Der Brief:
As-salamu alaikum wa rahmatullahi wa barakatuh,
Sehr geehrter ehrwürdiger Gelehrter Ata Abu al-Rashtah,
ich und andere in Europa lebende Personen gehören zu jenen, die sich in der Ära von Scheich Abdul Qadeem Zallum (möge Allah ihm gnädig sein) von der Partei abgespalten haben. Wir wollten uns eigentlich den abgespaltenen Brüdern in Jordanien anschließen, hätten wir nicht gesehen, dass sie denselben Kurs verfolgen, in dem wir uns mit der Partei uneinig waren. An dieser Stelle bemühen wir uns, unsere Ansicht unter der neuen Leitung zu erläutern, in der Hoffnung, ein offenes Ohr zu finden, das der Wahrheit zum Sieg verhilft, von welcher Seite sie auch kommen mag (ob von uns oder von euch). Dann werden wir nicht zögern, zur Arbeit mit der Partei zurückzukehren – natürlich erst dann, wenn eine der beiden Seiten von den vorgelegten Beweisen der anderen Seite überzeugt ist und sich daran hält.
Wenn ich Ihnen sage, dass die Partei, nachdem sie die Methode zur Errichtung des islamischen Staates dargelegt hatte, im Widerspruch dazu handelte...
Dann wird sich jeder fragen: Wie?? Und ich habe den schlüssigen Beweis aus dem Buch Ash-Shakhsiya al-Islamiyya (Die Islamische Persönlichkeit), Teil 1.
Ich bitte Sie, geduldig mit mir zu sein, und ich werde es Ihnen Stück für Stück aus demselben Buch darlegen.
Jeder weiß, dass die Kultur der Partei eine islamische Kultur auf hohem Niveau ist, besonders hinsichtlich der Erkenntnis der Realität des Problems, der Realität der Veränderung und des Weges zum richtigen Aufstieg (Gott sei Dank). Dennoch ist die Partei einen Fehler in Bezug auf die Art und Weise begangen, wie sie die islamische Persönlichkeit (Aqliyah und Nafsiyah) bei den Jugendlichen formt, denen wiederum die Aufgabe zukommt, den Stoff (an Gedanken) festzulegen, der der Umma gegeben wird, sowie die Art und Weise, wie dieser Stoff letzterer vermittelt wird.
Im Buch Ash-Shakhsiya al-Islamiyya, Teil 1, heißt es: „Demzufolge erfolgt die Formung der islamischen Persönlichkeit nur durch den Aufbau des Denkens und der Neigungen zugleich bei dem einzelnen Individuum auf der Grundlage der islamischen Aqida. Damit ist die islamische Persönlichkeit geformt. Diese Formung bedeutet jedoch keine ewige Formung, sondern eine Formung der Persönlichkeit. Dass diese Persönlichkeit jedoch auf der Grundlage der islamischen Aqida aufgebaut bleibt, ist nicht garantiert, da sich im Menschen ein Wandel in der Aqida in seinem Denken oder in seinen Neigungen vollziehen kann. Dies kann ein Wandel zum Irrtum oder zum Frevel sein. Daher muss der Aufbau des Denkens und der Neigungen auf der Grundlage der islamischen Aqida in jedem Moment des Lebens beobachtet werden, damit das Individuum eine islamische Persönlichkeit bleibt.“
Wir entnehmen daraus, dass die Formung der islamischen Persönlichkeit nur durch die gleichzeitige Bildung der Aqliyah und der Nafsiyah beim Individuum erfolgt, unter ständiger Überwachung oder Beobachtung dieser letzteren (der Persönlichkeit) und unter ständiger Aufladung. Danach fügt er im selben Buch und zum selben Thema hinzu: „...Nach der Formung dieser Persönlichkeit wird an ihrer Weiterentwicklung gearbeitet, indem an der Entwicklung der Aqliyah und der Entwicklung der Nafsiyah gearbeitet wird. Die Entwicklung der Nafsiyah erfolgt durch die Anbetung des Schöpfers, die Annäherung an Ihn durch gottesdienstliche Handlungen und den beständigen Aufbau jeder Neigung zu einer Sache auf der islamischen Aqida. Die Entwicklung der Aqliyah erfolgt durch die Erläuterung der Gedanken, die auf der islamischen Aqida basieren, und deren Verdeutlichung durch die islamische Kultur.“ Beachten Sie mit mir den Ausdruck: „...Nach der Formung der Persönlichkeit wird an ihrer Weiterentwicklung gearbeitet...“. Das bedeutet, dass die Anstrengung bei der Verrichtung der gottesdienstlichen Handlungen und der kulturellen Bildung erst nach dem Schliff der islamischen Persönlichkeit in Aqliyah und Nafsiyah, d. h. in Denken und Neigung, erfolgt.
Er fügt hinzu: „Dies ist die Methode zur Formung der islamischen Persönlichkeit und die Methode zu ihrer Weiterentwicklung, und es ist dieselbe Methode des Gesandten. Er pflegte die Menschen zum Islam zu rufen, indem er sie zur islamischen Aqida aufrief. Wenn sie den Islam annahmen, stärkte er diese Aqida in ihren Seelen und beobachtete die Einhaltung des Aufbaus ihres Denkens und ihrer Neigung auf ihrer Grundlage.“ Er fügt ferner hinzu: „Daraus wird deutlich, dass die Grundlage, mit der beim Individuum begonnen wird, die Erzeugung der islamischen Aqida bei ihm ist, dann der Aufbau des Denkens und der Neigungen darauf, und danach wird die Anstrengung bei der Verrichtung der gottesdienstlichen Handlungen und der kulturellen Bildung mit Gedanken unternommen.“ Hieraus wird uns klar ersichtlich, dass die der Partei obliegende Arbeit die gleichzeitige Formung der Aqliyah und der Nafsiyah ist, was unweigerlich zur Formung der islamischen Persönlichkeit im vollsten Sinne des Wortes führt, wie die Persönlichkeiten der Gefährten (Sahaba), und nicht (leider), wie wir es in unserem Zustand sehen.
Der Fehler, den die Partei seit ihrer Gründung begangen hat und mit dem sie dem von ihr übernommenen Gedanken und somit der Methode des Gesandten Allahs (s.a.w.) widersprach, ist die mangelnde Sorge um die Nafsiyah bei ihren Jugendlichen. Sie übertrug und delegierte deren Formung an die Jugendlichen selbst, d. h., sie machte sie zur Verantwortung der Individuen und nicht zur Verantwortung der Partei. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) hingegen war derjenige, der die Ermahnung übernahm. In seiner Eigenschaft als Führer der Partei ermahnte er seine Gefährten von Zeit zu Zeit, beobachtete sie und vergewisserte sich über ihren Gehorsam, ihr Tun des Guten, ihr Gebet, ihr nächtliches Gebet, ihren Charakter und so weiter, um aus seinen Gefährten Männer und Rufer zu machen, die durch ihr Handeln und ihr Wort rufen, und nicht, wie wir es in unserer Zeit sehen – Rufer, die zu einer Last für die Idee wurden, anstatt ein Leuchtturm für sie zu sein. Und Allah ist der Helfer.
Ihr Bruder Mounir
Die Antwort auf den Brief:
Wa alaikum as-salam wa rahmatullahi wa barakatuh,
ich habe deinen Brief gelesen, in dem du sagst:
(ich und andere in Europa lebende Personen gehören zu jenen, die sich in der Ära von Scheich Abdul Qadeem Zallum (möge Allah ihm gnädig sein) von der Partei abgespalten haben. Wir wollten uns eigentlich den abgespaltenen Brüdern in Jordanien anschließen, hätten wir nicht gesehen, dass sie denselben Kurs verfolgen, in dem wir uns mit der Partei uneinig waren. An dieser Stelle bemühen wir uns, unsere Ansicht unter der neuen Leitung zu erläutern, in der Hoffnung, ein offenes Ohr zu finden, das der Wahrheit zum Sieg verhilft, von welcher Seite sie auch kommen mag (ob von uns oder von euch). Dann werden wir nicht zögern, zur Arbeit mit der Partei zurückzukehren – natürlich erst dann, wenn eine der beiden Seiten von den vorgelegten Beweisen der anderen Seite überzeugt ist und sich daran hält.)
Obwohl diese Aussage einiges an sich hat... werde ich sie dennoch im besten Sinne auffassen, aus dem Prinzip heraus, das Beste zu unterstellen:
Du zitierst aus dem ersten Teil von Ash-Shakhsiya und sagst: „...Nach der Formung dieser Persönlichkeit wird an ihrer Weiterentwicklung gearbeitet, indem an der Entwicklung der Aqliyah und der Entwicklung der Nafsiyah gearbeitet wird. Die Entwicklung der Nafsiyah erfolgt durch die Anbetung des Schöpfers, die Annäherung an Ihn durch gottesdienstliche Handlungen und den beständigen Aufbau jeder Neigung zu einer Sache auf der islamischen Aqida. Die Entwicklung der Aqliyah erfolgt durch die Erläuterung der Gedanken, die auf der islamischen Aqida basieren, und deren Verdeutlichung durch die islamische Kultur.“
Und du kommentierst dies mit den Worten:
„Der Fehler, den die Partei seit ihrer Gründung begangen hat und mit dem sie dem von ihr übernommenen Gedanken und somit der Methode des Gesandten Allahs (s.a.w.) widersprach, ist die mangelnde Sorge um die Nafsiyah bei ihren Jugendlichen. Sie übertrug und delegierte deren Formung an die Jugendlichen selbst, d. h., sie machte sie zur Verantwortung der Individuen und nicht zur Verantwortung der Partei. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) hingegen war derjenige, der die Ermahnung übernahm. In seiner Eigenschaft als Führer der Partei ermahnte er seine Gefährten von Zeit zu Zeit, beobachtete sie und vergewisserte sich über ihren Gehorsam.“ Ende des Zitats.
Bevor ich mit dir diskutiere, was dir am Verständnis unklar geblieben ist, frage ich dich:
Ist nicht Scheich Abu Ibrahim (möge Allah ihm gnädig sein) der Verfasser des Buches Ash-Shakhsiya?
Ist er nicht derjenige, der diese Worte niedergeschrieben hat, die du als Beleg angeführt hast?
Verfügt er nicht über das stärkste Verständnis dessen, was er niedergeschrieben hat? Ist er nicht derjenige, der die Partei 25 Jahre lang geführt hat? Ist es möglich, dass jemand sich dessen, was er in dieser Angelegenheit niedergeschrieben hat, bewusster war als er?
Ist dem nicht so?
Wie kannst du dann die Worte des Scheichs als Beleg anführen und ihn gleichzeitig beschuldigen, er habe dem widersprochen, was er niedergeschrieben hat – und das seit der Gründung der Partei, wie du sagst?!
Diese Behauptung ist nicht haltbar... Denn der Scheich (möge Allah ihm gnädig sein) ist derjenige, der diese großartigen Worte niedergeschrieben hat, die du zitierst. Er war sich dessen, was er schrieb, am meisten bewusst, besaß das tiefste Verständnis dafür und war am meisten darauf bedacht, es anzuwenden, da er es war, der es niedergeschrieben und übernommen hatte.
Es wäre möglich gewesen, auf deinen Brief nicht zu antworten, da du ungeordnet vom Weg abgewichen bist, aber ich habe es vorgezogen, dir zu antworten...
Lass uns daher betrachten, was du erwähnt hast:
Du bist der Meinung, dass die Partei die Sorge um die Nafsiyah den Individuen überlassen hat und nicht der Partei, und du sagst, der Gesandte (s.a.w.) habe sie nicht den Individuen überlassen, sondern: „Der Gesandte Allahs (s.a.w.) war derjenige, der die Ermahnung übernahm. In seiner Eigenschaft als Führer der Partei ermahnte er seine Gefährten von Zeit zu Zeit, beobachtete sie und vergewisserte sich über ihren Gehorsam.“
Wie hast du daraus verstanden, dass die Partei dem Gesandten (s.a.w.) seit ihrer Gründung widersprochen hat, wie du sagst?!
Ja, der Gesandte (s.a.w.) ermahnte sie, erläuterte ihnen die Pflichten (Fara'id) und die empfohlenen Handlungen (Mandubat), verpflichtete sie zu den Pflichten und spornte sie zu den empfohlenen Handlungen an und sagte zu ihnen, wie es al-Bukhari von Abu Huraira überliefert hat, dass der Gesandte Allahs (s.a.w.) sagte:
إِنَّ اللَّهَ قَالَ... وَمَا تَقَرَّبَ إِلَيَّ عَبْدِي بِشَيْءٍ أَحَبَّ إِلَيَّ مِمَّا افْتَرَضْتُ عَلَيْهِ، وَمَا يَزَالُ عَبْدِي يَتَقَرَّبُ إِلَيَّ بِالنَّوَافِلِ حَتَّى أُحِبَّهُ، فَإِذَا أَحْبَبْتُهُ: كُنْتُ سَمْعَهُ الَّذِي يَسْمَعُ بِهِ، وَبَصَرَهُ الَّذِي يُبْصِرُ بِهِ، وَيَدَهُ الَّتِي يَبْطِشُ بها، وَرِجْلَهُ الَّتِي يَمْشِي بِهَا، وَإِنْ سَأَلَنِي لَأُعْطِيَنَّهُ، وَلَئِنِ اسْتَعَاذَنِي لَأُعِيذَنَّهُ...
„Allah sprach: ... Und Mein Diener nähert sich Mir mit nichts, was Mir lieber wäre als das, was Ich ihm als Pflicht auferlegt habe. Und Mein Diener nährt sich Mir weiterhin durch freiwillige Taten, bis Ich ihn liebe. Und wenn Ich ihn liebe, bin Ich sein Gehör, mit dem er hört, sein Sehvermögen, mit dem er sieht, seine Hand, mit der er zupackt, und sein Fuß, mit dem er geht. Wenn er Mich bittet, werde Ich ihm gewiss geben, und wenn er bei Mir Zuflucht sucht, werde Ich ihm gewiss Zuflucht gewähren...“
Nun frage ich dich: Hast du die Flugblätter, Erklärungen und Briefe der Partei gelesen, in denen die Jugendlichen zum Guten in all seinen Pforten angespornt werden?
Hast du das Buch Muqawwimat an-Nafsiyah (Grundlagen der seelischen Disposition) gelesen, das die Partei herausgegeben hat und das sie zur Bedingung für die Aufnahme eines jeden Jugendlichen in die Partei gemacht hat?
Hast du ferner die großartigen, leuchtenden Vorbilder unter den Jugendlichen der Partei in ihrem Einsatz und ihrem Kampf gesehen?
Hast du von ihrem Leid in den Gefängnissen der Unterdrücker erfahren und von ihrer Folter bis hin zum Martyrium?
Wusstest du, dass es unter ihnen welche gibt, die in all ihren Angelegenheiten bekämpft wurden, und solche, die ihre Familie und Kinder nur unter größten Schwierigkeiten sehen können?
Seit etwa sechzig Jahren befinden wir uns in einem harten Leben und in vielfältigem Unheil. Der Gesandte Allahs (s.a.w.) sprach die Wahrheit, als er sich an seine Gefährten (r.a.) wandte:
فَإِنَّ مِنْ وَرَائِكُمْ أَيَّامًا الصَّبْرُ فِيهِنَّ مِثْلُ القَبْضِ عَلَى الجَمْرِ، لِلْعَامِلِ فِيهِنَّ مِثْلُ أَجْرِ خَمْسِينَ رَجُلًا يَعْمَلُونَ مِثْلَ عَمَلِكُمْ
„Denn hinter euch liegen Tage, in denen Geduld so ist wie das Greifen nach glühenden Kohlen. Demjenigen, der darin handelt, gebührt der Lohn von fünfzig Männern, die so handeln wie ihr.“ Abdullah ibn al-Mubarak sagte: Ein anderer als Utba fügte mir hinzu: Es wurde gefragt: O Gesandter Allahs, der Lohn von fünfzig Männern von uns oder von ihnen? Er antwortete: „Vielmehr der Lohn von fünfzig Männern von euch.“ (Überliefert von at-Tirmidhi über Abu Tha'laba al-Khushani).
Glaubst du, dass einer von uns standhaft bleiben könnte, wenn seine Nafsiyah nicht rein und lauter wäre?
Kann jemand in diesem gewaltigen Ruf (Dawah) fortfahren, außer jener, der mit Allahs Erlaubnis eine großartige Nafsiyah besitzt?
Du, o Mounir – möge Allah deinen Weg erhellen – bist weder der Partei noch ihren Jugendlichen gegenüber gerecht gewesen, noch warst du gerecht zu dir selbst. Du hast eine gewaltige Pflicht verlassen und bist von ihr zurückgewichen, weil es Worte gab, deren Verständnis dir unklar war. Darauf hast du dich gestützt und bist bei den Zurückbleibenden geblieben!
Abschließend: Der Wahrheit gebührt es eher, dass man ihr folgt. Studiere die Sira des Gesandten (s.a.w.) gut, studiere den Weg der Partei gut, lies erneut das, was du aus Ash-Shakhsiya zitiert hast, mit Bedacht und tiefem Nachdenken, und lies die Flugblätter der Partei, ihre Erklärungen und ihre Anweisungen an die Jugendlichen in ihren Briefen, und dann betrachte die Muqawwimat an-Nafsiyah... Vielleicht findest du darin, wonach du suchst. Und Allah ist der Führer zum geraden Weg.