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Fragen & Antworten

Antworten auf Fragen: Über Konferenzen, Märsche „Demonstrationen“ und Seminare – Hat Hizb-ut-Tahrir seine Methode geändert?

January 07, 2014
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(Serie der Antworten des Gelehrten Ata bin Khalil Abu al-Rashta, Emir von Hizb-ut-Tahrir, auf die Fragen der Besucher seiner Facebook-Seite)

An Um Ukasha – Nona Amer – Wassim Kordoghli

Fragen:

A – Um Ukasha

„As-Salamu Alaikum Wa Rahmatullah Wa Barakatuh, unser ehrwürdiger Scheich, Ata bin Khalil Abu al-Rashta: Ich bitte Allah, dir bei deinen großartigen Bemühungen im Dienste des Islam und der Muslime beizustehen und diese Bemühungen bald mit der Ausrufung des Kalifats durch deine Hände zu krönen, Allahuma Amin, Amin. Nun zu meiner Frage: Es gibt Leute, die behaupten, die Partei habe ihre Methode geändert und das Abhalten von Konferenzen passe nicht zu ihr, da sie eine intellektuelle Partei sei... Möge Allah dich mit Gutem belohnen.“ Ende.

B – An Nona Amer

„As-Salamu Alaikum Wa Rahmatullah Wa Barakatuh.. Ich habe eine Frage und hoffe auf eine Antwort. In den Ausführungen des Gelehrten Taqiuddin (rahimahullah) wurde erwähnt, dass er Demonstrationen ablehnte. Heute sehen wir jedoch, dass Demonstrationen weit verbreitet sind und ihr selbst sie organisiert. Gibt es einen scharia-rechtlichen Beleg für euer Handeln? Wassalamu Alaikum.“ Ende.

C – An Wassim Kordoghli

„As-Salamu Alaikum, unser Emir, Wa Rahmatullah Wa Barakatuh. Im Buch ‚Der Islamische Staat‘ heißt es auf Seite 245: ‚Daher war das Abhalten von Kalifats-Konferenzen kein Weg zur Errichtung des Islamischen Staates...‘ Meine Frage, Scheich: Warum hält die Partei Konferenzen und Seminare ab, wenn sie diese Taten in ihren Büchern ablehnt? Wir bitten um Klärung, um diese Unklarheit zu beseitigen.“ Ende.

Antwort:

Wa Alaikum as-Salam Wa Rahmatullah Wa Barakatuh.

Eure Fragen ähneln sich thematisch: Es geht um Konferenzen, Märsche („Demonstrationen“), Seminare und die Frage, ob die Partei ihre Methode (Tariqa) geändert hat.

Die Antwort, liebe Brüder, lautet: Die Partei ändert ihre Methode nicht, da sie korrekt aus dem Buch Allahs (swt) und der Sunna Seines Propheten (saw) abgeleitet ist. Sie ist in den Büchern der Partei klar und unmissverständlich dargelegt. Die Kulturierung (Tathqif), die Interaktion (Tafa’ul) und die Errichtung des Kalifats... all dies ist mit den entsprechenden Belegen in unseren Büchern erläutert.

Wir rufen die Menschen dazu auf, die Da'wa zu tragen. Wer antwortet, den gliedern wir in die Partei ein, sodass er zu ihren Schabab gehört. Ebenso führen wir öffentliche Aktionen durch, um eine öffentliche Meinung (Ra'y al-'Am) zu erzeugen, die aus dem allgemeinen Bewusstsein (Wa'i al-'Am) hervorgeht... Wir ersuchen den Beistand (Nusra) bei den Inhabern der Macht und errichten mit Allahs Erlaubnis das Kalifat.

Diese Methode zur Errichtung des Staates ist, wie erwähnt, korrekt abgeleitet. Wir folgen darin dem Weg des Gesandten Allahs (saw) von dem Zeitpunkt an, als ihm offenbart wurde, bis er den Staat in Madina al-Munawwara errichtete. Das bedeutet: Kulturierung zum Aufbau des Parteikörpers, Interaktion mit der Umma durch öffentliche Aktionen zur Schaffung einer öffentlichen Meinung aus dem allgemeinen Bewusstsein, danach das Ersuchen von Beistand (Talab an-Nusra) und schließlich die Errichtung des Staates.

Es scheint, dass die Unklarheit bei den Fragestellern aus der Vermischung zwischen den Aktionen zur Schaffung einer öffentlichen Meinung in der Interaktionsphase und der Methode der Staatsgründung resultiert. Diese Verwechslung lässt sich wie folgt klären:

1- Wenn gefragt wird, was die Aktionen zur Schaffung der öffentlichen Meinung während der Interaktionsphase sind, dann sagen wir: Jede Aktion, die eine Interaktion mit der Umma beinhaltet und auf den Ideen und Gesetzen des Islam basiert. Dazu gehören beispielsweise das Abhalten eines Vortrags, eines Seminars, einer Massenkonferenz oder eines Marsches („Demonstration“), den wir – sofern möglich – anführen und mit unseren Bannern und Rufen steuern.

a) Der Gesandte (saw) versammelte die Menschen am Hügel as-Safa und hielt eine Rede vor ihnen:

Al-Buchari überliefert von Ibn Abbas (ra): „Als der Vers:

وَأَنْذِرْ عَشِيرَتَكَ الأَقْرَبِينَ

‚Und warne deine nächsten Verwandten‘ (Sure Asch-Schu'ara' [26]: 214)

herabgesandt wurde, stieg der Prophet (saw) auf den Hügel as-Safa und rief: ‚O Banu Fihr, o Banu 'Adi!‘ – die Stämme der Quraisch – bis sie sich versammelten. Wenn jemand nicht selbst kommen konnte, schickte er einen Boten, um zu sehen, was los war. Auch Abu Lahab und die Quraisch kamen. Er (saw) sagte: ‚Was meint ihr, wenn ich euch sagen würde, dass in diesem Tal Reiter sind, die euch angreifen wollen, würdet ihr mir glauben?‘ Sie sagten: ‚Ja, wir haben von dir nie etwas anderes als die Wahrheit erfahren.‘ Er sagte: ‚Wahrlich, ich bin euch ein Warner vor einer schweren Strafe.‘ Da sagte Abu Lahab: ‚Verderben über dich für den Rest des Tages! Hast du uns etwa dafür versammelt?‘ Daraufhin wurde offenbart:

تَبَّتْ يَدَا أَبِي لَهَبٍ وَتَبَّ مَا أَغْنَى عَنْهُ مَالُهُ وَمَا كَسَب

‚Verderben sollen die Hände Abu Lahabs, und verderben soll er selbst! Was nützt ihm sein Besitz und das, was er erworben hat?‘ (Sure Al-Masad [111]: 1-2).“

Ebenso überlieferte Muslim von Ibn Abbas und al-Baladhuri in Ansab al-Aschraf ähnliche Berichte darüber, wie der Prophet (saw) die Menschen versammelte, sie ansprach und wie Abu Talib ihn unterstützte, während Abu Lahab ihn anfeindete.

Das Versammeln der Menschen und das Sprechen zu ihnen gehört also zu den öffentlichen Aktionen, die durchgeführt werden.

b) Der Gesandte (saw) führte die Muslime in zwei Reihen an, die eine angeführt von Umar, die andere von Hamza:

Abu Nu’aym berichtet in Hilyat al-Awliya’ von Ibn Abbas, der sagte: „Ich fragte Umar (ra): ‚Warum wurdest du al-Faruq genannt?‘ Er sagte: ‚Hamza nahm drei Tage vor mir den Islam an, dann öffnete Allah meine Brust für den Islam... Ich fragte: Wo ist der Gesandte Allahs (saw)? Meine Schwester sagte: Er ist im Hause von al-Arqam ibn Abi al-Arqam bei as-Safa. Ich ging dorthin... und sagte: Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah allein, ohne Partner, und ich bezeuge, dass Muhammad Sein Diener und Gesandter ist. Die Leute im Haus riefen so laut Takbir, dass man es in der Moschee hörte. Ich sagte: O Gesandter Allahs, sind wir nicht im Recht, egal ob wir sterben oder leben? Er sagte: ‚Doch, bei Dem, in Dessen Hand meine Seele liegt, ihr seid im Recht, ob ihr sterbt oder lebt.‘ Ich sagte: Warum dann das Verstecken? Bei Dem, der dich mit der Wahrheit gesandt hat, wir werden hinausgehen. So führten wir ihn in zwei Reihen hinaus, Hamza in der einen und ich in der anderen, wobei wir einen Staubwirbel wie beim Mahlen von Mehl erzeugten, bis wir die Moschee betraten. Er sagte: Die Quraisch blickten mich und Hamza an, und sie ergriff eine Traurigkeit, wie sie sie noch nie zuvor erlebt hatten. An jenem Tag nannte mich der Gesandte Allahs (saw) al-Faruq, und Allah trennte zwischen Wahrheit und Falschheit.‘“ Ende.

Märsche sind Aktionen zur Schaffung einer öffentlichen Meinung, um die Menschen zu bewegen und sie über die Ideen und Gesetze des Islam aufzuklären. Sie werden unter der Bedingung durchgeführt, dass wir sie mit unseren Bannern, Rufen und Ideen leiten können. Wir nehmen jedoch nicht an öffentlichen Aktionen teil, die wir nicht selbst führen, denn als der Gesandte (saw) die Muslime in jener Prozession anführte, waren sie nicht Teil anderer Bewegungen mit gemischten Führungen. Vielmehr zogen die Muslime in zwei Reihen unter der Führung des Gesandten Allahs (saw) aus.

2- Wenn jedoch gefragt wird, was die Methode zur Errichtung des Kalifats ist: Sind es Demonstrationen? Wir sagen: Nein. Sind es Vorträge? Wir sagen: Nein. Sind es Konferenzen? Wir sagen: Nein... Denn diese und ähnliche Dinge sind Aktionen zur Formung der öffentlichen Meinung, die in der Interaktionsphase durchgeführt werden. Sie sind nicht die Methode der Staatsgründung. Die Methode der Staatsgründung ist diejenige, die wir eingangs erwähnten und die mit dem Ersuchen von Beistand (Nusra) und der Staatsgründung endet.

Dies ist das Thema, und hoffentlich ist es nun klar geworden. Daher gibt es keinen Widerspruch zwischen dem, was in unseren Büchern steht, und unseren Taten. Unsere Aussage in den Büchern, dass Konferenzen und Märsche („Demonstrationen“) sowie Seminare nicht die scharia-rechtliche Methode zur Staatsgründung sind, ist korrekt. Ebenso ist unsere Aussage, dass dies öffentliche Aktionen sind, die in der Interaktionsphase durchgeführt werden, wenn wir sie ordnungsgemäß ausführen können, ebenfalls korrekt. Es gibt keinen Widerspruch zwischen der theoretischen Aussage in den Büchern und der praktischen Tat. Man muss diese Worte in unseren Büchern lediglich in ihrem Kontext lesen, mit wachem Verstand und klarem Einblick, dann werden die Dinge mit Allahs Erlaubnis deutlich...

Es bleibt ein Punkt, der nicht in der Frage stand, aber manchen in den Sinn kommen könnte: Warum hat die Partei in früheren Jahren keine Konferenzen oder Märsche abgehalten?

Die Antwort darauf ergibt sich aus dem Vorherigen: Wir führen keine Aktionen zur öffentlichen Meinung wie Märsche oder Demonstrationen durch, es sei denn, wir können sie offen und sichtbar mit unseren Bannern und Rufen führen, ohne Vermischung mit anderen Bannern und Parolen, und wenn Zeit und Ort dem angestrebten Zweck entsprechen... Wenn dies möglich ist, tun wir es; wenn nicht, dann nicht.

Zur Information: Es gab bereits in den Sechzigerjahren Versuche, als Habib Bourguiba Jordanien besuchte und zum Frieden mit den Juden aufrief. Damals organisierte die Partei unter der Führung von Abu Ibrahim (rahimahullah) Delegationen, von denen einige fast wie ein Marsch waren. Sie zogen zum Premierminister in Amman, zum Gouverneur in Jerusalem und zum Gouverneur in Hebron... Ich selbst war bei jenen in Hebron dabei und kann berichten, was ich miterlebt habe:

Die Partei befahl den Schabab und ihren Unterstützern, sich zu einer bestimmten Zeit („10 Uhr morgens“) in der Hauptstraße von Hebron zu versammeln, um dann zum Gouverneursamt (al-Imara) zu ziehen, das heute zerstört ist. Als wir auf der Straße waren, kamen die Sicherheitskräfte, und es gab Diskussionen und Streit... Letztlich konnten wir nicht zu Fuß gehen, sondern es wurde uns erlaubt, in Fahrzeugen zu fahren. So stiegen wir in Autos und Busse, es war eine große Anzahl, wir erledigten unsere Aufgabe und kehrten zurück... Die Sache ist also die: Wenn wir solche Aktionen allein führen können und es für passend halten, tun wir es. Wenn wir sie nicht führen oder kontrollieren können oder es unter bestimmten Umständen nicht für passend halten, tun wir es nicht.

Dies ist vergleichbar mit der Einrichtung eines Medienbüros; es ist eine Aktion zur Schaffung öffentlicher Meinung. Wenn wir dazu in der Lage sind, tun wir es, andernfalls nicht. Zum Beispiel war es zur Zeit des Gründers nicht möglich, einen offiziellen Sprecher zu ernennen, also taten wir es nicht. In der Zeit des zweiten Emirs beauftragte er mich, Sprecher in Jordanien zu sein, woraufhin ich ein ständiger Gast im Gefängnis wurde – kaum war ich draußen, kehrte ich wieder zurück... Aber heute haben wir Gott sei Dank mehr als ein Büro eingerichtet... Dies alles sind Aktionen zur öffentlichen Meinung. Wenn jedoch jemand fragt: Ist die Einrichtung eines Medienbüros die Methode zur Errichtung des Kalifats? Dann lautet die Antwort: Nein.

Nun zurück zum Anfang und wir fragen:

Sind Vorträge Aktionen zur Formung der öffentlichen Meinung in der Interaktionsphase? Die Antwort: Ja.

Sind Konferenzen Aktionen zur Formung der öffentlichen Meinung in der Interaktionsphase? Die Antwort: Ja.

Sind Märsche („Demonstrationen“), die wir nach unseren Regeln führen, Aktionen zur Formung der öffentlichen Meinung in der Interaktionsphase? Die Antwort: Ja.

Ist die Einrichtung von Medienbüros eine Aktion zur Formung der öffentlichen Meinung in der Interaktionsphase? Die Antwort: Ja.

Aber wenn wir fragen:

Sind Vorträge der Weg zur Errichtung des Staates? Die Antwort: Nein.

Sind Konferenzen der Weg zur Errichtung des Staates? Die Antwort: Nein.

Sind Märsche („Demonstrationen“) der Weg zur Errichtung des Staates? Die Antwort: Nein.

Ist die Einrichtung von Medienbüros der Weg zur Errichtung des Staates? Die Antwort: Nein.

Es ist offensichtlich, dass die ersten Fragen die öffentlichen Aktionen in der Interaktionsphase betreffen, während die zweiten Fragen die Methode der Staatsgründung zum Thema haben. Dies sind zwei verschiedene Angelegenheiten, nicht eine einzige. Jede hat ihre eigene Antwort, und es gibt keinen Widerspruch zwischen den beiden Angelegenheiten oder den beiden Antworten...

Wir bitten Allah (swt), dass diese Angelegenheit nun ohne Unklarheit oder Zweifel klargestellt wurde – für jeden, der die Wahrheit sucht, sie erkennt und danach handelt. Was jedoch diejenigen betrifft, die das Falsche suchen, so nützt ihnen keine noch so ausführliche Erklärung, denn sie suchen das Falsche nicht, um die Wahrheit zu finden. Beides lässt sich nicht vereinbaren. Allah setzt Seinen Ratschluss durch, doch die meisten Menschen wissen es nicht.

Ihr Bruder Ata bin Khalil Abu al-Rashta

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