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Fragen & Antworten

Beantwortung einer Frage: Die Ereignisse in Kirgisistan

October 19, 2020
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Frage: (... bereits am heutigen Freitag stimmte das kirgisische Parlament dem Rücktritt von Präsident Sooronbay Jeenbekov zu und hob den Ausnahmezustand auf, der vor einer Woche in der Hauptstadt Bischkek verhängt worden war... Yeni Şafak Arabic, 16.10.2020). In der kirgisischen Hauptstadt kam es zuvor zu heftigen Protesten, bei denen Demonstranten Regierungsgebäude besetzten und den Rücktritt des pro-russischen Präsidenten Sooronbay Jeenbekov forderten, was sie schließlich auch erreichten. Was ist die Realität dessen, was in Kirgisistan geschieht? Wird der russische Einfluss aus diesem islamischen Land verdrängt? Und spielen die USA eine Rolle in diesem Konflikt? Möge Allah Sie mit Gutem belohnen.

Antwort: Um die Antwort zu verdeutlichen und die Realität der Ereignisse in Kirgisistan aufzudecken, müssen folgende Punkte dargelegt werden:

Erstens: Die allgemeine Lage in Kirgisistan:

  1. Kirgisien oder Kirgisistan ist eines der islamischen Länder in Zentralasien. Seine Grenzen grenzen heute an China auf der Seite von Ostturkestan sowie an die anderen islamischen zentralasiatischen Länder Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan. Kirgisistan stand seit 1876 unter zaristischer russischer Besatzung. Es gab mehrere Aufstände gegen die russische Besatzung, doch Russland gelang es, diese niederzuschlagen. Danach wurde es eine Republik innerhalb der Sowjetunion, was bedeutete, dass es von 1876 bis 1991, als die Sowjetunion zerfiel und Kirgisistan seine Unabhängigkeit erklärte, direkt von Moskau aus regiert wurde. Die politische Klasse jedoch hat die Loyalität zu Russland quasi mit der Muttermilch aufgesogen, sodass Russland auch nach der Unabhängigkeit des Landes einen großen Einfluss behielt.

  2. Seit der Unabhängigkeit wurde Kirgisistan von Führern der Kommunistischen Partei regiert, nachdem diese ihre Masken gewechselt und Parteien mit verschiedenen Namen gegründet hatten. Diese handelten auf direkten Befehl aus Moskau. In der Phase der russischen Schwäche während der 1990er Jahre, als sich Russland auf sich selbst zurückzog, eröffneten sich für die USA gewisse Wege zu diesen Politikern. Während des Vorstoßes der Neokonservativen unter George W. Bush, als die USA dem Islam den Krieg erklärten und ihre Kriege gegen Afghanistan und den Irak begannen, gelang es den USA, nach Zentralasien vorzudringen und Beziehungen zu den dortigen Herrschern und politischen Kräften zu knüpfen. In diesem Rahmen errichteten sie den Militärstützpunkt Manas in der Nähe der Hauptstadt Bischkek, um die US-Armee in ihrem Krieg gegen Afghanistan zu unterstützen.

  3. Das Versinken der USA im irakischen Sumpf zwischen 2003 und 2009 fiel mit der Rückkehr einer gewissen Vitalität der Herrschaft in Russland zusammen, nachdem Wladimir Putin die Macht in Moskau übernommen hatte. So waren die USA im Jahr 2014 gezwungen, ihren Militärstützpunkt Manas bei Bischkek aufzulösen. Im Gegenzug verstärkte Russland seinen eigenen Militärstützpunkt in Kirgisistan, den es 2003 errichtet hatte. Im Jahr 2015 kündigte Kirgisistan sein Abkommen mit den USA auf: (Der kirgisische Premierminister Temir Sarijew wies seine Regierung an, das 1993 mit den Vereinigten Staaten geschlossene bilaterale Abkommen zu kündigen. Die Regierung erklärte in einer Mitteilung, dass das Abkommen ab dem 20. August nicht mehr in Kraft sein werde. Al Jazeera Net, 22.07.2015). Damit war es Russland gelungen, den Einfluss der USA vollständig aus Kirgisistan zu verdrängen. Russland hatte Kirgisistan zudem seit deren Gründung 1992 in die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) eingebunden, die auf den Trümmern der Sowjetunion entstand. Kirgisistan blieb Mitglied, selbst in Zeiten, in denen es US-Einfluss in Bischkek gab. Ebenso trat es fast seit dessen Gründung im Jahr 2014 der Eurasischen Wirtschaftsunion bei.

  4. Aus innenpolitischer Sicht zeichnet sich die politische Klasse in Kirgisistan – wie in den meisten Ländern, die infolge des Zerfalls der Sowjetunion unabhängig wurden – durch extreme Korruption aus. Der Wettbewerb um die Macht verwandelt sich schnell in einen heftigen Kampf, damit die Konkurrenten sich an den Ressourcen des Volkes bereichern können. Dabei fehlen jegliche Konzepte der Hirtensorge (ra’wiyah), was das Volk orientierungslos und ohne Betreuung zurücklässt. Aufgrund der tiefgreifenden Korruption erhob sich das Volk in Kirgisistan im Jahr 2005 gegen Präsident Akajew, der das Land seit der Unabhängigkeit regiert hatte; dieser floh nach Russland. 2010 erhob es sich gegen Präsident Bakijew in einer Welle gewaltigen Zorns, die von Gewaltakten begleitet wurde, denen Dutzende zum Opfer fielen. Dies endete mit einem Putsch der Sicherheitskräfte gegen den Präsidenten, der in den Süden des Landes und von dort später nach Kasachstan floh, woraufhin Atambajewa zur Übergangspräsidentin ernannt wurde.

  5. Obwohl Russland die Lage gegen den Islam und die Muslime in Zentralasien aufstachelte und seine Werkzeuge dabei die Herrscher waren, die in der Sowjetära aufgewachsen sind, verbreitete sich das islamische Denken kurz vor und nach der Unabhängigkeit Kirgisistans erneut. Hizb ut-Tahrir war stark aktiv und rief zur Herrschaft des Islam und zur Errichtung des islamischen Kalifats auf. Seine Aktivitäten waren insbesondere in den südlichen Regionen auffällig, die geografisch Teil des Ferghana-Tals sind. Dies geschah, obwohl die Behörden in Kirgisistan – unter Anleitung des islamfeindlichen Russlands, ähnlich wie der Tyrann in Usbekistan und in den übrigen zentralasiatischen Ländern – den Aktivitäten der Partei mit massiver Unterdrückung begegneten. Dennoch hat der Islam in Kirgisistan trotz der heftigen Angriffe Russlands und seiner Gefolgsleute in vielen Regionen weiterhin einen bemerkenswerten Einfluss.

Zweitens: Die jüngsten Unruhen in der Hauptstadt Bischkek:

  1. Präsident Sooronbay Jeenbekov, der das Land seit 2017 regiert, plante, bei den letzten Parlamentswahlen eine Mehrheit zu erlangen, die es ihm ermöglichte, die Verfassung zu ändern, um nach Ablauf seiner verfassungsmäßigen Amtszeit erneut kandidieren zu können. Die Verfassung sieht nämlich nur eine einzige sechsjährige Amtszeit vor. Daher wurde bei den Parlamentswahlen am 04.10.2020 ein überwältigender Sieg der dem Präsidenten nahestehenden und loyalen Parteien verkündet. Nur vier von 16 Parteien konnten die parlamentarische Hürde (7 % der Stimmen) überwinden. Das bedeutet, dass das neue Parlament (120 Mitglieder) nach Jeenbekovs Plan von den ihm loyalen und nahestehenden Parteien gebildet werden sollte. (Die Zentrale Wahlkommission in Kirgisistan gab bekannt, dass 4 von 16 an der Wahl teilnehmenden politischen Parteien der Einzug in das neue Parlament mit 120 Sitzen gelang, woraufhin Anhänger der 12 nicht im Parlament vertretenen Parteien aus Protest gegen die Ergebnisse demonstrierten. Daily Sabah Turkey, 06.10.2020). Dieser Plan verletzte die politischen Rechte der anderen Parteien, die keinen Erfolg hatten. (Die 12 unterlegenen Parteien gaben eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie erklärten, dass sie die Wahlergebnisse nicht anerkennen... TRT Arabi, 06.10.2020).

  2. So strömten die Anhänger der politischen Parteien, welche die Wahlergebnisse ablehnten, seit den frühen Morgenstunden zum Ala-Too-Platz und in die Umgebung des Regierungssitzes. Diese zornigen Massen begannen dann, Regierungsgebäude anzugreifen und zu besetzen. Tatsächlich brachten sie das Parlamentsgebäude und das Präsidialamt unter ihre Kontrolle. Zudem stürmten einige Gruppen Gefängnisse und befreiten bestimmte Inhaftierte. So wurde das Hauptquartier des Nationalen Sicherheitskomitees in der Hauptstadt Bischkek angegriffen und der ehemalige Präsident Atambajew befreit, der dort eine elfjährige Haftstrafe wegen Korruptionsvorwürfen verbüßte. Auch Sadyr Japarow wurde freigelassen, woraufhin das Gericht ihn umgehend von der Anklage der Geiselnahme im Jahr 2013 freisprach, für die er im Gefängnis saß. Parallel zur Hauptstadt starteten gewaltige Volksmärsche in den Provinzhauptstädten, welche die Regierung verurteilten und den Rücktritt des Präsidenten forderten. In den südlichen Regionen, aus denen der Präsident stammt, gab es zwar einige Kundgebungen zu seiner Unterstützung, doch erreichten diese nicht das Ausmaß derer, die seinen Rücktritt forderten.

  3. Die Protestwelle war so überwältigend, dass sie den Staat einschüchterte. Der Premierminister und der Parlamentspräsident reichten ihre Rücktritte ein, ebenso wie die Gouverneure einiger Provinzen. Präsident Jeenbekov verschwand, und mit ihm verschwanden die Sicherheitskräfte von der Straße. Der Präsident gab seine Erklärungen von einem geheimen Ort aus über das Internet ab. Er erklärte, er habe die Sicherheitsorgane angewiesen, nicht gegen die Demonstranten vorzugehen, beschuldigte die Opposition eines Umsturzes und der Machtübernahme, erklärte sich jedoch zu einem Kompromiss bereit. Er forderte die Zentrale Wahlkommission auf, Unregelmäßigkeiten zu untersuchen und die Ergebnisse gegebenenfalls zu annullieren – ein Indiz für die Heftigkeit und Stärke der Proteste gegen ihn. (Jeenbekov rief die politischen Akteure zur Geduld auf und wandte sich an die Jugend: „Ihr habt gezeigt, dass der Wert Kirgisistans größer ist als der Kampf um die Macht, und zwar durch Taten statt durch Worte. Unser Ziel ist es, Frieden und Ordnung in unserem Land zu gewährleisten. Ich bin zuversichtlich, dass wir durch gemeinsame Anstrengungen aus dieser Krise hervorgehen werden.“ Er fügte hinzu: „Ich danke den Jugendlichen, die nicht aufgehört haben, ihre Verantwortung im Land wahrzunehmen.“ AR Haberler.com, 07.10.2020).

  4. Daraufhin erklärte die Zentrale Wahlkommission die Wahlergebnisse für ungültig. Oppositionsparteien bildeten einen Koordinierungsrat der Oppositionskräfte, der Sadyr Japarow während einer Dringlichkeitssitzung des Parlaments, die in einem Hotel in Bischkek stattfand, zum neuen Premierminister ernannte. Japarow war zuvor von der Opposition aus dem Gefängnis befreit worden. (Sadyr Japarow wurde nach einer Abstimmung in einer Sondersitzung zum neuen Regierungschef ernannt, anstelle des bisherigen Premierministers Kubatbek Boronow, der seinen Rücktritt eingereicht hatte. Es wurde hinzugefügt, dass das derzeitige Parlament bis zur Wahl eines neuen Parlaments weiterarbeiten werde. RT, 07.10.2020) ... (Heute, am Mittwoch, nahmen mehr als 80 von 120 Abgeordneten an einer Sondersitzung des Parlaments teil, in der sie für die Ernennung Japarows in das Amt zusammen mit seiner vorgeschlagenen Regierung stimmten. Danach unterzeichnete Jeenbekov ein Dekret, das die Ernennung Japarows zum Premierminister neben seiner Regierung bestätigt, so eine Erklärung des Präsidialamtes... Al-Mayadeen, 14.10.2020).

  5. („... Bereits am heutigen Freitag stimmte das kirgisische Parlament dem Rücktritt von Präsident Sooronbay Jeenbekov zu und hob den Ausnahmezustand auf, der vor einer Woche in der Hauptstadt Bischkek verhängt worden war. An der Sitzung, in der der Rücktritt des Präsidenten und die Aufhebung des Notstands einstimmig angenommen wurden, nahmen Jeenbekov, Premierminister Sadyr Japarow sowie Parlamentspräsident Kanat Issajew teil. Vor der Abstimmung hielt Jeenbekov seine letzte Rede vor den Parlamentsmitgliedern, in der er erwähnte, dass sein Amtsverzicht dazu diente, den Frieden im Land zu gewährleisten und eine Spaltung der Gesellschaft zu verhindern... Yeni Şafak Arabic, 16.10.2020)... Damit hat (der kirgisische Premierminister Sadyr Japarow seine Macht gefestigt, nachdem ihm nach dem gestrigen Rücktritt von Präsident Sooronbay Jeenbekov die Befugnisse des Staatsoberhauptes übertragen wurden. Er versprach, die Außenpolitik des Landes beizubehalten. Japarow sagte heute am Freitag vor dem Parlament: „Ich danke Allah, dass der Machtwechsel friedlich verlief... Ich werde mein Bestes tun, um die Außenpolitik und andere wichtige Richtungen beizubehalten“... Sputnik, 16.10.2020).

Drittens: Der russische Einfluss in Kirgisistan:

  1. Der russische Einfluss in Kirgisistan gilt als stark und weit verzweigt. Russland errichtete in Kirgisistan einen Militärstützpunkt zu jener Zeit, als die USA ihren Stützpunkt aufbauten. Daher war der russische Einfluss in Kirgisistan nie verschwunden, selbst in der Zeit, in der es den USA gelang, einen Teil ihres Einflusses dort geltend zu machen. Russland errichtete 2003 einen Militärstützpunkt (der russische Luftwaffenstützpunkt Kant in Kirgisistan wurde im Oktober 2003 als Fliegerkomponente der kollektiven Schnellen Eingreiftruppe der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit eröffnet. Seine Hauptaufgaben bestehen in der Luftunterstützung für Bodenoperationen der OVKS. Er ist mit Flugzeugen vom Typ Su-25SM und Hubschraubern vom Typ Mi-8MTV ausgestattet... RT, 28.03.2019). Am selben Tag, dem Donnerstag, unterzeichneten Moskau und Bischkek während des Besuchs des russischen Präsidenten Wladimir Putin in der kirgisischen Hauptstadt ein Protokoll, das Änderungen am Abkommen zwischen den beiden Ländern über den russischen Militärstützpunkt in Kirgisistan vornimmt. Der Berater des russischen Präsidenten, Juri Uschakow, sagte: („Es wurde eine Reihe von Abkommen unterzeichnet, darunter ein Dokument zur Änderung des Abkommens von 2012 über den Status und die Stationierungsbedingungen des russischen Militärstützpunkts in Kirgisistan“... Der russische Präsident Wladimir Putin sagte seinerseits: „Der russische Militärstützpunkt in Kirgisistan ist ein wichtiger Faktor für Sicherheit und Stabilität in Zentralasien und trägt zur Verteidigungsfähigkeit Kirgisistans bei.“ Der Stützpunkt umfasst Erdkampfflugzeuge vom Typ Suchoi-25 und Hubschrauber vom Typ Mi-8... Zeitung Al-Dustour, 28.03.2019)... Somit war der kirgisische Präsident Jeenbekov Russland gegenüber absolut loyal, koordinierte sich mit ihm innerhalb der OVKS und fügte sich all seinen Wünschen, wie etwa dem Ausbau des Militärstützpunkts.

  2. Doch Russland fürchtet sehr wohl, dass einige Oppositionsparteien, die Kontakte zu den USA unterhalten, das Ruder in Bischkek übernehmen und die russische Alleinherrschaft über den Einfluss dort brechen könnten. Obwohl Russland Beziehungen zu den meisten Oppositionsparteien in Kirgisistan pflegt, um sicherzustellen, dass sie Russland nicht feindlich gesinnt sind, und obwohl einige dieser Parteien loyal zu Russland stehen und nicht außerhalb seines Einflussbereiches agieren, beobachtet Russland diesen Machtkampf genau. Es versucht, die Einmischung externer Mächte zu verhindern, und behält die Kontrolle über die Sicherheitsorgane, die in kritischen Momenten eingreifen können. (Der russische Präsident Wladimir Putin sagte heute am Mittwoch, dass Moskau mit allen Konfliktparteien in Kontakt stehe und auf eine baldige Rückkehr zum demokratischen Prozess hoffe, Al Jazeera Net, 07.10.2020)... Was die Besorgnis Russlands verstärkt, ist, dass zwischen den ihm loyalen Kräften manchmal heftige Konflikte ausbrechen, wie man es in Abständen beobachten kann – insbesondere kürzlich, nachdem der seit 2017 amtierende Präsident Sooronbay Jeenbekov versuchte, das Wahlergebnis zu manipulieren, um nach Ablauf seiner verfassungsmäßigen Amtszeit erneut kandidieren zu können. Dies führt zu Unruhen, besonders wenn die Wahlmanipulation aufgedeckt wird, was die Möglichkeit einer Ausnutzung durch US-Gefolgsleute eröffnet, selbst wenn diese in der Minderheit sind, was Russland in Bedrängnis bringt.

  3. Die russische Position ist grundsätzlich gegen Proteste gegen ihm loyale Präsidenten gerichtet. Dies ist die Standardhaltung Russlands, es sei denn, es sieht sich gezwungen, anders zu handeln, um seine Interessen zu wahren. Es erlaubt nicht, dass die Situation außer Kontrolle gerät. (Der Kreml vertrat heute die Ansicht, dass dieses Land einen Zustand des Chaos erlebe. Der Sprecher des russischen Präsidialamtes, Dmitri Peskow, sagte, Russland habe die Verpflichtung, den völligen Zusammenbruch der Lage in Kirgisistan zu verhindern. Al Jazeera Net, 08.10.2020). Russland, das die Sicherheitsapparate in Kirgisistan kontrolliert, erlaubt es Parteien mit Verbindungen zu den USA und deren Anhängern nicht, in Bischkek die Führung zu übernehmen. Russland hielt die Zügel bei Präsident Jeenbekov in der Hand, der mit dem Rücktritt drohte, ohne ihn tatsächlich zu vollziehen, bis Russland dies basierend auf seinen Interessen entschied. Aus diesem Grund entsandte Russland den stellvertretenden Leiter der Präsidialverwaltung im Kreml, Dmitri Kosak, diese Woche zu Gesprächen mit Jeenbekov und Japarow, um die Dinge aus nächster Nähe zu prüfen... (Die russische Botschaft erklärte gestern am Dienstag: „Die grundlegende Rolle des Staatsoberhauptes“ bei der Gewährleistung der zukünftigen Entwicklung Kirgisistans wurde während des Besuchs von Kosak betont... Al-Mayadeen, 14.10.2020), all dies, um die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen... Dennoch ist es unwahrscheinlich, dass Russland direkt militärisch interveniert. Es sieht seine Gefolgsleute als fähig an, die Zügel in Kirgisistan in der Hand zu behalten, und weiß die Sicherheitskräfte in seiner Gewalt, die auf seinen Wink bereitstehen, falls es einen Präsidenten durch einen anderen aus seinen Reihen ersetzen will – zumal viele politische Kräfte zu seinen Anhängern zählen!

  4. Da die Proteste nun zugenommen haben, sah Russland es „zur Beruhigung der Lage“ als notwendig an, dass der kirgisische Präsident der Ernennung von Sadyr Japarow zum Premierminister zustimmt, nachdem das Parlament am 14.10.2020 für seine Rückkehr an die Macht gestimmt hatte – kurz nachdem er von seinen Anhängern aus dem Gefängnis befreit worden war, wo er eine mehr als elfjährige Haftstrafe verbüßte... (Heute am Mittwoch nahmen mehr als 80 von 120 Abgeordneten an einer Sondersitzung des Parlaments teil, in der sie für die Ernennung Japarows in das Amt zusammen mit seiner vorgeschlagenen Regierung stimmten. Danach unterzeichnete Jeenbekov ein Dekret, das die Ernennung Japarows zum Premierminister neben seiner Regierung bestätigt, so eine Erklärung des Präsidialamtes... Al-Mayadeen, 14.10.2020).

  5. („... Bereits am heutigen Freitag stimmte das kirgisische Parlament dem Rücktritt von Präsident Sooronbay Jeenbekov zu und hob den Ausnahmezustand auf, der vor einer Woche in der Hauptstadt Bischkek verhängt worden war. An der Sitzung, in der der Rücktritt des Präsidenten und die Aufhebung des Notstands einstimmig angenommen wurden, nahmen Jeenbekov, Premierminister Sadyr Japarow sowie Parlamentspräsident Kanat Issajew teil. Vor der Abstimmung hielt Jeenbekov seine letzte Rede vor den Parlamentsmitgliedern, in der er erwähnte, dass sein Amtsverzicht dazu diente, den Frieden im Land zu gewährleisten und eine Spaltung der Gesellschaft zu verhindern... Yeni Şafak Arabic: 16.10.2020)... Damit hat (der kirgisische Premierminister Sadyr Japarow seine Macht gefestigt, nachdem ihm nach dem gestrigen Rücktritt von Präsident Sooronbay Jeenbekov die Befugnisse des Staatsoberhauptes übertragen wurden. Er versprach, die Außenpolitik des Landes beizubehalten. Japarow sagte heute am Freitag vor dem Parlament: „Ich danke Allah, dass der Machtwechsel friedlich verlief... Ich werde mein Bestes tun, um die Außenpolitik und andere wichtige Richtungen beizubehalten“... Sputnik, 16.10.2020).

Viertens: Die Rolle der USA:

  1. Was die USA betrifft, so war ihre Position eindeutig darauf ausgerichtet, die Ereignisse rund um die Wahlen auszunutzen, um Russland und die kirgisische Führung in Bedrängnis zu bringen. (Die Vereinigten Staaten forderten alle Parteien in Kirgisistan zur Zurückhaltung und zur Suche nach einer friedlichen Lösung auf und äußerten Besorgnis über Praktiken, welche die Wahlen überschatteten und zu großen Protesten führten. Ein Sprecher des US-Außenministeriums sagte gegenüber der Agence France-Presse: „Wir rufen alle Parteien auf, auf Gewalt zu verzichten und den bestehenden Wahlkonflikt mit friedlichen Mitteln zu lösen.“ Das US-Außenministerium wies darauf hin, dass eine von der OSZE unterstützte Beobachtermission „zu glaubwürdigen Informationen über Stimmenkäufe gelangte, welche die Wahlen beeinträchtigten“. Al Jazeera Net, 07.10.2020). Dies bedeutet, dass die neuen Umstände in Kirgisistan, die durch politische Unklarheit gekennzeichnet sind, den USA eine geeignete Atmosphäre bieten, um in diesem Land Fuß zu fassen. Zweifellos unterhalten sie Kontakte zu einigen Teilen der Opposition. Ihnen wurde Anfang dieses Jahres vorgeworfen, 60 Millionen Dollar „Cash“ ausgegeben zu haben, um Parlamentskandidaten und Organisationen zu unterstützen, damit ihre Gefolgsleute einen gewissen Einfluss erlangen, zusätzlich zu anderen Geldern, welche die George-Soros-Stiftung ausgibt, um die Stabilität in einem Land zu erschüttern, in dem russischer Einfluss dominiert. All diese Gelder wurden laut der Website der Waqt-Gesellschaft am 10.01.2020 ohne Wissen der Regierung von Jeenbekov ausgegeben.

  2. Die USA haben zwar Anhänger in der kirgisischen Opposition, aber sie sind bis heute eine kleine Minderheit, die nicht in der Lage ist, den russischen Einfluss in Kirgisistan zu beseitigen. Sie sind jedoch aktiv dabei, jede Unstimmigkeit zwischen den russischen Gefolgsleuten, die um die Macht konkurrieren, auszunutzen. Sie wären fast erfolgreich gewesen, hätte Russland Jeenbekov nicht den Rücktritt befohlen, um die Lage zu beruhigen. Daraufhin arbeitet Russland nun daran, einen anderen seiner Männer nach Wahlen zu ernennen, die unter seiner Aufsicht durchgeführt werden!

Fünftens: Zusammenfassung:

  1. Der Machtkampf in Kirgisistan ist in erster Linie ein lokaler Konflikt, der auf der mangelnden Reife der politischen Denkweise derjenigen beruht, die in diesem muslimischen Land an der Spitze der politischen Bühne stehen. Aus diesem Grund brechen Streitigkeiten und Kämpfe aus, deren Kern oft ethnischer, regionaler oder stammesbezogener Natur ist. Sowohl die Oppositions- als auch die Regierungsparteien tragen zwar allgemeine Namen, doch Experten erkennen ihre Neigungen, die den ethnischen, regionalen oder stammesbezogenen Kern nicht verlassen. Dieser Kampf zielt in seinem jetzigen Zustand nicht darauf ab, den massiven Einfluss Russlands aus dieser kleinen Republik zu verdrängen. Russland fürchtet jedoch die Kontakte der USA zu einigen Oppositionsteilen angesichts des Chaos, das nach der Bekanntgabe der Parlamentswahlergebnisse entstanden ist. Es fürchtet, dass die USA erneut einen Fuß in die Tür bekommen, nachdem Russland alle Anstrengungen unternommen hat, um die USA aus Kirgisistan zu verdrängen, und sie so wieder Einfluss erlangen könnten, mit dem sie gegen Russland in Kirgisistan und dessen Umgebung arbeiten könnten.

  2. Dies wird der Zustand der Muslime in Kirgisistan und anderswo bleiben, solange sie von schlechten Herrschern regiert werden, die die Umma von einem Abgrund in den nächsten stürzen. Ihnen geht es nur um ihre persönlichen Interessen; sie betrachten die Herrschaft als Beute und besitzen keinerlei Fürsorgepflicht gegenüber der Umma, die sie entweder selbst einsetzt oder deren Einsetzung durch den ungläubigen Kolonialisten (al-kafir al-musta'mir) sie schweigend hinnimmt. Dieser Zustand wird so lange anhalten, bis sich die Umma und ihre stärkste Gruppe erheben, um diese Herrscher zu vertreiben, die Wurzeln des ungläubigen Kolonialisten aus den Ländern der Muslime auszureißen und ihren Staat – den Staat des Kalifats – auf der Grundlage ihrer Religion zu errichten. Dann wird sie einen Herrscher einsetzen, der sie mit dem regiert, was Allah herabgesandt hat, und der ihr eine Stütze für ein würdevolles Leben und ein Helfer auf dem Weg zum Paradies sein wird, so Allah will.

يَغْفِرْ لَكُمْ ذُنُوبَكُمْ وَيُدْخِلْكُمْ جَنَّاتٍ تَجْرِي مِنْ تَحْتِهَا الْأَنْهَارُ وَمَسَاكِنَ طَيِّبَةً فِي جَنَّاتِ عَدْنٍ ذَلِكَ الْفَوْزُ الْعَظِيمُ * وَأُخْرَى تُحِبُّونَهَا نَصْرٌ مِنَ اللَّهِ وَفَتْحٌ قريبٌ وَبَشِّرِ الْمُؤْمِنِينَ

„Er wird euch eure Sünden vergeben und euch in Gärten führen, durch die Bäche fließen, und in gute Wohnstätten in den Gärten von Eden. Das ist der großartige Sieg. Und noch ein weiteres, das ihr liebt: Hilfe von Allah und ein naher Sieg. Und verkünde den Gläubigen die frohe Botschaft.“ (Sure as-Saff [61]: 12-13)

  1. Rabi' al-Awwal 1442 n. H.
    18.10.2020 n. Chr.

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