Antwortserie des ehrwürdigen Gelehrten Ata Bin Khalil Abu al-Rashtah, Emir von Hizb ut-Tahrir, auf die Fragen der Besucher seiner Facebook-Seite „Fikri“
Antwort auf eine Frage
Al-Qada wal-Qadar
An Muhammad Tahir Hamidi
Frage:
Bismillah ar-Rahman ar-Rahim.
Aus Afghanistan an unseren geschätzten Emir!
As-Salamu Alaikum Wa Rahmatullahi Wa Barakatuh.
Ich bitte Allah (swt), dass du bei bester Gesundheit und Sicherheit bist, und wir bitten Ihn (swt), uns bald den Sieg und die Festigung (Tamkin) zu gewähren. Unser geschätzter Emir! Ich las in diesen Tagen das Buch Ash-Shakhsiyyah al-Islamiyyah (Die islamische Persönlichkeit) und stieß in der Frage des Qadar auf eine Ansicht, die sich von der unterscheidet, die ich im Buch Nidham al-Islam (Die Ordnung des Islam) fand. Ich zitiere diese beiden Sätze aus beiden Büchern, damit du uns den Grund für den Unterschied erklärst, falls es sich – nach meinem Verständnis – um einen Unterschied handelt.
Sheikh Taqiuddin an-Nabhani – möge Allah ihm gnädig sein – sagte im Buch Nidham al-Islam auf Seite 19 der sechsten Auflage, nachdem er die Eigenschaften des Menschen behandelte: „Diese bestimmten Eigenschaften, die Allah (swt) in den Dingen, den Instinkten (al-ghara’iz) und den organischen Bedürfnissen des Menschen erschaffen hat, werden als Qadar bezeichnet. Denn Allah allein ist es, der die Dinge, die Instinkte und die organischen Bedürfnisse erschaffen und in ihnen ihre Eigenschaften festgelegt (qaddara) hat. Sie stammen nicht von ihnen selbst, und der Mensch hat darin absolut keine Entscheidungsgewalt oder Wirkung.“
Dann definierte er den Qadar im Buch Ash-Shakhsiyyah al-Islamiyyah, Teil 1, Seite 31 der sechsten Auflage, wie folgt: „Und der Qadar ist die Eigenschaft, die der Mensch in der Sache hervorruft (yuhdithu), wie das Brennen im Feuer und das Schneiden im Messer.“
Besteht hier nicht ein Unterschied in diesen beiden Sätzen bezüglich dessen, wer die Eigenschaften erschaffen und hervorgebracht hat? Was ist mit dem gemeint, was im Buch Ash-Shakhsiyyah al-Islamiyyah steht? Ist mit dem Verb „hervorrufen“ (yuhdithu) etwas anderes gemeint als Erschaffen und Hervorbringen? Wenn du Licht in das bringen würdest, was uns widersprüchlich erscheint, würde dies die Unruhe in unseren Herzen beseitigen.
Möge Allah dich reichlich für uns belohnen und dich vor allem Übel bewahren.
Antwort:
Wa Alaikum as-Salam wa Rahmatullahi wa Barakatuh.
Erstens: Im Buch Nidham al-Islam – Kapitel „Al-Qada wal-Qadar“, S. 18-19, heißt es:
[Was den Qadar betrifft, so geschehen die Handlungen – ob sie nun in der Sphäre stattfinden, die den Menschen beherrscht, oder in der Sphäre, die der Mensch beherrscht – durch Dinge und an Dingen aus der Materie des Universums, des Menschen und des Lebens. Allah hat für diese Dinge bestimmte Eigenschaften erschaffen. So erschuf Er im Feuer die Eigenschaft des Brennens, im Holz die Eigenschaft der Brennbarkeit und im Messer die Eigenschaft des Schneidens und machte diese entsprechend der Ordnung der Existenz untrennbar mit ihnen verbunden, ohne dass sie davon abweichen. Wenn es den Anschein hat, dass sie davon abgewichen sind, dann hat Allah ihnen diese Eigenschaft entzogen, was ein übernatürliches Ereignis (amran khariqan lil-'adah) darstellt. Dies geschieht bei Propheten und stellt für sie ein Wunder (mu'jizah) dar. So wie Er in den Dingen Eigenschaften erschaffen hat, so hat Er im Menschen die Instinkte und organischen Bedürfnisse erschaffen und in ihnen bestimmte Eigenschaften festgelegt, analog zu den Eigenschaften der Dinge. Er erschuf im Fortpflanzungsinstinkt die Eigenschaft des geschlechtlichen Verlangens und in den organischen Bedürfnissen Eigenschaften wie Hunger, Durst und Ähnliches und machte sie entsprechend dem Naturgesetz der Existenz untrennbar mit ihnen verbunden. Diese bestimmten Eigenschaften, die Allah (swt) in den Dingen sowie in den Instinkten und organischen Bedürfnissen des Menschen erschaffen hat, werden als Qadar bezeichnet. Denn Allah allein ist es, der die Dinge, die Instinkte und die organischen Bedürfnisse erschaffen und in ihnen ihre Eigenschaften festgelegt (qaddara) hat. Sie stammen nicht von ihnen selbst, und der Diener (al-abd) hat darin absolut keine Entscheidungsgewalt oder Wirkung. Der Mensch muss daran glauben, dass derjenige, der in diesen Dingen die Eigenschaften festgelegt hat, Allah (swt) ist. Diese Eigenschaften bergen in sich die Fähigkeit, dass der Mensch durch sie eine Handlung im Einklang mit den Befehlen Allahs vollzieht, dann ist sie gut (khayr), oder den Befehlen Allahs zuwiderhandelt, dann ist sie schlecht (sharr) – sei es beim Gebrauch der Dinge gemäß ihrer Eigenschaften oder in seiner Reaktion auf die Instinkte und organischen Bedürfnisse; gut, wenn es gemäß den Geboten und Verboten Allahs geschieht, und schlecht, wenn es Seinen Geboten und Verboten widerspricht.
Daher stammen die Handlungen, die in der Sphäre geschehen, die den Menschen beherrscht, von Allah, seien sie gut oder schlecht. Auch die Eigenschaften, die in den Dingen, Instinkten und organischen Bedürfnissen existieren, stammen von Allah, ob sie nun Gutes oder Schlechtes hervorbringen. Daher ist es für den Muslim zwingend, an den Qada, dessen Gutes und Schlechtes, von Allah (ta'ala) zu glauben, das heißt, davon überzeugt zu sein, dass die Handlungen außerhalb seines Einflussbereichs von Allah (ta'ala) sind. Ebenso muss er an den Qadar, dessen Gutes und Schlechtes, von Allah (ta'ala) glauben, das heißt, davon überzeugt sein, dass die Eigenschaften der Dinge, die in ihrer Natur vorhanden sind, von Allah (ta'ala) stammen, ungeachtet dessen, ob sie Gutes oder Schlechtes hervorbringen. Der Mensch als Geschöpf hat darin keinerlei Wirkung. Die Lebensfrist des Menschen, sein Lebensunterhalt (rizq) und sein Wesen stammen alle von Allah, ebenso wie das geschlechtliche Verlangen und der Besitztrieb, die im Fortpflanzungs- und im Selbsterhaltungstrieb vorhanden sind, sowie Hunger und Durst, die in den organischen Bedürfnissen vorhanden sind; all dies stammt von Allah (ta'ala)...]
Das bedeutet, dass der Qadar im Fachbegriff „al-Qada wal-Qadar“ die Eigenschaften der Dinge sind, die Allah in ihnen erschaffen hat...
Zweitens: Im Buch Ash-Shakhsiyyah al-Islamiyyah, Band 1 – Kapitel „Die islamische Aqidah“, S. 32-33, heißt es:
[...Was den al-Qada wal-Qadar betrifft, so ist sein Beweis verstandesmäßig (aqli), denn der Qada bezieht sich auf zwei Dinge: Erstens auf das, was die Ordnung der Existenz erfordert, und hierfür ist der Beweis verstandesmäßig, da es sich auf den Schöpfer bezieht. Das zweite ist die Handlung des Menschen, die von ihm ausgeht oder ihm widerfährt, ohne dass er darauf Einfluss hat. Dies ist etwas Sinnliches, das durch die Wahrnehmung erfasst wird, daher ist sein Beweis verstandesmäßig. Der Qadar ist die Eigenschaft, die der Mensch in der Sache hervorruft (yuhdithu), wie das Brennen im Feuer und das Schneiden im Messer. Diese Eigenschaft ist etwas Sinnliches, das die Wahrnehmung erfasst, daher ist der Beweis für den Qadar verstandesmäßig...]
Das bedeutet, dass der Qadar im Fachbegriff „al-Qada wal-Qadar“ die Eigenschaften der Dinge sind, die der Mensch in ihnen hervorruft...
Drittens: Ebenso heißt es im selben Buch Ash-Shakhsiyyah, Band 1 – Kapitel „Al-Qada wal-Qadar“, S. 94-99:
[Die Bedeutung von al-Qada wal-Qadar oder, mit anderen Worten, die Frage des al-Qada wal-Qadar, umfasst die Handlungen der Diener und die Eigenschaften der Dinge. Die zur Debatte stehende Frage betrifft die Handlungen des Dieners und das, was aus diesen Handlungen resultiert, d. h. die Eigenschaften, die der Diener in den Dingen hervorruft: Sind diese von Allah erschaffen, Er ist es, der sie erschaffen und hervorgebracht hat? Oder stammen sie vom Diener? Das heißt, ist es der Diener, der sie erschaffen und hervorgebracht hat?...
Was den Qadar betrifft, so geschieht er dadurch, dass Handlungen – ob in der Sphäre, die den Menschen beherrscht, oder in der, die er beherrscht – durch Dinge und an Dingen aus der Materie des Universums, des Menschen und des Lebens stattfinden. Diese Handlung bewirkt einen Effekt, das heißt, aus dieser Handlung resultiert die Existenz einer bestimmten Sache.
Ist nun das, was der Mensch in den Dingen an Eigenschaften hervorruft, von ihm in sie hineingeschaffen worden oder hat Allah (swt) sie in diesen Dingen erschaffen, so wie Er die Dinge selbst erschaffen hat?
Bei genauer Betrachtung findet man, dass diese Vorgänge, die in den Dingen geschehen, zu den Eigenschaften der Dinge gehören und nicht zur Handlung des Menschen. Der Beweis dafür ist, dass der Mensch sie nur in jenen Dingen hervorrufen kann, die diese als Eigenschaft besitzen. In Dingen jedoch, in denen diese Eigenschaft nicht vorhanden ist, kann der Mensch das Gewünschte nicht hervorrufen. Daher gehören diese Angelegenheiten nicht zu den Handlungen des Menschen, sondern zu den Eigenschaften der Dinge. Allah (ta'ala) hat die Dinge erschaffen und in ihnen ihre Eigenschaften in einer Weise festgelegt (qaddara), dass daraus nichts anderes hervorgehen kann als das, was Er in ihnen festgelegt hat...
So wie Er in den Dingen Eigenschaften erschaffen hat, so hat Er im Menschen die Instinkte und organischen Bedürfnisse erschaffen und in ihnen bestimmte Eigenschaften festgelegt, wie die Eigenschaften der Dinge. So erschuf Er im Fortpflanzungsinstinkt beispielsweise die Eigenschaft des geschlechtlichen Verlangens, im Selbsterhaltungstrieb die Eigenschaft des Besitzens und in den organischen Bedürfnissen die Eigenschaft des Hungers. Er machte diese Eigenschaften entsprechend dem Gesetz der Existenz untrennbar mit ihnen verbunden. Diese bestimmten Eigenschaften, die Allah (swt) in den Dingen sowie in den Instinkten und organischen Bedürfnissen des Menschen erschaffen hat, werden als Qadar bezeichnet. Denn Allah allein ist es, der die Dinge, die Instinkte und die organischen Bedürfnisse erschaffen und in ihnen ihre Eigenschaften festgelegt (qaddara) hat...
Das heißt, Er hat sie erschaffen und in ihnen bestimmte Eigenschaften erschaffen, sie stammen also von Allah (ta'ala). Sie stammen nicht vom Diener, und er hat darin keinerlei Entscheidungsgewalt oder Wirkung. Dies ist der Qadar. In diesem Fall wird gesagt, dass der Qadar in der Untersuchung von „al-Qada wal-Qadar“ jene Eigenschaften der Dinge sind, die der Mensch in ihnen hervorruft, und der Mensch muss daran glauben, dass derjenige, der in diesen Dingen ihre Eigenschaften festgelegt hat, Allah (swt) ist...]
Wie du siehst, wird in dem Buch selbst erwähnt, dass der Qadar in der Untersuchung von „al-Qada wal-Qadar“ (die Eigenschaften der Dinge sind, die der Mensch in ihnen hervorruft...). Dann erklärte es den Unterschied zwischen dem Hervorrufen durch den Menschen und dem Erschaffen durch Allah, indem es hieß: (Die Eigenschaften, die der Diener in den Dingen hervorruft: Sind diese von Allah erschaffen, Er ist es, der sie erschaffen und hervorgebracht hat? Oder stammen sie vom Diener? Das heißt, ist es der Diener, der sie erschaffen und hervorgebracht hat?) Dann wurde es weiter verdeutlicht: (Das heißt, Er hat sie erschaffen und in ihnen bestimmte Eigenschaften erschaffen, sie stammen also von Allah (ta'ala). Sie stammen nicht vom Diener, und er hat darin keinerlei Entscheidungsgewalt oder Wirkung. Dies ist der Qadar. In diesem Fall wird gesagt, dass der Qadar in der Untersuchung von „al-Qada wal-Qadar“ jene Eigenschaften der Dinge sind, die der Mensch in ihnen hervorruft, und der Mensch muss daran glauben, dass derjenige, der in diesen Dingen ihre Eigenschaften festgelegt hat, Allah (swt) ist...)
Der Mensch offenbart durch sein Handeln beim Experimentieren mit den Dingen jene Merkmale und Eigenschaften, die Allah in ihnen erschaffen hat. Das heißt, er entdeckt sie, sofern diese Eigenschaften von Allah in dieser Sache erschaffen wurden. Wenn diese Eigenschaft jedoch nicht in dieser Sache erschaffen wurde, kann der Mensch sie weder hervorrufen noch offenbaren noch entdecken. Was wir oben aus dem Buch zitiert haben, zeigt dies deutlich: Die Bedeutung von „der Mensch ruft sie hervor“ ist, dass er sie entdeckt oder zum Vorschein bringt, falls sie in der Sache erschaffen wurden.
Ich hoffe, dass dies ausreichend ist. Und Allah ist Wissender und Weiser.
Euer Bruder Ata Bin Khalil Abu al-Rashtah
- Muharram al-Haram 1444 n. H. entspricht dem 22.08.2022 n. Chr.
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