Beantwortung einer Frage
Die bewaffneten Kämpfe im Sudan und ihre Auswirkungen auf die politischen Konflikte
Frage:
Sky News Arabia berichtete auf seiner Website, dass Amerika seine Diplomaten am Sonntagmorgen, den 23.04.2023, evakuiert hat (US-Präsident Joe Biden gab am Sonntagmorgen die Evakuierung der Diplomaten seines Landes aus dem Sudan bekannt, in dem seit Tagen heftige Zusammenstöße stattfinden... Biden sagte in einer Erklärung: „Heute (Sonntag) hat das US-Militär auf meinen Befehl hin eine Operation durchgeführt, um das Personal der US-Regierung aus Khartum herauszubringen“)... Arabi21 berichtete ebenfalls am 23.04.2023 auf seiner Website: („Die sudanesische Armee kommentierte die Evakuierung der US-Diplomaten nicht, erklärte jedoch in einer früheren Mitteilung, dass die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und China Diplomaten und andere Staatsangehörige aus Khartum evakuieren würden, und fügte hinzu, dass sie ‚erwartet, dass dies unverzüglich eingeleitet wird‘“). Deutet diese Evakuierung darauf hin, dass die Kämpfe andauern werden? Was ist die Erklärung dafür, insbesondere da al-Burhan und Hemedti beide Handlanger Amerikas sind? Oder ist einer von ihnen zu Großbritannien und Europa übergelaufen, was zu diesen Kämpfen führte? Und was ist die erwartete Lösung am Ende dieser Kämpfe? Vielen Dank.
Antwort:
Um die Antwort zu verdeutlichen, betrachten wir die Ereignisse seit dem Verfassungsdokument und dem Militärputsch dagegen:
Erstens: Die Phase des Verfassungsdokuments:
Die Handlanger Amerikas (der Militärrat) wurden durch das sogenannte „Verfassungsdokument“ zusammen mit den Handlangern der Engländer und Europäer (der zivile Teil) regiert. Dieses Dokument wurde am 17.08.2019 zwischen beiden Seiten unterzeichnet. Die Fristen wurden nach dem Abkommen von Juba vom 03.10.2020 angepasst, sodass die Übergangszeit auf 51 Monate festgelegt wurde, womit die Zivilisten im November 2021 die Führung übernehmen sollten. Da dieses Dokument viele Machtzentren vom militärischen auf den zivilen Teil überträgt, was al-Burhan und Hemedti missfiel, wurde etwa zwei Monate vor dem geplanten Übergabetermin die Entdeckung eines Putschversuchs bekannt gegeben. Von wem? Von einem ihrer eigenen Leute, der erst seit fünf Tagen von einer medizinischen Behandlung zurückgekehrt war: (Der sudanesische Verteidigungsminister, Generalmajor Yassin Ibrahim, gab die Vereitelung eines Putschversuchs unter der Leitung von Generalmajor Abd al-Baqi Bakrawi zusammen mit 22 weiteren Offizieren verschiedener Ränge sowie Unteroffizieren und Soldaten bekannt... BBC, 21.09.2021).
Bei genauerer Untersuchung dieses Putschversuchs stellen wir fest, dass er inszeniert war, denn („der Anführer dieses Putschversuchs war ein Militärkamerad von al-Burhan bei den Operationen in Bahr al-Jabal und ein Kamerad von Shams al-Din Kabbashi in West-Darfur... Arabi21, 22.09.2021“). Dies sind die Köpfe der Militärführung in der sudanesischen Armee und im Souveränitätsrat. Das bedeutet, dass dieser Mann den führenden Handlangern Amerikas in der Armeeleitung nahestand und ihr Vertrauen genoss. Folglich war sein Putschversuch nicht echt, sondern eine mit der Führung abgesprochene Angelegenheit, um die Regierungsverhältnisse neu zu ordnen, bevor der Zeitpunkt der geplanten Übergabe des Souveränitätsrats an die Zivilisten kam. Daraufhin („verhaftete die sudanesische Armee am Montagmorgen Premierminister Abdalla Hamdok und die meisten Mitglieder seiner Regierung sowie zahlreiche Funktionäre und Mitarbeiter des Mediensektors inmitten von Berichten über einen laufenden Militärputsch... Al Jazeera, 25.10.2021“). Das Büro des inhaftierten Hamdok erklärte: („Was geschehen ist, stellt eine Zerreißung des Verfassungsdokuments und einen vollständigen Putsch gegen die Errungenschaften der Revolution dar... Al Jazeera, 25.10.2021“).
So wird deutlich, dass das 2019 zwischen den Zivilisten der „Kräfte für Freiheit und Wandel“ (FFC) und dem Militärrat geschlossene Abkommen eine Falle war, die der Militärrat – mit Amerika im Hintergrund – diesen Kräften stellte. Dies geschah, indem der Vorsitz des Souveränitätsrats in der ersten Phase dem Militär und in der zweiten Phase den Zivilisten zugesprochen wurde. Den Kräften für Freiheit und Wandel wurde vorgegaukelt, dass ihnen der Vorsitz des Rates, also die Regierung des Sudan, nach den ersten 21 Monaten übergeben würde. Wäre dies möglich gewesen, hätten die Handlanger der Engländer und Europas weitreichende Änderungen in der Armeeleitung und deren Finanzierung vornehmen können, was den amerikanischen Einfluss im Sudan gefährdet hätte. Dies würde Amerika niemals zulassen.
Danach verbreitete sich unter den Menschen die Ansicht, dass der Putsch eine von al-Burhan und Hemedti nächtlich geplante Aktion war, um das Verfassungsdokument zu beseitigen. Infolgedessen gingen die Menschen auf die Straße – einige aus Aufrichtigkeit, andere angetrieben vom zivilen Teil – und dies hielt Tage, ja sogar Monate an.
Zweitens: Die Phase des Rahmenabkommens:
Nachdem der vorherige Putsch entlarvt worden war und die Proteste auf den Straßen zunahmen, begann eine weitere Phase der Täuschung des zivilen Teils. Es begannen Verhandlungen zwischen dem militärischen und dem zivilen Teil, bis am 05.12.2022 das Rahmenabkommen unterzeichnet wurde. In einer Beantwortung einer Frage vom 11.12.2022 hieß es dazu: („... Das Abkommen sah im zweiten Teil die ‚Übergabe der Übergangsgewalt an eine rein zivile Autorität vor... mit einem Staatsoberhaupt mit zeremoniellen Aufgaben... und einer Exekutive unter Leitung eines zivilen Premierministers...‘ Es legte zudem fest, dass ‚sich die Armee aus der Politik sowie aus wirtschaftlichen, kommerziellen und investiven Aktivitäten heraushält und dass die Rapid Support Forces und die Truppen der bewaffneten Bewegungen gemäß den später zu vereinbarenden Regelungen in die Armee integriert werden... etc.‘“). Das Abkommen sah die endgültige Unterzeichnung für den 06.04.2023 und die Bildung der zivilen Regierung für den 11.04.2023 vor. Hier entwickelten sich die Dinge wie folgt:
Am selben Tag, dem 06.04.2023, an dem die Unterzeichnung der Übergangsverfassung hätte stattfinden sollen, und fünf Tage vor der geplanten Bildung der Übergangsregierung am 11.04.2023, führte die US-Abteilungsleiterin für afrikanische Angelegenheiten, Molly Phee, ein Telefongespräch mit Hemedti und dem Sprecher des politischen Prozesses, Khalid Omar Yusuf. („Molly telefonierte sowohl mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des Souveränitätsrats und Kommandeur der Rapid Support Forces ‚Hemedti‘ als auch mit dem Sprecher des politischen Prozesses, Khalid Omar, wenige Tage nach ihrem Telefonat mit dem Vorsitzenden des Souveränitätsrats und Armeechef al-Burhan... Sudan Tribune, 06.04.2023.“)
Arabi Post veröffentlichte auf seiner Website am 19.04.2023 unter Berufung auf die US-Zeitung New York Times vom Mittwoch, den 19. April 2023, neueste Informationen über die ersten Stunden der Zusammenstöße am 15.04.2023: („In der Nacht zum Freitag, den 14. April, fand eine Verhandlungsrunde zwischen den beiden Parteien (al-Burhan und Hemedti) in Anwesenheit ausländischer Gesandter statt, in der Versprechen gegeben und Zugeständnisse gemacht wurden, bevor sie gemeinsam im Haus eines hochrangigen Militärführers zu Abend aßen... Arabi Post, 19.04.2023“).
Danach brachen am Samstag, den 15. April 2023, die plötzlichen heftigen Kämpfe zwischen der Armee und den Rapid Support Forces aus, was einen erneuten Schlag gegen die Hoffnungen auf eine Übergabe der Macht an die Zivilisten darstellte – also an die pro-britischen zivilen Kräfte. So verwandelte sich der politische Konflikt im Sudan zwischen dem pro-amerikanischen Militärteil und dem pro-britischen zivilen Teil in einen militärischen Konflikt zwischen al-Burhan und Hemedti! Wir sagten in der Beantwortung einer Frage vom 19. März 2023: [„Folglich kontrolliert der militärische Teil (al-Burhan und Hemedti) die Verzögerung der Umsetzung unter dem Vorwand ihrer Uneinigkeit über die Integration, bis die Bedingungen und die Atmosphäre für eine Änderung des Abkommens geeignet sind, um jeglichen tatsächlichen Einfluss des zivilen Teils zu eliminieren. Dies ist die Bedeutung von ‚bald‘ in al-Burhans Aussage: ‚Das Land befindet sich auf dem Weg zur Etablierung der zivilen Herrschaft und er erwarte die baldige Bildung der zivilen Regierung... Al-Ittihad, 19.03.2023‘. Das Rahmenabkommen wird also gemäß den Anforderungen des militärischen Teils umgesetzt, und somit ist ‚bald‘ relativ, ob nun der Termin der Umsetzung näher rückt oder nicht! Sollte ihnen dies nicht gelingen, ist der Versuch nicht auszuschließen, das Rahmenabkommen durch die Inszenierung von Schwierigkeiten bei der Integration der Rapid Support Forces in die Armee aufgrund der Uneinigkeit zwischen al-Burhan und Hemedti aufzuheben – also eine Wiederholung des Szenarios der Aufhebung des Verfassungsdokuments mit einer neuen Inszenierungsmethode...“]. Ende des Zitats aus der Beantwortung der Frage.
Die oppositionellen politischen Kräfte begannen, die Armee und die Rapid Support Forces aufzufordern, die Kämpfe einzustellen, obwohl diese Kräfte zuvor sowohl gegen die Armee als auch gegen die Rapid Support Forces waren. Nun riefen sie beide Seiten zur Einstellung der Kämpfe auf und vergaßen ihre politischen Forderungen nach dem Rückzug beider Seiten aus dem politischen Leben und der Bildung einer zivilen Regierung, wie sie es zuvor gefordert hatten. So („forderte eine Erklärung der Kräfte für Freiheit und Wandel – Zentralkomitee – die Führung der Streitkräfte und der Rapid Support Forces auf, Vernunft walten zu lassen, die militärischen Konfrontationen sofort zu beenden und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Option zur Lösung der ausstehenden Fragen sei deren friedliche Behandlung durch politische Lösungen... Al Jazeera, 16.04.2023“). Auf diese Weise wurde die Opposition durch eine andere Art von Opposition ersetzt: Die politische Opposition war nun keine oppositionelle Kraft mehr, sondern eine Kraft der Versöhnung zwischen der Armeeleitung und der inszenierten Opposition der Führung der Rapid Support Forces!
Eine Erklärung des US-Außenministeriums besagte: „Blinken betonte die dringende Notwendigkeit, einen Waffenstillstand zu erreichen, um die Bereitstellung humanitärer Hilfe für die von den Kämpfen Betroffenen zu ermöglichen... Sky News, 18.04.2023“. Er will einen Waffenstillstand, nicht das Ende der Kämpfe, und beide Seiten reagierten sofort auf den US-Aufruf. Die Armee gab durch das Mitglied des Übergangs-Souveränitätsrats, Shams al-Din Kabbashi, bekannt: („Der Souveränitätsrat hat einem 24-stündigen Waffenstillstand ab Dienstagabend zugestimmt... Al-Arabiya, 18.04.2023“). Auch die Rapid Support Forces stimmten einer Waffenruhe zu, die Amerika durch seinen Außenminister Antony Blinken von beiden Seiten gefordert hatte. In ihrer Erklärung hieß es: („Basierend auf dem Kontakt mit Herrn Antony Blinken, dem US-Außenminister, und den Bemühungen brüderlicher und befreundeter Länder, die uns zu einem Waffenstillstand aufgerufen haben, um sichere Korridore für Zivilisten zu öffnen und Verwundete zu evakuieren, erklären wir unsererseits die Zustimmung zur vorgeschlagenen 24-stündigen Waffenruhe... Al-Rakoba Sudanese, 18.04.2023“). Dies beweist, dass al-Burhan und Hemedti den Amerikanern folgen und deren Befehle schnell umsetzen. Wenn sie ernsthaft aufgefordert würden, die Kämpfe endgültig einzustellen, würden sie es tun. Aber sie wurden nur um eine 24-stündige Waffenruhe gebeten. Das bedeutet, dass ihnen erlaubt wurde, die Kämpfe fortzusetzen...
Die Zeitung Asharq Al-Awsat zitierte am 19.04.2023 einen Sprecher des US-Außenministeriums, der anonym bleiben wollte: („Das US-Außenministerium hat eine Arbeitsgruppe zum militärischen Konflikt im Sudan eingerichtet, um die Planung, das Management und die Logistik des Ministeriums in Bezug auf die Ereignisse im Sudan zu überwachen.“ Er fügte hinzu: „Unser Fokus liegt jetzt darauf, einen sofortigen Waffenstillstand zu erreichen“). Er sagte weiter: („Wir üben weiterhin Druck auf die Rapid Support Forces und die sudanesischen Streitkräfte aus, um einen 24-stündigen Waffenstillstand zu vereinbaren, und fordern beide auf, die Einhaltung durch alle Truppen sicherzustellen... Asharq Al-Awsat, 19.04.2023“). Dies bestätigt, dass die Amerikaner diejenigen sind, die den Konflikt zwischen den beiden Seiten steuern und ihn derzeit nicht vollständig beenden wollen, bis sie ihre Ziele damit erreicht haben.
Biden sagte in einer Erklärung: („Heute, Sonntag, hat das US-Militär auf meinen Befehl hin eine Operation durchgeführt, um das Personal der US-Regierung aus Khartum herauszubringen“... Ebenso dankte Biden Dschibuti, Äthiopien und Saudi-Arabien und lobte deren „entscheidende Hilfe für den Erfolg unserer Operation“... Die Rapid Support Forces, eine der Konfliktparteien im Sudan, hatten zuvor am Sonntagmorgen die Evakuierung der US-Diplomaten und ihrer Familien aus der US-Botschaft in Khartum in Koordination mit den Vereinigten Staaten bekannt gegeben. Später enthüllte der Sender CNN, dass „alle US-Diplomaten und ihre Familienmitglieder auf dem Weg in Sicherheit aus dem Sudan an Bord von US-Militärflugzeugen sind“... Er fügte hinzu, dass „die US-Botschaft in Khartum mit der Abreise der Diplomaten geschlossen wurde“... Sky News Arabia, 23.04.2023). Arabi21 berichtete am 23.04.2023 auf seiner Website über die Erklärung von Präsident Joe Biden zur Evakuierung und fügte hinzu: („Die sudanesische Armee kommentierte die Evakuierung der US-Diplomaten nicht, erklärte jedoch in einer früheren Mitteilung, dass die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich und China Diplomaten und andere Staatsangehörige aus Khartum evakuieren würden, und fügte hinzu, dass sie ‚erwartet, dass dies unverzüglich eingeleitet wird‘...“). All dies dient dazu, das Bild einer Eskalation der Kämpfe zu vermitteln...
Eine 72-stündige Waffenruhe wurde von Amerika ab der Nacht zum Dienstag, den 25.04.2023, angekündigt: („Blinken sagte in einer Erklärung: ‚Nach intensiven Verhandlungen über die letzten 48 Stunden haben die sudanesischen Streitkräfte und die Rapid Support Forces zugestimmt, einen landesweiten Waffenstillstand ab Mitternacht des 24. April für 72 Stunden umzusetzen‘. Er fügte hinzu: ‚Während dieser Zeit fordern die Vereinigten Staaten die sudanesischen Streitkräfte und die Rapid Support Forces auf, den Waffenstillstand sofort und vollständig einzuhalten‘... Al Jazeera Mubasher, 25.04.2023“).
Durch das Nachdenken über die Ereignisse in der Phase des Rahmenabkommens wird deutlich, dass Amerika die Waffenruhe kontrolliert, die Ereignisse steuert und den militärischen Konflikt zwischen seinen beiden Handlangern entfacht... Diese heute stattfindenden Zusammenstöße zwischen der sudanesischen Armee und den Rapid Support Forces verlagern die politischen Konflikte im Sudan massiv auf ein neues Feld – ein Feld, das von Amerika entworfen wurde, um die Handlanger der Engländer und Europäer vom faktischen Machtzentrum fernzuhalten. Somit kontrolliert Amerika die beteiligten Parteien. Es kümmert sich weder um die Anzahl der Toten und Verletzten noch um die Zerstörung des Sudan und seiner militärischen Kapazitäten. Das ist das Letzte, woran Amerika denkt. Wichtig ist für Amerika nur, im Sudan allein vorzugehen, ohne dass Großbritannien und Europa ihm dies streitig machen...
Drittens: Stehen die Engländer und Europa hinter Hemedtis Putschversuch gegen al-Burhan?
Dies ist unwahrscheinlich, worauf folgende Punkte hindeuten:
Die Handlanger Amerikas in der Region standen in Kontakt mit beiden Konfliktparteien. Hätte Amerika gewusst, dass Hemedti sich auf die Seite der Engländer und Europäer geschlagen hat, hätte es seine Handlanger gedrängt, die sudanesische Armee als legitime nationale militärische Institution zu unterstützen, und hätte die Rapid Support Forces aufgefordert, ihren Status mit der Armee zu klären – das heißt, es hätte ihnen die Legitimität entzogen. Saudi-Arabien stand mit beiden Seiten in Kontakt, und heute berichtete der Sender Al Jazeera, dass der ägyptische Außenminister mit beiden Seiten im Sudan (al-Burhan und Hemedti) in Kontakt stand.
Der US-Außenminister kontaktierte beide Seiten und rief sie zur Waffenruhe auf. („Der Kommandeur der sudanesischen Rapid Support Forces, Mohamed Hamdan Daglo, sagte in einer Reihe von Tweets: ‚Wir warten auf weitere Diskussionen mit dem US-Außenminister über Wege zur Behandlung dieser Verstöße‘. Al Jazeera Net, 18.04.2023“). Und: („Die Waffenruhe wurde nach dem Kontakt des US-Außenministers mit dem Armeechef Abdel Fattah al-Burhan und dem Kommandeur der Rapid Support Forces, Mohamed Hamdan Daglo (Hemedti), und seiner Forderung nach einer humanitären Waffenruhe erreicht. Al Jazeera Net, 18.04.2023“).
Wenn die Rapid Support Forces einen Putsch zugunsten der Europäer durchführen würden, stünden die Kräfte für Freiheit und Wandel (FFC) an ihrer Seite, zumal sie Tag und Nacht den Abzug des Militärs und eine zivile Herrschaft fordern. Das heißt, sie opponieren offen gegen die Armee und ihren Führer al-Burhan, schon vor Ausbruch der aktuellen Zusammenstöße. Doch diese Kräfte fordern einen sofortigen Waffenstillstand, zeigten also keinerlei Parteinahme, trotz Hemedtis Prahlerei, dass die Demokratie ihn zum Krieg gegen al-Burhan getrieben habe. („Die Kräfte für Freiheit und Wandel im Sudan forderten die Führungen der Armee und der Rapid Support Forces auf, die militärischen Konfrontationen sofort zu beenden und an den Verhandlungstisch zurückzukehren... Zeitung Asharq, 16.04.2023“).
Daraus wird deutlich, dass die von Europa abhängigen Kräfte im Sudan von diesen Zusammenstößen schockiert waren und keine Unterstützung für eine Seite gegen die andere erklärten. Somit entfällt der Verdacht einer Parteinahme Hemedtis für die Engländer; vielmehr bleibt er wie al-Burhan ein Handlanger Amerikas...
Viertens: Die Zusammenfassung ist wie folgt:
Diese heute stattfindenden Zusammenstöße zwischen der sudanesischen Armee und den Rapid Support Forces sind Kämpfe, die von Amerika gesteuert werden – sowohl im Gefecht als auch in der Waffenruhe. Dies dient dazu, die politischen Konflikte im Sudan massiv auf ein neues Feld zu verlagern, das von Amerika entworfen wurde, um die Handlanger der Engländer und Europäer aus dem Zentrum des Konflikts zu entfernen. Somit kontrolliert Amerika die Beteiligten, wobei es sich weder um die Zahl der Opfer noch um die Zerstörung des Sudan kümmert...
Amerika will, dass sein Einfluss im Sudan fortbesteht, ohne dass Europa ihm dies streitig macht. Es hat darin einen Präzedenzfall: Sein Einfluss hielt während der Ära von al-Baschir etwa 30 Jahre lang an. Als es ihn ersetzen wollte, brachte es Männer an die Macht, die er selbst aufgebaut hatte, wie Hemedti, oder solche, die mit ihm zusammenarbeiteten, wie al-Burhan. Als sich die Männer Großbritanniens (FFC) gegen die Männer Amerikas bewegten, absorbierte Amerika sie aufgrund ihrer Dummheit durch Täuschung – erst mit dem Verfassungsdokument, dann mit dem Rahmenabkommen.
Hat Großbritannien es geschafft, zu einem der beiden Männer (Hemedti) durchzudringen, und kam es deshalb zum militärischen Zusammenstoß? Es gibt dafür keine Anzeichen; im Gegenteil, beide Männer stehen unter dem Befehl Amerikas, wie wir es oben begründet haben.
Was das Fortdauern dieses Zusammenstoßes und sein Ergebnis betrifft: Wie erwähnt, war der Zweck der Ausschluss der Handlanger Großbritanniens (der zivile Teil der FFC u. a.). Obwohl dies erreicht wurde oder fast erreicht ist, lässt die Tatsache, dass der Putsch gegen das Verfassungsdokument entlarvt wurde, Amerika und seine Helfer den Konflikt diesmal in gewissem Maße in die Länge ziehen – jedoch im Sinne von Vorstößen und Rückzügen, nicht als endgültige Entscheidung –, um eines der folgenden Ziele zu erreichen:
a) Wenn Amerika es für besser hält, ein neues Abkommen zwischen seinen beiden Handlangern al-Burhan und Hemedti zu schließen, wird es dies tun und das Rahmenabkommen mit den pro-europäischen Kräften in den Hintergrund drängen. Diese Kräfte würden dann gegenüber den Handlangern Amerikas, die eine neue Realität im Sudan gestalten, marginalisiert werden.
b) Falls es nicht gelingt, die pro-europäischen Kräfte zurückzudrängen, scheut Amerika nicht vor einer Teilung des Sudan zurück, nachdem es bereits den Süden abgetrennt hat. Es könnte den Westen und Darfur abspalten und Hemedti dort einsetzen, da seine Kontrolle in jenen Regionen überwiegt, zumal er dort die Goldminen beherrscht.
c) Sollten sich die pro-europäischen Kräfte hinter einen der Handlanger Amerikas stellen (z. B. Hemedti) – als ein Manöver –, könnte Amerika diesen Handlanger auffordern, sich zurückzuziehen und die Kontrolle des anderen Handlangers zu akzeptieren, um die militärische Eskalation im Sudan anzuführen und dieses Manöver zu vereiteln.
Fünftens: So zeigt sich, dass die Handlanger wie ihre Herren sich nicht um die Angelegenheiten der Menschen und deren Sicherheit kümmern. Ihnen ist nur wichtig, auf den Sesseln zu sitzen, während die Herren sie steuern. Sie haben die Sicherheit der Menschen in den letzten zehn Tagen des Ramadan erschüttert, zu einer Zeit, in der die Menschen auf das Eid-Fest warten, um Glückwünsche und Besuche auszutauschen. Die kriminellen Mörder vergossen Blut, richteten Zerstörung an, sperrten die Menschen in ihre Häuser ein und legten ihre Arbeit lahm. All dies geschieht, um den Feinden Allahs, Seines Gesandten und der Gläubigen zu gefallen. Den Menschen bleibt nichts anderes übrig, als beide Seiten – die Handlanger Amerikas und die Handlanger Großbritanniens – abzulehnen und an deren Sturz zu arbeiten sowie die aufrichtigen und bewussten Söhne des Sudan zu unterstützen: die Schabab von Hizb ut-Tahrir, die das Projekt des rechtgeleiteten Kalifats gemäß der Methode des Prophetentums tragen. Sie gebieten das Rechte und verbieten das Unrechte, retten das Land vor allen Handlangern, bringen es zum Aufstieg und bewahren es vor Zerstückelung und Teilung. Dann wird Allah Sich ihrer erbarmen und sie ehren.
وَالْمُؤْمِنُونَ وَالْمُؤْمِنَاتُ بَعْضُهُمْ أَوْلِيَاءُ بَعْضٍ يَأْمُرُونَ بِالْمَعْرُوفِ وَيَنْهَوْنَ عَنِ الْمُنْكَرِ وَيُقِيمُونَ الصَّلَاةَ وَيُؤْتُونَ الزَّكَاةَ وَيُطِيعُونَ اللهَ وَرَسُولَهُ أُولَئِكَ سَيَرْحَمُهُمُ اللهُ إِنَّ اللهَ عَزِيزٌ حَكِيمٌ
„Und die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen sind einer des anderen Beschützer. Sie gebieten das Rechte und verbieten das Unrechte und verrichten das Gebet und entrichten die Zakat und gehorchen Allah und Seinem Gesandten. Sie sind es, derer Allah Sich erbarmen wird. Gewiss, Allah ist Allmächtig und Allweise.“ (Sure At-Tawba [9]:71)
- Schawwal 1444 n. H. 25.04.2023 n. Chr.