er betonte dies jedoch nicht übermäßig, da es für die Türkei an zweiter Stelle steht. Andererseits weiß die Türkei, dass es große Hindernisse gibt, die den Anschluss Kirkuks an Kurdistan verhindern, und die Türkei ist eines dieser Hindernisse.
Es wurden auch andere Themen besprochen, wie der Öltransport durch die Türkei, der Handel und die Erhöhung der Wassermenge; beide Seiten zeigten sich hierbei einig.
- Was die internationale Dimension des Besuchs betrifft, so ist diese am wichtigsten. Der Besuch des türkischen Staatspräsidenten im Irak erfolgt nach dem US-Beschluss über den schrittweisen Abzug ihrer Truppen aus dem Irak, abgesehen von sensiblen Zentren. Die USA wollen, dass ihnen loyale Staaten ihre Rolle übernehmen, damit keine andere Großmacht die Situation ausnutzt und den Platz der USA einnimmt oder deren Einfluss stört.
Von hier aus ergab sich die Rolle Irans in Koordination mit den USA, worüber man sich einigte. Dies wurde im vergangenen Jahr durch den Besuch des iranischen Staatspräsidenten in Bagdad gekrönt. Die USA wollen sich jedoch nicht auf einen einzigen Staat verlassen; ein Staat mag zwar eine gewisse Rolle spielen können, aber er kann nicht alles leisten, was die USA von ihm verlangen. Daher wollen die USA auch eine Rolle für die Türkei und Syrien... Hieraus ergab sich der Besuch Güls im Irak. Nach Güls Besuch reiste der syrische Außenminister in den Irak und traf sich mit Talabani. Die USA können nicht alles, was sie wollen, isoliert von den Nachbarstaaten erreichen. Dies gilt für jedes Land. Wir sehen, wie sie Pakistan und den Iran, die an Afghanistan grenzen, zur Erreichung ihrer Ziele in Afghanistan hinzuziehen. Sie nehmen sogar die Hilfe von Staaten in Anspruch, in denen sich ihr Einfluss mit dem der Engländer vermischt, wie Saudi-Arabien, um die dortigen Mudschahidin zur Annahme von Verhandlungen zu bewegen. Die gestrige Konferenz in Den Haag am 31.03.2009 über Afghanistan ist der stärkste Beweis dafür. Es nahmen etwa siebzig Staaten teil, und einer der prominentesten Teilnehmer war der Iran, dessen Delegationsleiter mit dem US-Sondergesandten für Afghanistan zusammentraf. Das Treffen wurde als „freundschaftlich“ beschrieben...!
Die USA wollen ihren Einfluss im Irak und ihre Position als führende Weltmacht behaupten, nachdem sie die Bitterkeit der Niederlagen durch den Widerstand dort gekostet haben, was beinahe ihr internationales Ansehen gemindert und sie von ihrer Position als erste Weltmacht verdrängt hätte. Dennoch wurde das Vertrauen in sie als erste Weltmacht, die behauptete, tun zu können, was sie wolle, erschüttert!
Daher war Obamas Botschaft an die Türkei, dass die USA die Hilfe der Türkei in Anspruch nehmen wollen. Die Inanspruchnahme der Türkei durch die USA – oder genauer gesagt die Instrumentalisierung der Türkei durch die USA – betrifft nicht nur die Lage im Irak. Es gibt mehrere Themen, bei denen die USA die Türkei instrumentalisieren wollen, wie die Kaukasus-Frage, Russland und die Nahost-Frage. Aus diesem Grund kündigte der neue US-Präsident Obama an, die Türkei bald zu besuchen. Obama hatte auch eine Botschaft an den Iran gerichtet, um ihn in der Afghanistan-Frage neben der Irak-Frage zu instrumentalisieren.
Dritte Frage:
Schich Scharif Ahmed ist Präsident von Somalia geworden. Bedeutet dies, dass die Islamischen Gerichtshöfe nach Somalia zurückgekehrt sind, wie es vor zwei Jahren der Fall war? Und wenn dem so ist, warum steht die Bewegung Al-Shabaab al-Mujahideen dann gegen ihn, obwohl sie Teil der Gerichtshöfe war oder ihnen nahestand? Wenn Schich Scharif sich geändert hat und die Al-Shabaab-Bewegung sich wegen seines Abweichens gegen ihn gestellt hat, bedeutet dies dann, dass die Al-Shabaab-Bewegung eine aufrichtige und loyale Bewegung ist?
Antwort:
Ja, Schich Scharif Ahmed ist heute nicht mehr derselbe wie gestern. Als er früher Vorsitzender der Islamischen Gerichtshöfe war und im Somalia die Macht übernahm, bekämpfte er die äußeren Begehrlichkeiten der kolonialistischen Ungläubigen in Somalia und sprach von der Anwendung der Scharia. Doch sein politisches Bewusstsein war schwach, wie es bei den meisten bewaffneten islamischen Bewegungen der Fall ist. Daher sandten ihm „Aufrichtige“ eine Delegation, die ihm riet, nicht mit der Regierung von Abdullahi Yusuf zu verhandeln, da diese den USA unterstehe, und auch nicht mit den USA direkt oder indirekt über ihre Handlanger oder unter dem Schirm der UN, der Arabischen Liga oder der Afrikanischen Union zu verhandeln... In all diesen Organisationen haben die USA ihre Finger, ja ihre Hände im Spiel. Die Delegation riet ihm zudem, in seiner Feindseligkeit gegenüber den kolonialistischen Ungläubigen beharrlich zu bleiben... Er nahm den Rat jedoch nicht in seiner Gänze an, sondern verhandelte mit der Regierung von Abdullahi Yusuf in Khartum unter dem Schirm der UN, der Arabischen Liga und der Afrikanischen Union...
Dies geschah, während er an der Macht war. Nach dem äthiopischen Einmarsch und Scharifs Flucht aus Somalia nach Kenia gelangte er schließlich nach Dschibuti. Er wurde Vorsitzender der Allianz für die Wiederbefreiung Somalias (Flügel Dschibuti), nachdem sich die Islamischen Gerichtshöfe gespalten hatten und ihre Sitze in Asmara und Dschibuti bezogen – obwohl beide Staaten dem Westen gegenüber loyal sind...! Während dieser Zeit vertiefte sich Schich Scharif in direkte und indirekte Verhandlungen, bis die Dinge so weit kamen, dass er einer Regierung in Somalia vorsteht, die sich kaum von der Regierung Abdullahi Yusufs unterscheidet, mit dem Segen der USA, des Westens und der Handlanger... Die Dinge entwickelten sich wie folgt:
- Nach Scharifs Ausreise aus Somalia infolge der Niederlage der Islamischen Gerichtshöfe Ende 2006 gegen die äthiopischen Truppen, welche die USA stellvertretend für sich zum Einmarsch gedrängt hatten, traf er sich in Kenia mit dem US-Botschafter in Anwesenheit von CIA-Vertretern.
- Nachdem sich die Gerichtshöfe gespalten hatten, übernahm Schich Scharif den Flügel in Dschibuti. Verhandlungen zwischen ihm, der Regierung Abdullahi Yusuf und Äthiopien begannen, bis am 26.10.2008 das Abkommen von Dschibuti unterzeichnet wurde.
- Das Abkommen kam unter US-Schirmherrschaft und mit äthiopischer Zustimmung zustande, da die äthiopische Armee Verluste erlitten hatte und abziehen wollte, jedoch unter Wahrung des Gesichts, also durch ein entsprechendes Abkommen. Daher gab Äthiopien nach der Unterzeichnung Erklärungen über den Abzug seiner Truppen ab. Die Agentur AFP berichtete am 28.11.2008, dass Äthiopien bis Ende des Jahres aus Somalia abziehen werde, was in zwei offiziellen Briefen an die Afrikanische Union und die UN mitgeteilt wurde. Wahide Belay, der Sprecher des äthiopischen Außenministeriums, sagte: „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es unangemessen ist, äthiopische Truppen in Somalia zu belassen. Wir haben unsere Arbeit getan und sind stolz darauf, aber die Hoffnungen, die wir in die internationale Gemeinschaft gesetzt haben, wurden enttäuscht.“ Zuvor hatte derselbe Sprecher am 24.11.2008 gegenüber derselben Agentur das Abkommen von Dschibuti kommentiert: „Es entspricht der Position Äthiopiens und dem geordneten Truppenabzug.“
Äthiopien liegt Somalia am Herzen, nicht nur als Stellvertreterkrieger für die USA, sondern auch, weil es ein Nachbarland ist und die somalische Region Ogaden besetzt hält, um deren Rückgewinnung Somalia 1977 und 1978 Krieg gegen Äthiopien führte, jedoch scheiterte. Äthiopien will in Somalia eine Regierung, die es nicht bedroht und Ogaden nicht zurückfordert. Hinzu kommt der Dienst Äthiopiens an den Interessen der USA am Horn von Afrika. Die USA waren es, die Äthiopien nach Somalia schickten, und sie waren es, die nach dem Abkommen von Dschibuti am 26.10.2008 den Abzug forderten, als sie in Schich Scharif ihr Ziel gefunden hatten.
Die USA sahen in Schich Scharif denjenigen, der am ehesten in der Lage ist, den Mudschahidin entgegenzutreten, da er einen islamischen Hintergrund hat. Äthiopien als afrikanischer Staat konnte den Kampf gegen die Islamisten nicht dauerhaft fortsetzen. Für die USA war es daher am besten, einen der Islamisten zu nutzen, um diese Rolle zu übernehmen. Die USA setzten ihre Handlanger in Kenia und im Sudan auf Scharif an, um ihn zu gewinnen, insbesondere den Sudan. Der politische Experte Hassan Makki sagt: „Die sudanesische Regierung teilte Scharif mit, dass er die Äthiopier nicht übergehen könne und die internationale Gemeinschaft nicht ignorieren dürfe. Daher begann er, auf diese Ratschläge zu hören, zumal er ein Absolvent sudanesischer Bildungseinrichtungen ist.“ Er fügt hinzu: „Der sudanesische Vermittler spielte eine große Rolle bei diesen Versöhnungen“ – womit er die Gespräche in Dschibuti meint. So gelang es den USA, Schich Scharif derart zu gewinnen, dass er sie sogar zu loben begann. In einem Interview mit Voice of America – Somali Section am 20.02.2009 beschrieb er die US-Politik gegenüber Somalia seit Beginn der Verhandlungen als positiv und sagte: „Wir hoffen, dass diese Bemühungen fortgesetzt werden.“!
Nachdem Schich Scharif mit der Mehrheit der Stimmen des Parlaments aus der Ära von Abdullahi Yusuf zum Präsidenten gewählt worden war, folgte die Ernennung des Premierministers. Auch hier spielten die USA eine Rolle. Gewählt wurde Omar Abdirashid Ali Sharmarke, der in den USA gelebt hatte und nach US-Maßstäben als moderat gilt. Er bekleidete verschiedene Positionen bei den UN, war somalischer Botschafter in Washington unter Abdullahi Yusuf und ist der Sohn eines ehemaligen somalischen Präsidenten. Die USA legten Wert auf seine Ernennung zum Premierminister aufgrund seines früheren Aufenthalts in den USA und weil er nicht in den Bürgerkrieg verwickelt war, da er weit weg von seinem Land war. Daher genoss er eine gewisse Akzeptanz beim einfachen Volk in Somalia.
Es ist erwähnenswert, dass kolonialistische Staaten nach ihrer Gewohnheit einen Mann, der ihnen aktuell dient, wie einen Kern wegwerfen, wenn sie ihr Interesse bei einem anderen finden, der ihre Interessen besser verwirklichen kann. So ließen die USA Abdullahi Yusuf fallen, der verbraucht, verhasst und durch seinen Verrat an Somalia entlarvt war. Er war gezwungen, am 29.12.2008 zurückzutreten und von Mogadischu in seine Heimatregion Puntland zu ziehen – die Region, die er von 1998 bis 2004 regierte, bevor er zum Präsidenten Somalias ernannt wurde. Später suchte er Zuflucht im Jemen...
Die USA dachten, dass sie durch den Erfolg von Schich Scharif als Staatspräsident – mit seinem islamischen Hintergrund aus den Gerichtshöfen, die während ihrer Herrschaft eine öffentliche Meinung hinter sich hatten – sowie durch einen Premierminister, der dem Bürgerkrieg fernblieb, Somalia fest im Griff hätten. Doch ihre Hoffnung wurde enttäuscht, als das Wesen der neuen Regierung in Somalia ans Licht kam. Es zeigte sich, dass sich diese Regierung kaum von der vorherigen unterscheidet, außer dass sie ein schöneres und geschmückteres Gewand trägt als die Vorgängerregierung. Der Unterschied zwischen den beiden Regierungen ist, sofern man Gutes unterstellt, dass Abdullahi Yusuf den USA wissentlich diente, während Schich Scharif den USA aus Unwissenheit dient und dabei glaubt, Somalia etwas Gutes zu tun! Wir hätten uns gewünscht, dass Schich Scharif so geblieben wäre, wie er begann: fernab der Verschwörungen der kolonialistischen Ungläubigen. Möge er so Gott will zu seinem ursprünglichen Weg zurückkehren.
Angesichts dessen, was über diese Regierung bekannt wurde, hielt der Widerstand der Muslime in voller Härte an, wobei die Bewegung Al-Shabaab al-Mujahideen am prominentesten hervortrat. Die Bewegung Al-Shabaab al-Mujahideen trennte sich von den Islamischen Gerichtshöfen (Flügel Asmara und Flügel Dschibuti), nachdem diese im September 2007 das Asmara-Abkommen unterzeichnet hatten. Sie warf ihnen vor, sich mit Säkularisten verbündet und den Dschihad auf dem Wege Allahs aufgegeben zu haben...
Sie erklärt, dass sie den Dschihad gegen Äthiopien und die USA wolle, um die gesamte Region am Horn von Afrika zu befreien, und dass sie eine islamische Herrschaft errichten wolle, die über enge Nationalismen hinausgeht... Das US-Außenministerium gab eine Erklärung ab, in der es die Al-Shabaab-Bewegung als extremistische und gewalttätige Gruppe bezeichnete, von der einige Mitglieder der Al-Qaida angehörten (People’s Daily Online, 18.03.2008). Die USA hatten Mitte 2007 ihren ehemaligen Führer Ismail Arale in Dschibuti festgenommen und nach Guantanamo gebracht. Die Bewegung wählte Mukhtar Abdirahman „Abu Zubair“ zu ihrem Anführer und Mukhtar Robow „Abu Mansur“ zu ihrem offiziellen Sprecher (Al-Arabiya, 22.12.2007). Dieser Sprecher antwortete dem US-Außenministerium: „Unsere Beziehung zur Al-Qaida ist die Beziehung eines Muslims zu seinem muslimischen Bruder. Zum Kern des Glaubens eines Muslims gehört (Al-Wala' wa-l-Bara') – dass wir uns von den Ungläubigen fernhalten und uns mit allen Muslimen verbinden und sie lieben.“ Er sagte weiter, dass die Bewegung „erfreut und stolz über die Entscheidung der USA sei, sie auf die Terrorliste zu setzen“. In einer Erklärung der Bewegung vom 05.04.2008 hieß es: „Wir wissen mit Gewissheit, dass wir nicht angegriffen werden, weil wir Somalier sind, sondern weil wir die Idee des Dschihad in seinem umfassenden Sinne tragen, der weder imaginäre Grenzen noch die sogenannte (internationale Legitimität) anerkennt.“
Es gelang der Al-Shabaab-Bewegung, die Kontrolle über viele somalische Städte zu übernehmen, was die Kontrolle der Regierung bei weitem übertrifft. Es scheint, dass diese Bewegung die kolonialistischen Ungläubigen aufrichtig und loyal bekämpft... Die Schwachstelle liegt jedoch, wie bereits erwähnt, im mangelnden politischen Bewusstsein der bewaffneten islamischen Bewegungen. Wir bitten Allah, den Erhabenen, für diese Bewegung um Standhaftigkeit in ihrer starken Position gegen die kolonialistischen Ungläubigen.
Dennoch ist sie bewusster als die Islamische Partei (Hizbul Islam), die ebenfalls die Regierung von Schich Scharif ablehnt und aus vier Bewegungen besteht, von denen die Allianz für die Wiederbefreiung Somalias (Flügel Asmara) unter der Führung von Hassan Dahir Aweys die prominenteste ist. Die anderen drei Bewegungen in der Islamischen Partei sind Ras Kamboni, die Islamische Front und die Anole-Schule. Die Seite Grinji fragte am 24.01.2009 – eine Seite, die der Al-Shabaab-Bewegung nahesteht – Hassan Dahir Aweys nach dem Grund für seinen Aufenthalt in der eritreischen Hauptstadt Asmara. Er antwortete: „Diese Leute sind für uns wie der Negus für die ersten Muslime!!“ So sagt er es!!
Wir bitten Allah, den Erhabenen, für die islamischen Bewegungen um Aufrichtigkeit gegenüber Allah, Wahrhaftigkeit gegenüber dem Gesandten Allahs ﷺ und volles Bewusstsein über die Pläne und Verschwörungen der Ungläubigen. Denn sie schmieden Ränke gegen den Islam und hegen Böses gegen ihn, weit über das hinaus, was sie offenbaren.
قَدْ بَدَتِ الْبَغْضَاءُ مِنْ أَفْوَاهِهِمْ وَمَا تُخْفِي صُدُورُهُمْ أَكْبَرُ
"Hass ist bereits aus ihren Mündern offenkundig geworden, doch was ihre Brüste verbergen, ist noch schwerwiegender." (Sure Al-Imran [3]: 118)
Wer sich auf sie stützt, verliert sein Diesseits und sein Jenseits, und das ist der offenkundige Verlust. Die Beweise dafür sind zahlreich und erschöpfend...