Serie der Antworten des ehrwürdigen Gelehrten Ata bin Khalil Abu al-Rashtah, Emir von Hizb ut-Tahrir, auf die Fragen der Besucher seiner Facebook-Seite
Antwort auf eine Frage
An Muhammad Iyad
Frage:
As-Salamu Alaikum Wa Rahmatullahi Wa Barakatuhu,
möge Allah der Erhabene euch beistehen und das Gute durch eure und unsere Hände geschehen lassen. Möge Allah uns durch das zweite Rechtgeleitete Kalifat ehren und uns zu dessen Zeugen und Soldaten machen.
Thema: Die vitale Sphäre (Lebensraum) in der internationalen Politik.
Einflussreiche Staaten und Großmächte legen einen Handlungsspielraum fest, dem sie Priorität bei der Verwirklichung ihrer Interessen einräumen und den sie als „vitale Sphäre“ bezeichnen. Ebenso legt die Partei (Hizb) ihren Aktionsbereich in einem Land oder mehreren Ländern fest, um sich dort zu konzentrieren, damit der Islamische Staat entstehen kann.
Die Frage: Muss der kommende Kalif – so Allah will – eine vitale Sphäre für den Islamischen Staat festlegen, der er Priorität einräumt, um den Islam durch Da'wa und Dschihad in der Welt zu verbreiten? Möge Allah euch mit dem Besten belohnen.
Antwort:
Wa Alaikum As-Salam Wa Rahmatullahi Wa Barakatuhu,
möge Allah dich für deine freundlichen Gebete für uns segnen, und wir beten auch für dich um alles Gute...
Was du in deiner Frage als „vitale Sphäre“ bezeichnet hast, in der von dir angedeuteten Bedeutung, ist in der Tat eine sehr wichtige Angelegenheit für jeden einflussreichen Staat auf der internationalen Bühne. Das Kalifat ist ein ideologischer Staat (daula mabda’iyya) und ein Weltstaat, kein lokaler Staat; denn seine Aqida ist universell, da sie eine Aqida für den Menschen ist, und sein System ist ein Weltsystem, da es ein System für den Menschen ist. Allah, der Erhabene, sagt:
وَمَا أَرْسَلْنَاكَ إِلَّا كَافَّةً لِلنَّاسِ بَشِيراً وَنَذِيراً
„Und Wir haben dich nur für die Menschen allesamt als Bringer froher Botschaft und als Warner entsandt.“ (Sure Saba [34]: 28)
Al-Bukhari überlieferte von Jabir ibn Abdullah, dass der Gesandte Allahs (s) sagte:
أُعْطِيتُ خَمْساً لَمْ يُعْطَهُنَّ أَحَدٌ مِنْ الْأَنْبِيَاءِ قَبْلِي نُصِرْتُ بِالرُّعْبِ مَسِيرَةَ شَهْرٍ وَجُعِلَتْ لِي الْأَرْضُ مَسْجِداً وَطَهُوراً وَأَيُّمَا رَجُلٍ مِنْ أُمَّتِي أَدْرَكَتْهُ الصَّلَاةُ فَلْيُصَلِّ وَأُحِلَّتْ لِي الْغَنَائِمُ وَكَانَ النَّبِيُّ يُبْعَثُ إِلَى قَوْمِهِ خَاصَّةً وَبُعِثْتُ إِلَى النَّاسِ كَافَّةً وَأُعْطِيتُ الشَّفَاعَةَ
„Mir wurden fünf Dinge gegeben, die niemandem vor mir unter den Propheten gegeben wurden: Mir wurde zum Sieg verholfen durch Schrecken (der dem Feind eingeflößt wird) über eine Distanz von einem Monat (Reisezeit); mir wurde die Erde als Gebetsstätte und Reinigungsmittel gegeben, wer auch immer von meiner Ummah die Gebetszeit erreicht, der soll beten; mir wurde die Kriegsbeute erlaubt; ein Prophet wurde (früher) nur zu seinem Volk gesandt, ich aber wurde zu den Menschen allesamt gesandt; und mir wurde die Fürsprache (Schafa'ah) gegeben.“
Obwohl das Kalifat die ganze Welt im Blick hat und die gesamte Welt zum Schauplatz seiner Politik und Handlungen macht, wie es im Hadith deutlich wird, den Ibn Majah in seinen Sunan von Thawban, dem Diener des Gesandten Allahs (s), überlieferte, wonach der Gesandte Allahs (s) sagte:
زُوِيَتْ لِي الْأَرْضُ حَتَّى رَأَيْتُ مَشَارِقَهَا وَمَغَارِبَهَا وَأُعْطِيتُ الْكَنْزَيْنِ الْأَصْفَرَ أَوْ الْأَحْمَرَ وَالْأَبْيَضَ يَعْنِي الذَّهَبَ وَالْفِضَّةَ وَقِيلَ لِي إِنَّ مُلْكَكَ إِلَى حَيْثُ زُوِيَ لَكَ...
„Die Erde wurde für mich zusammengefaltet, bis ich ihren Osten und ihren Westen sah. Und mir wurden die zwei Schätze gegeben, der gelbe – oder rote – und der weiße, d. h. Gold und Silber. Und mir wurde gesagt: Dein Reich wird bis dorthin reichen, wo (die Erde) für dich zusammengefaltet wurde...“
Dennoch bedeutet dies nicht, dass die Pläne, die das Kalifat in der Außenpolitik festlegt, für alle Staaten gleich sein müssen. Es bedeutet auch nicht, dass alle Staaten und Regionen der Welt das gleiche Maß an Aufmerksamkeit seitens des Kalifats erhalten. Vielmehr legt das Kalifat eine vitale Sphäre gemäß dem Interesse der Da'wa sowie den bestehenden politischen, wirtschaftlichen und militärischen Gegebenheiten fest. Es strebt danach, seine Politik in einem größeren Maße und konzentrierter in der vitalen Sphäre umzusetzen, die es für sich selbst definiert hat. Diese vitale Sphäre ändert sich je nach Erreichung der Ziele, der Änderung der Realität, den Interessen der Da'wa usw.
Bei der Betrachtung der Sira des Gesandten (s) und seiner edlen Gefährten (r) wird deutlich, dass der Gesandte (s) die Arabische Halbinsel zur vitalen Sphäre des Staates machte, nachdem er ihn in Medina errichtet hatte. Nachdem er viele Siege auf der Halbinsel errungen hatte, zögerte er nicht, die vitale Sphäre des Staates zu erweitern, um die Randgebiete von Großsyrien (Scham) und dem Irak einzuschließen. Dann kamen die Rechtgeleiteten Kalifen nach ihm, und die vitale Sphäre des Staates weitete sich nach den ersten Eroberungen aus, um Syrien, den Irak, Persien, Ägypten, Nordafrika und andere Gebiete zu umfassen. So änderte und erweiterte sich die vitale Sphäre des Kalifats entsprechend den Siegen, die der Staat errang, und entsprechend der Änderung der Gegebenheiten und Umstände.
Dementsprechend wird das zweite Rechtgeleitete Kalifat, wenn es mit Allahs Erlaubnis entsteht, den Weg des ersten Islamischen Staates wiederaufnehmen, so Allah will. Es wird Pläne entwerfen, geeignete Strategien festlegen und eine vitale Sphäre wählen, die dem Interesse der Da'wa und den Fakten und Gegebenheiten entspricht. Es wird die notwendigen Mittel und Methoden ergreifen, um den Islam zu tragen und in der Welt zu verbreiten, unter Berücksichtigung der festgelegten vitalen Sphäre. Es wird diese vitale Sphäre gemäß dem Interesse der Da'wa und den neuen Entwicklungen und Fakten, die eintreten, ständig überprüfen. Im Buch Der Islamische Staat, im Kapitel „Die Außenpolitik des Islamischen Staates“, findet sich ein Hinweis auf die Berücksichtigung der bestehenden Gegebenheiten bei der Festlegung von Plänen und Methoden zur Umsetzung der Politik:
„Dementsprechend ist der politische Grundgedanke, auf dem die Beziehung des Islamischen Staates zu anderen Staaten, Völkern und Nationen basiert, die Verbreitung des Islam unter ihnen und das Tragen der Botschaft (Da'wa) zu ihnen. Die Methode dafür ist der Dschihad. Dennoch gibt es Pläne und Methoden, die der Staat festlegt und für die er Mittel und Werkzeuge zur Ausführung bereitstellt. So schließt er beispielsweise befristete Gutnachbarschaftsverträge mit einigen Feinden ab und bekämpft andere, wie es der Gesandte Allahs (s) zu Beginn seiner Ankunft in Medina tat. Oder er erklärt all seinen Feinden den Krieg, wie es Abu Bakr tat, als er die Armeen gleichzeitig in den Irak und nach Syrien entsandte. Oder er schließt befristete Verträge ab, um eine öffentliche Meinung für die Da'wa zu schaffen, wie es der Gesandte (s) im Friedensvertrag von al-Hudaibiya tat... Der Staat kann Handelsverträge mit einigen Staaten schließen und mit anderen nicht, basierend auf dem Interesse der Da'wa. Er kann Beziehungen zu Staaten aufbauen und zu anderen nicht, nach einem für die Da'wa entworfenen Plan. Er kann Methoden der Da'wa und Propaganda bei einigen Staaten anwenden, während er bei anderen die Methode der Enthüllung von Plänen und des Kalten Krieges anwendet. So legt der Staat Pläne fest und führt Methoden aus, wie es die Art der Arbeit erfordert und das Interesse der Da'wa gebietet... All dies geschieht jedoch nur, um den Islam mittels seiner Verbreitungsmethode, dem Dschihad auf dem Wege Allahs, zu verbreiten.“ (Ende des Zitats).
Die Wahl einer vitalen Sphäre für den Staat liegt nicht fern von dem, was hier aus dem Buch Der Islamische Staat zitiert wurde.
Mögest du in Frieden sein.
Euer Bruder Ata bin Khalil Abu al-Rashtah
- Dhu al-Hidscha 1440 n. H. 26.08.2019 n. Chr.
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