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Fragen & Antworten

Antwort auf eine Frage: Die islamische Philosophie

January 06, 2022
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Serie der Antworten des ehrwürdigen Gelehrten Ata Bin Khalil Abu Al-Rashtah, Emir von Hizb ut-Tahrir, auf die Fragen der Besucher seiner Facebook-Seite „Fikri“.

Antwort auf eine Frage

Die islamische Philosophie

An Asad ad-Dhahiriyya

Frage:

Im Buch „Die Konzepte“ (Al-Mafahim) von Hizb ut-Tahrir, Seite 35, Zeile 7 und 9, wird der Begriff „Islamische Philosophie“ erwähnt. Nach unserem Wissen im Hizb gibt es im Islam jedoch weder eine Philosophie noch Philosophen.

Möge Allah Sie mit allem Guten belohnen.

Antwort:

Im Buch „Die Konzepte“ (Al-Mafahim), S. 35, heißt es:

(Demnach ist die menschliche Handlung eine materielle Angelegenheit, die der Mensch physisch vollzieht. Wenn er sie jedoch ausführt, ist er sich seiner Verbindung zu Allah bewusst, indem er erkennt, ob diese Handlung erlaubt (halal) oder verboten (haram) ist. Auf dieser Grundlage führt er sie aus oder unterlässt sie. Dieses Bewusstsein des Menschen über seine Verbindung zu Allah ist der Geist (ar-ruh). Er ist es, der den Menschen dazu drängt, das Gesetz (schara') Allahs zu kennen, um seine Handlungen zu unterscheiden. So begreift er das Gute vom Bösen, wenn er weiß, welche Taten Allah wohlgefällig sind und welche Seinen Zorn erregen. Er unterscheidet das Hässliche vom Schönen, indem das Gesetz (schara') ihm die schöne und die hässliche Tat festlegt, und um die Werte zu erkennen, die für das islamische Leben in der islamischen Gesellschaft notwendig sind, so wie das Gesetz sie festlegt. Dadurch ist es ihm möglich, wenn er eine Handlung vollzieht und sich seiner Verbindung zu Allah bewusst ist, die Handlung auszuführen oder davon Abstand zu nehmen, je nach diesem Bewusstsein, da er die Art der Handlung, ihre Beschreibung und ihren Wert kennt. Daraus ergibt sich, dass die Philosophie des Islam die Verschmelzung von Materie mit dem Geist ist, d. h. die Handlungen durch die Gebote und Verbote Allahs leiten zu lassen. Diese Philosophie ist beständig und für jede Handlung erforderlich, sei sie klein oder groß, unbedeutend oder bedeutend. Sie stellt die Lebensanschauung dar. Da die islamische Aqida die Grundlage des Lebens, die Grundlage der Philosophie und die Grundlage der Systeme ist, war die islamische Zivilisation – welche die Gesamtheit der Konzepte über das Leben aus der Sicht des Islam ist – auf einer einzigen spirituellen Grundlage aufgebaut, nämlich der Aqida. Ihre Lebensanschauung war die Verschmelzung von Materie mit dem Geist, und die Bedeutung des Glücks war in ihren Augen das Wohlgefallen Allahs.)

Ja, dies ist die Philosophie im islamischen Sinne (die Verschmelzung von Materie mit dem Geist), d. h. das Bewusstsein der Verbindung zum Schöpfer. In diesem Sinne ist der Begriff korrekt...

Was jedoch die Verwendung im griechischen Fachterminus oder ähnlichem betrifft, d. h. (die Erforschung dessen, was jenseits der Existenz oder jenseits der Materie liegt), so lehnt der Islam dies ab. Im Buch „Das Denken“ (At-Tafkir) heißt es in der Einleitung auf S. 4, also vor der oben erwähnten Stelle:

(Die Menschheit hat diesen langen Weg des Lebens und der Zeitspanne zurückgelegt und sich dabei hauptsächlich mit den Erzeugnissen des Verstandes und des Denkens befasst, ohne sich jedoch mit der Realität des Verstandes und des Denkens an sich auseinanderzusetzen. Zwar gab es unter den muslimischen Gelehrten und den nicht-muslimischen Gelehrten in Vergangenheit und Gegenwart solche, die versuchten, die Realität des Verstandes zu erfassen, doch sie scheiterten daran. Es gab auch jene, die versuchten, eine Methode für das Denken zu entwerfen. Obwohl sie in einigen Bereichen der Früchte dieser Methode durch wissenschaftliche Errungenschaften Erfolg hatten, wurden sie doch über das Wesen des Denkens als solches in die Irre geführt. Sie führten auch andere Nachahmer in die Irre, die von diesem wissenschaftlichen Erfolg geblendet waren. Zuvor, seit der Zeit der Griechen und jener nach ihnen, stürzten sie sich auf das Erreichen des Denkens und gelangten zu dem, was als Logik bezeichnet wird. Es gelang ihnen zwar, einige Gedanken zu fassen, doch sie verdarben die Erkenntnis als solche. So wurde die Logik zu einer Last für die Erkenntnis, statt – wie beabsichtigt – ein Weg zu ihrer Erlangung und ein Maßstab für ihre Richtigkeit zu sein. Zudem gelangten jene, die sich auf das Erreichen des Denkens stürzten, auch zu dem, was man Philosophie nennt, oder was als Liebe zur Weisheit und die Vertiefung in das, was jenseits der Existenz, d. h. jenseits der Materie liegt, bekannt ist. Sie schufen eine Forschung mit genussvollem Wissen und genussvollen Ergebnissen, die jedoch fern von der Realität und fern von der Wahrheit war. So führte sie von der Wahrheit und der Realität weg, lockte viele in die Irre und ließ das Denken vom rechten Weg abkommen.)

Ein ruhiges, bedächtiges Studium dessen, was im Buch „Das Denken“ (At-Tafkir) steht, macht mit Allahs Erlaubnis die Wahrheit im Thema der Philosophie deutlich...

In der Hoffnung, dass dies ausreichend ist. Und Allah ist Wissender und Weiser.

Euer Bruder Ata Bin Khalil Abu Al-Rashtah

  1. Jumada al-Achira 1443 n. H. entspricht dem 06.01.2022 n. Chr.

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