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Fragen & Antworten

Antwort auf eine Frage: Das offene Aussprechen des Wortes der Wahrheit

January 30, 2024
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Beantwortung von Fragen durch den ehrwürdigen Gelehrten Ata Bin Khalil Abu Al-Rashtah, Emir von Hizb ut-Tahrir, auf die Fragen der Besucher seiner Facebook-Seite „Fiqhi“

Antwort auf eine Frage

An Mustafa Ali Ibrahim

Frage:

As-Salamu Alaikum wa Rahmatullahi wa Barakatuh,

ich habe eine Frage:

Sura Yunus, Ayah 90: فَأَتْبَعَهُمْ فِرْعَوْنُ وَجُنُودُهُ und Sura Ta-Ha, Ayah 78: فَأَتْبَعَهُمْ فِرْعَوْنُ بِجُنُودِهِ

Bedeutet dies, dass der Befehl des Herrschers und die Tat des Herrschers ein und dasselbe sind, sodass wir sagen können, dass das Entgegentreten gegen seine Befehle dasselbe ist wie das Entgegentreten gegen seine Taten? Das hieße, dass das Sprechen eines Wortes der Wahrheit vor seiner Polizei oder seinen Gehilfen dasselbe ist wie das Sprechen vor ihm selbst, gemäß dem Hadith: أَفْضَلُ الْجِهَادِ كَلِمَةُ حَقٍّ عِنْدَ سُلْطَانٍ جَائِرٍ „Der beste Dschihad ist ein Wort der Wahrheit bei einem ungerechten Herrscher.“ Vielen Dank.

Es steht Ihnen frei, die Formulierung der Frage anzupassen. Möge Allah es Ihnen mit Gutem vergelten.

Antwort:

Wa Alaikum as-Salam wa Rahmatullahi wa Barakatuh,

Erstens: Zu den beiden in der Frage erwähnten Versen, nämlich der Aussage des Erhabenen in Sura Yunus, Vers 90:

وَجَاوَزْنَا بِبَنِي إِسْرَائِيلَ الْبَحْرَ فَأَتْبَعَهُمْ فِرْعَوْنُ وَجُنُودُهُ بَغْياً وَعَدْواً „Und Wir ließen die Kinder Israels das Meer überqueren. Da verfolgten sie Pharao und seine Heerscharen in Auflehnung und Feindseligkeit.“ (Sura Yunus [10]: 90)

Und der Aussage des Erhabenen in Sura Ta-Ha, Vers 78:

فَأَتْبَعَهُمْ فِرْعَوْنُ بِجُنُودِهِ فَغَشِيَهُمْ مِنَ الْيَمِّ مَا غَشِيَهُمْ „Da verfolgte sie Pharao mit seinen Heerscharen; doch es überdeckte sie vom Meer, was sie überdeckte.“ (Sura Ta-Ha [20]: 78)

Es scheint, dass Sie auf den Bedeutungsunterschied hinweisen, der sich aus der Verwendung des Buchstabens Waw und des Buchstabens Ba im Wort (جنوده) ergibt. In der ersten Ayah sagt der Erhabene: (فَأَتْبَعَهُمْ فِرْعَوْنُ وَجُنُودُهُ), während Er in der zweiten Ayah sagt: (فَأَتْبَعَهُمْ فِرْعَوْنُ بِجُنُودِهِ). Die Bedeutung von (أتبعهم) ist „er folgte ihnen und holte sie ein“, wie es in den Büchern der Tafsir-Gelehrten erwähnt wird.

Der erste Vers (فِرْعَوْنُ وَجُنُودُهُ) lässt sprachlich verstehen, dass Pharao unter jenen war, die sie einholten. Das bedeutet, dass Pharao (Allah möge ihn verfluchen) persönlich an der Verfolgung von Musa (as.) und den Kindern Israels teilnahm; er war unter denen, die ihnen folgten und sie einholten. Dies liegt daran, dass das Waw im Ausdruck (وجنوده) hier auf Teilhabe (Muscharaka) hinweist, also auf die gemeinschaftliche Teilnahme von Pharao und seinen Soldaten an der Verfolgung.

Der zweite Vers (فِرْعَوْنُ بِجُنُودِهِ) kann sprachlich so verstanden werden, dass Pharao seine Soldaten begleitete und mit ihnen an der Verfolgung teilnahm. Es kann jedoch sprachlich auch so verstanden werden, dass Pharao nicht persönlich teilnahm und nicht mit ihnen auszog, sondern sie lediglich zur Verfolgung einsetzte. Dies liegt daran, dass das Ba im Arabischen sowohl Begleitung (Musahaba) als auch Zuhilfenahme (Isti'ana) ausdrücken kann. Das Wort (بجنوده) im Vers kann also sprachlich als Begleitung gedeutet werden, wonach Pharao seine Soldaten bei der Verfolgung begleitete, oder es kann als Zuhilfenahme gedeutet werden. Das heißt, er könnte entweder bei ihnen gewesen sein oder er könnte seine Soldaten zur Verfolgung eingesetzt haben, ohne selbst teilzunehmen, sodass diejenigen, die sie verfolgten, Pharaos Soldaten waren, ohne Pharao selbst.

Die Festlegung einer der beiden Bedeutungen (Begleitung oder Zuhilfenahme) ergibt sich aus der Zusammenführung beider Verse:

Die erste Ayah hat sprachlich nur eine Bedeutung: Dass Pharao (Allah möge ihn verfluchen) persönlich teilnahm, d. h., er begleitete sie bei der Verfolgung von Musa (as.). Die zweite Ayah lässt sprachlich sowohl die Bedeutung der Begleitung zu als auch die der Zuhilfenahme. Da sich der Inhalt der beiden Verse nicht widersprechen darf, ergibt sich aus der Zusammenführung beider, dass Pharao tatsächlich mit seinen Soldaten bei der Verfolgung von Musa (as.) anwesend war. Das bedeutet, dass das Ba in (بجنوده) hier die Bedeutung der Begleitung (Musahaba) vermittelt. Dies zur Bedeutung der beiden Verse.

Zweitens: Was den edlen Hadith betrifft, der in der Frage erwähnt wurde, so hat ihn At-Tirmidhi in seinen Sunan von Abu Sa'id al-Chudri überliefert, dass der Prophet ﷺ sagte:

إِنَّ مِنْ أَعْظَمِ الْجِهَادِ كَلِمَةَ عَدْلٍ عِنْدَ سُلْطَانٍ جَائِرٍ „Wahrlich, zu den gewaltigsten Formen des Dschihad gehört ein Wort der Gerechtigkeit bei einem ungerechten Herrscher.“ (At-Tirmidhi)

Abu 'Isa sagte: „In diesem Kapitel gibt es auch Überlieferungen von Abu Umama, und dies ist ein Hadith hasan gharib von diesem Überlieferungsweg.“ Im Al-Mu'dscham al-Kabir von At-Tabarani wird von Abu Umama überliefert, dass der Gesandte Allahs ﷺ sagte:

أَحَبُّ الْجِهَادِ إِلَى اللهِ كَلِمَةُ حَقٍّ تُقَالُ لإِمَامٍ جَائِرٍ „Der von Allah am meisten geliebte Dschihad ist ein Wort der Wahrheit, das einem ungerechten Imam gegenüber ausgesprochen wird.“ (At-Tabarani)

In einer anderen Überlieferung bei At-Tabarani von Abu Umama wird berichtet, dass ein Mann beim Steinigungsort (al-Dschamra) fragte: „O Gesandter Allahs, welcher Dschihad ist der beste?“ Er antwortete:

أَفْضَلُ الْجِهَادِ كَلِمَةُ حَقٍّ عِنْدَ سُلْطَانٍ جَائِرٍ „Der beste Dschihad ist ein Wort der Wahrheit bei einem ungerechten Sultan.“ (At-Tabarani)

Im Buch 'Aun al-Ma'bud heißt es in der Erläuterung dieses Hadith: [... von Abu Sa'id al-Chudri, der sagte: Der Gesandte Allahs ﷺ sagte: „Der beste Dschihad ist ein Wort der Gerechtigkeit bei einem ungerechten Sultan oder einem ungerechten Emir.“ Der Autor von 'Aun al-Ma'bud sagte:

(Der beste Dschihad): Das heißt, er gehört zum Besten, wie durch die Überlieferung von At-Tirmidhi belegt wird: „Wahrlich, zu den gewaltigsten Formen des Dschihad...“ (Ein Wort der Gerechtigkeit): In einer Überlieferung von Ibn Madschah heißt es „ein Wort der Wahrheit“. Gemeint ist mit dem Wort das Gebieten des Rechten oder das Verbieten des Verwerflichen durch die Sprache oder was dessen Bedeutung entspricht, wie etwa durch Schreiben und Ähnliches.

(Bei einem ungerechten Sultan): Das heißt einem tyrannischen. Dies wurde zur besten Form des Dschihad, weil derjenige, der den Feind bekämpft, zwischen Hoffnung und Furcht schwankt und nicht weiß, ob er siegen oder besiegt werden wird. Doch derjenige, der beim Sultan ist, befindet sich in dessen Gewalt. Wenn er also die Wahrheit sagt und ihm das Rechte gebietet, setzt er sich dem Verderben aus und macht sich selbst zum Ziel der Vernichtung. Daher wurde dies aufgrund des Überwiegens der Furcht zur besten Art des Dschihad, wie Al-Chattabi und andere sagten.

(Oder einem ungerechten Emir): Offensichtlich handelt es sich hierbei um einen Zweifel des Überlieferers.]

Aus diesem edlen Hadith wird verstanden, dass der beste Dschihad das Aussprechen des Wortes der Wahrheit vor dem ungerechten Machthaber selbst ist und nicht vor seinen Untergebenen. Mit dem ungerechten Sultan ist der ungerechte Befehlshaber (Amir) gemeint, sei er nun Präsident, König, Premierminister oder Gouverneur (Wali). Er muss Inhaber von Autorität (Sultan) und Herrschaft (Imara) sein, damit dieser Vorrang beim Aussprechen der Wahrheit vor ihm gilt.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Aussprechen des Wortes der Wahrheit vor den Anhängern des tyrannischen Herrschers keinen Vorzug hätte. Das offene Verkünden der Wahrheit ist immer gut und verdienstvoll. Doch der spezifische Vorrang, den der Prophet ﷺ in seinem Hadith erwähnte, bezieht sich auf den Inhaber der Autorität, d. h. den Herrscher selbst. Dies liegt an der Bedeutung des Wortes der Wahrheit in seiner Gegenwart sowie an dem damit verbundenen Risiko, dem Mut und der Stärke, wie es einige Kommentatoren des Hadith erwähnten: [... Al-Chattabi sagte: Dies wurde nur deshalb zum besten Dschihad, weil derjenige, der den Feind bekämpft, zwischen Hoffnung und Furcht schwankt... während derjenige, der beim Sultan ist, in dessen Gewalt ist... Al-Muzhir sagte: Es ist deshalb das Beste, weil das Unrecht des Sultans auf alle übergeht, die unter seiner Herrschaft stehen, und das ist eine riesige Menschenmenge. Wenn er ihn also vom Unrecht abhält, hat er einer Vielzahl von Geschöpfen Nutzen gebracht, im Gegensatz zur Tötung eines Ungläubigen...].

Die gesamte Rede bezieht sich also auf den Inhaber der ungerechten Autorität selbst und nicht auf seine Anhänger, Gehilfen und Soldaten.

Euer Bruder Ata Bin Khalil Abu Al-Rashtah

  1. Radschab al-Chair 1445 n. H. 29.01.2024 n. Chr.

Link zur Antwort auf der Facebook-Seite des Emirs (möge Allah ihn bewahren): Facebook

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