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Fragen & Antworten

Antworten auf ökonomische Fragen bezüglich Gold

August 24, 2013
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(Antwortserie des Gelehrten Ata Bin Khalil Abu Al-Rashtah, Amir von Hizb ut-Tahrir, auf die Fragen der Besucher seiner Facebook-Seite)

An: Y. S

Fragen:

As-Salamu Alaikum Wa Rahmatullahi Wa Barakatuh.

Sehr geehrter Gelehrter Ata Bin Khalil, möge Allah Sie bewahren und beschützen.

Ökonomische Fragen bezüglich Gold:

Welche Faktoren beeinflussen den Goldpreis?

Warum ist der Goldpreis seit Ende letzten Jahres gesunken?

Worauf ist der plötzliche Absturz vor etwa einem Monat zurückzuführen?

Ist es islamrechtlich erlaubt, Gold anstelle von Papierwährung zu sparen, sofern man darauf achtet, die Zakat zu entrichten (wird dies als Horten – Kanz – betrachtet)? Und falls es erlaubt ist: Ist es aus ökonomischer Sicht empfehlenswert?

Barakallahu Fika (Möge Allah Sie segnen).

Antwort:

Wa Alaikum As-Salam Wa Rahmatullahi Wa Barakatuh.

  1. Wie Sie wissen, bestand das Geld früher aus Gold und Silber. Selbst als einige Staaten im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert Papiergeld ausgaben, fungierte dieses als Repräsentant für Gold und Silber und war jederzeit umtauschbar. Das bedeutet, der Inhaber der Banknote konnte zur Staatsbank des Emittenten gehen und dafür Gold im entsprechenden Gegenwert erhalten.

  2. Diese Situation geriet während des Ersten (1914) und Zweiten Weltkriegs (1939) ins Wanken, insbesondere durch die Weltwirtschaftskrise in Amerika (1929), die sich auch auf andere Länder ausweitete. Infolgedessen wurde der Umtausch von Papiergeld in Gold mit verschiedenen Beschränkungen belegt.

  3. Als der Zweite Weltkrieg 1945 endete, ging Amerika mit den geringsten Verlusten daraus hervor, während Europa, Deutschland und Japan massive Zerstörungen an Fabriken und Infrastruktur erlitten hatten. Folglich befand sich der Großteil des Goldes nach dem Krieg in amerikanischem Besitz. Aufgrund seiner militärischen und wirtschaftlichen Stärke gelang es Amerika auf der Konferenz von Bretton Woods, seine Papierwährung, den Dollar, als Deckung für die Währungen anderer Länder zu etablieren, ähnlich wie eine Golddeckung. Das hieß, Staaten konnten Papiergeld nur dann drucken, wenn sie eine Deckung in Gold oder Dollar besaßen. Amerika legte den Preis für den Dollar auf 35 Dollar pro Unze Gold fest und verpflichtete sich, den Staaten, die über Dollarnoten verfügten, auf Wunsch den Goldwert zum genannten Preis auszuzahlen.

  4. Amerika kam dabei zugute, dass seine Goldreserven ausreichten oder sogar die Menge der im In- und Ausland gedruckten Dollarnoten überstiegen. Entscheidend war, dass die Goldreserven in der Lage waren, die Dollars im Ausland (bei Staaten oder Einzelpersonen) zu decken; der Umgang mit den Dollarnoten im Inland war einfacher zu handhaben.

Um ein klares Bild zu zeichnen: Amerikas Goldreserven beliefen sich im Jahr 1946 nach dem Bretton-Woods-Abkommen auf einen Wert von 20,6 Milliarden Dollar (basierend auf dem festgelegten Preis), während das Volumen der Dollarnoten im Ausland bei 6,1 Milliarden Dollar lag. Dieser Zustand blieb stabil, sodass Amerika bis 1960 in der Lage war, den genannten Dollarpreis zu garantieren. Zu diesem Zeitpunkt betrugen die Goldreserven in Amerika 18,8 Milliarden Dollar, während das Dollarvolumen im Ausland 18,7 Milliarden Dollar erreichte. Damit war die Grenze der Garantiefähigkeit fast erreicht. Danach begannen die Dollarbestände im Ausland, die Goldreserven in Amerika zu übersteigen.

  1. Infolge der Verschlechterung der Golddeckung des Dollars bat Amerika die wichtigsten Industrieländer um Hilfe. Man einigte sich auf die Gründung des sogenannten Gold-Pools. Dessen Aufgabe war es, sofort zu intervenieren, wenn der Goldpreis am Markt aus irgendeinem Grund stieg, indem die Banken zusätzliche Mengen Gold zum Verkauf anboten, um den Preis wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Umgekehrt kauften sie bei einem Preisverfall überschüssiges Gold auf, um den Preis wieder auf das ursprüngliche Niveau zu heben.

Der Gold-Pool existierte einige Jahre, griff jedoch zunehmend als Anbieter in den Markt ein, insbesondere zwischen 1965 und seinem Ende am 17. März 1968. Dies drohte die Goldbestände der Mitgliedsländer aufzuzehren. Frankreich zog sich im Juni 1967 zurück, woraufhin sich die Krisen beschleunigten (die Pfund-Krise im Herbst 1967, gefolgt von der Goldkrise 1968). Diese beiden Krisen führten dazu, dass die Länder des Gold-Pools innerhalb von sechs Monaten 2,5 Milliarden Dollar in Gold verloren. Daraufhin wurde bei einem Treffen in Washington am 17. März 1968 beschlossen, den Gold-Pool aufzulösen und den Goldpreis dem freien Spiel von Angebot und Nachfrage zu überlassen.

  1. Die erwähnte Goldkrise führte dazu, dass die Goldreserven in Amerika von 14 Milliarden Dollar im Jahr 1965 auf 10,48 Milliarden Dollar im März 1968 sanken, als der Gold-Pool aufgelöst wurde. Dieser Goldbestand entsprach damals der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestmenge für die interne Golddeckung des Dollars (25 %). Infolgedessen hob Amerika die Konvertierbarkeit von Dollars im Besitz ausländischer privater Akteure in Gold auf und behielt den Umtausch nur für offizielle ausländische Bestände bei. Die verbliebene Goldmenge reichte gerade noch für diese offiziellen Auslandsguthaben aus. Das bedeutete, dass die interne Golddeckung des Dollars (25 %) abgeschafft wurde. Dennoch konnte Amerika die Zusage zum Umtausch offizieller Auslandsguthaben aufgrund der Importe und Exporte des Privatsektors sowie der internationalen Transaktionen des öffentlichen Sektors nicht dauerhaft einhalten.

  2. Daraufhin beschloss Amerika unter Präsident Nixon im Jahr 1971 die vollständige Aufhebung des Goldstandards. Seitdem hat das Papiergeld keine Deckung mehr, die sofort oder später umtauschbar wäre. Stattdessen wird der Wert des Papiergeldes durch die Wirtschaftskraft der Staaten bestimmt, d. h. durch ihre Zahlungsbilanz, ihre Sicherheitslage, akute Krisen usw. Hinzu kommen Spekulationen an den Finanzmärkten sowie – als wichtiger Faktor – der Ölpreis und die Stabilität bzw. Instabilität der Ölquellen.

  3. Zur Verdeutlichung sagen wir:

a) Seit diesem Datum wird Gold wie jede andere Ware von Angebot und Nachfrage beeinflusst. Wenn das Angebot steigt – etwa wenn Staaten Teile ihrer Goldreserven verkaufen, um ihre Wirtschaft zu stärken –, sinkt der Goldpreis. Wenn Staaten oder Einzelpersonen Gold zu Spekulationszwecken kaufen und somit die Nachfrage steigt, erhöht sich der Preis.

b) Ebenso aktivieren Lockerungen bei Goldimporten den Handel, wodurch das Angebot auf den Märkten steigt. Dies führt zu einem Sinken des Goldpreises, wie es Anfang 2011 in den Golfstaaten geschah, nachdem Gold von Zollgebühren auf verarbeitetes Gold befreit und die Punzierung vereinheitlicht wurde, was den grenzüberschreitenden Goldhandel intensivierte.

c) Wenn der Dollar aus wirtschaftlichen, kriegerischen oder anderen Gründen an Wert verliert, neigen die Menschen dazu, Gold anstelle von Dollar zu horten. Auch Staaten versuchen dann, Goldreserven anstelle von Dollar anzulegen. Dadurch steigt die Nachfrage nach Gold und somit sein Preis. Gewinnt der Dollar durch eine Verbesserung der US-Wirtschaft wieder an Vertrauen, verkaufen die Menschen ihre Goldbestände, das Angebot steigt, und sie sparen stattdessen in Dollar, wodurch der Goldpreis sinkt.

d) Ein weiterer Punkt ist das Erdöl. Der Anstieg oder Fall der Goldpreise verhält sich heute oft proportional zum Ölpreis. Steigt der Preis für ein Barrel Rohöl, steigen meist auch die Goldpreise. Gleichzeitig führen sinkende US-Dollar-Kurse häufig zu steigenden Goldpreisen.

  1. Basierend darauf lässt sich die Antwort auf Ihre Fragen verstehen:

a) Der Rückgang der Goldpreise im Jahr 2012:

In jenem Jahr ereigneten sich zwei bemerkenswerte Dinge:

Erstens: Eine relative Erholung des Dollars nach den schweren Verlusten der Vorjahre infolge der US-Wirtschaftskrise (Immobilienmarktcrash). Diese Stärkung des Dollars führte – wie oben erläutert – zu einem Sinken des Goldpreises, da Goldpreis und Dollarkurs in einem umgekehrten Verhältnis zueinander stehen.

Zweitens: Russland verkaufte zum ersten Mal seit fünf Jahren etwa 4 Tonnen seiner Goldreserven. Dieser Verkauf trug zur Erhöhung des Angebots und damit zum Sinken des Goldpreises bei.

Es gab noch weitere sekundäre Gründe, aber die oben genannten hatten den größten Einfluss.

b) Der plötzliche Preissturz im Juli 2013:

Am 19. Juni 2013 kündigte der Chef der US-Notenbank (Federal Reserve) einen möglichen Zeitplan für die schrittweise Reduzierung des Programms zur quantitativen Lockerung (Quantitative Easing) an. Dies stärkte den Dollar massiv und führte zu einem unerwarteten Einbruch der Goldpreise, wobei der Preis pro Unze auf fast 1180 Dollar fiel. Dies liegt nur knapp über den Förderkosten für Gold, die sich zwischen 1135 und 1150 Dollar pro Unze bewegen. Dies veranlasste Pankaj Gupta, den Direktor von SMC Comex, zu der Aussage: „Ich erwarte nicht, dass die Preise unter dieses Niveau fallen, vor allem wegen der Förderkosten von etwa 1135 bis 1150 Dollar pro Unze. Ein Sinken unter diesen Wert würde die Minen dazu zwingen, die Förderung einzustellen und das Angebot am Markt zu verknappen, was die Preise wieder steigen ließe.“

Diese Einschätzung ist bis zu einem gewissen Grad korrekt, da die Preise im August 2013 wieder leicht auf 1310 Dollar pro Unze stiegen, obwohl die US-Notenbank begann, ihr monatliches Anleihekaufprogramm im Wert von 85 Milliarden Dollar zu drosseln. Dies bedeutet eine Verringerung des Dollarangebots und damit eine Aufwertung des Dollars, was normalerweise zu sinkenden Goldpreisen führt. Dennoch fiel der Preis nicht unter das Niveau vom Juli 2013. Auch wenn der Goldpreis weiterhin niedrig und nah an den Förderkosten bleibt, führt die Annäherung an die Kostenbasis – wie Gupta sagte – dazu, dass einige Minen ihre Produktion drosseln, wodurch das Angebot sinkt und der Preis wieder steigt, wenn auch nur geringfügig.

c) Zu Ihrer Frage bezüglich des Sparens von Gold und Silber anstelle von Papierwährung:

Die islamrechtlichen Urteile (Ahkam Scharia) bezüglich Gold unterscheiden nicht zwischen geprägtem Gold (Münzen) und ungeprägtem Gold (Barren etc.). Das Horten (Kanz) von Gold ohne ein konkretes Bedürfnis ist verboten (haram), selbst wenn die Zakat darauf entrichtet wird. Dies ist die präferierte Ansicht in dieser Angelegenheit gemäß den entsprechenden islamrechtlichen Belegen. Wenn das Sammeln oder Sparen jedoch für ein Bedürfnis erfolgt – wie etwa der Bau eines Hauses oder die Verheiratung eines Sohnes –, dann ist es unter der Bedingung der Zakat-Entrichtung erlaubt.

Ihr Bruder Ata Bin Khalil Abu Al-Rashtah

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