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Fragen & Antworten

Antwort auf eine Frage: Die Unterscheidung in der Bedeutung des Buchstabens „Fa“

June 13, 2013
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Serie der Antworten des Gelehrten Ata Bin Khalil Abu Al-Rashtah, Emir von Hizb ut-Tahrir, auf die Fragen der Besucher seiner Facebook-Seite

An Hamid Nasuh

Frage:

As-salamu alaikum wa rahmatullahi...

In Ihrem wertvollen Buch Taisir al-Wusul ila ’Ilm al-Usul wird im Abschnitt über den Beleg des Rechtfertigungsgrundes (dalil al-‘illa) erwähnt, dass das „Fa“ in der Aussage des Propheten (s): „Du verfügst über dich selbst, so wähle“ (malakti amraki fakhtari) eine Begründung (ta’lil) impliziert, da es stetig und transitiv (muta’addiya) ist... Während das „Fa“ in der Aussage des Erhabenen: „... so geißelt“ (fajlidu) eine beschränkte, nicht-transitive Ursächlichkeit (sababiya qasira) ausdrückt...

Bei genauer Betrachtung beider Fälle erschloss sich mir der Unterschied nicht...

Ich bitte um Erläuterung... Möge Allah Ihnen beistehen, Seine Religion auf Erden zu errichten. Wa as-salamu alaikum.

Antwort:

Wa alaikum as-salam wa rahmatullahi wa barakatuh.

Es gibt im Arabischen Buchstaben, die aufgrund ihrer sprachlichen Festlegung (wad’ lughawi), also durch ihren Wortlaut (mantuq), eine Begründung (ta’lil) ausdrücken, wie das „Lam“ oder „Kay“... Das „Lam“ etwa in der Aussage des Erhabenen:

لِئَلاَّ يَكُونَ لِلنَّاسِ عَلَى اللَّهِ حُجَّةٌ بَعْدَ الرُّسُلِ

„... damit die Menschen nach den Gesandten keinen Beweisgrund gegen Allah haben.“ (Sure an-Nisa’ [4]: 165)

Und das „Kay“ wie in der Aussage des Erhabenen:

كَيْ لا يَكُونَ دُولَةً بَيْنَ الأَغْنِيَاءِ مِنْكُمْ

„... damit es nicht nur unter den Reichen von euch im Umlauf sei.“ (Sure al-Haschr [59]: 7)

Andererseits gibt es Buchstaben, die eine Begründung nicht durch ihre primäre sprachliche Festlegung ausdrücken, sondern durch ihren Sinngehalt (mafhum), also durch das, was ihre Bedeutung impliziert. Zu diesen Buchstaben gehört das „Fa“. Es drückt eine Begründung nicht durch seinen expliziten Wortlaut aus, da die Araber es nicht primär für die Begründung festgelegt haben. Vielmehr dient es als Konjunktion zur Aufzählung, zur Reihenfolge, zur Unmittelbarkeit oder für eine sprachliche Ursächlichkeit, die im Sinne einer Begründung (ta’lil) oder einer bloßen Ursache (sabab) verstanden wird.

Wenn das „Fa“ als Konjunktion für die Aufzählung, Reihenfolge oder Unmittelbarkeit dient, gibt es keine Unklarheit im Verständnis. Die Schwierigkeit entsteht jedoch, wenn es für die Ursächlichkeit und die Abfolge steht, d. h., wenn das darauf Folgende durch das Vorangegangene verursacht wurde oder eine Konsequenz daraus darstellt. Hier entsteht die Unklarheit bei der Bestimmung, ob es sich um eine Ursache (sabab) oder einen Rechtfertigungsgrund (‘illa) handelt – natürlich im fachterminologischen Sinne der Usul al-Fiqh.

Um zwischen beiden zu unterscheiden, gibt es Merkmale für die ‘illa und Merkmale für den sabab. Man betrachtet den Sinngehalt, der sich aus der Verwendung des „Fa“ ergibt: Wenn die Merkmale der ‘illa darauf zutreffen, drückt es eine Begründung (ta’lil) aus; treffen die Merkmale des sabab zu, drückt es lediglich eine Ursache aus.

Um nicht zu tief in die Verzweigungen der Merkmale von ‘illa und sabab und deren Unterschiede einzusteigen, begnügen wir uns mit einem einfachen Unterscheidungsmerkmal, das genau geprüft werden kann: die Begleitung des Urteils (hukm) zum Sachverhalt. Wenn eine Begleitung zwischen dem Sachverhalt und dem Urteil besteht, dann drückt das „Fa“ eine ‘illa aus. Wenn der Sachverhalt dem Urteil jedoch vorausgeht und es nicht begleitet, dann drückt das „Fa“ einen sabab aus.

Vor diesem Hintergrund untersuchen wir Ihre Frage bezüglich der Unklarheit über den Unterschied zwischen „Du verfügst über dich selbst, so wähle“ und der Ayah:

الزَّانِيَةُ وَالزَّانِي فَاجْلِدُوا كُلَّ وَاحِدٍ مِنْهُمَا مِائَةَ جَلْدَةٍ

„Die Unzüchtige und der Unzüchtige, geißelt jeden von ihnen mit hundert Hieben.“ (Sure an-Nur [24]: 2)

Zunächst erläutere ich Ihnen die Bedeutung von „Du verfügst über dich selbst, so wähle“. Diese Formulierung findet sich in zahlreichen Werken der Usul, wie etwa Al-Ihkam fi Usul al-Ahkam von al-Amidi und Fath al-Qadir von Kamal ibn al-Hammam. Sie ist nach der Methode der Gelehrten der Usul ein Hinweis auf den Hadith des Gesandten (s) über die Wahlmöglichkeit für Barirah. Sie war mit einem Sklaven verheiratet; als sie freigelassen wurde und zur freien Frau wurde, gab ihr der Gesandte (s) die Wahl, bei ihrem Ehemann zu bleiben oder nicht, da sie nun über sich selbst verfügte und das Recht zur Wahl besaß. Der Hadith wurde von al-Buchari und Muslim überliefert.

Al-Buchari überlieferte von Aischa (r.a.), die sagte: „Ich kaufte Barirah... und ließ sie frei. Da rief sie der Prophet (s) zu sich und stellte ihr die Wahl bezüglich ihres Ehemannes frei. Sie sagte: ‚Selbst wenn er mir dies und jenes gäbe, bliebe ich nicht bei ihm.‘ So wählte sie sich selbst.“ Muslim überlieferte ebenfalls von Aischa (r.a.), dass sie Barirah von Leuten der Ansar kaufte... „und der Gesandte Allahs (s) stellte ihr die Wahl frei, wobei ihr Ehemann ein Sklave war.“ Nachdem nun die Bedeutung des ersten Beispiels klar ist – und die Bedeutung des zweiten Beispiels ohnehin klar ist –, betrachten wir beide Beispiele:

  1. Betrachten Sie das erste Beispiel: Hier wurde die Wahlmöglichkeit auf den Besitz der eigenen Verfügungsgewalt (Freilassung) folgen lassen. Sobald sie frei wurde, besaß sie sofort das Recht zur Wahl in ihrer Angelegenheit. Es begleitet also das Urteil: Sie wurde frei und besaß damit augenblicklich das Wahlrecht. Daher sagen wir, dass das „Fa“ hier eine Begründung (ta’lil) ausdrückt, da das Urteil den Sachverhalt begleitet, was ein Merkmal der ‘illa ist.

  2. Im zweiten Beispiel hingegen begleitet die Unzucht (zina) nicht die Geißelung, sondern geht ihr voraus. Deshalb sagen wir, dass das „Fa“ hier eine Ursache (sabab) ausdrückt, da der Sachverhalt dem Urteil vorausgeht. Die Unzucht findet vor der Geißelung statt. So verhält es sich bei jeder Ursache (sabab). Ein Beispiel hierfür ist der Hadith, den al-Baihaqi in as-Sunan al-Kubra von Chabbab ibn al-Aratt überlieferte: „Wir beklagten uns beim Gesandten Allahs (s) über die Hitze des Bodens (beim Gebet), doch er nahm unsere Klage nicht an und sagte:

إِذَا زَالَتِ الشَّمْسُ فَصَلُّوا

„Wenn die Sonne den Zenit überschritten hat, dann betet.“

Hier drückt das „Fa“ die Ursache (sabab) aus, d. h., dass der Zenitstand der Sonne die Ursache für das Gebet ist. Es ist offensichtlich, dass der Zenitstand dem Gebet zeitlich vorausgeht.

Wenn jemandem also die Bedeutung des „Fa“ unklar ist – ob es im Sinne einer ‘illa oder eines sabab zu verstehen ist –, dann soll er auf die Begleitung des Urteils zum Sachverhalt schauen. Wenn es ihn begleitet, ist es eine ‘illa; wenn es ihm nachfolgt, ist es ein sabab. Dies gilt wohlgemerkt für die Unterscheidung innerhalb der Bedeutung des Buchstabens „Fa“ und nicht für andere Arten der ‘illa.

Ihr Bruder Ata Bin Khalil Abu Al-Rashtah

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