(Serie der Antworten des ehrwürdigen Gelehrten Ata bin Khalil Abu al-Rashta, Emir von Hizb ut-Tahrir, auf die Fragen der Besucher seiner Facebook-Seite „Fiqhi“)
Antwort auf eine Frage
Das Eintreten von „la“ (لا) vor das Verb „zala“
An Tamer al-Hajj Muhammad
Frage:
Assalamu Alaikum wa Rahmatullahi wa Barakatuh. Eine Anmerkung an den Admin der Seite: Sie haben den Ausdruck „la zala“ verwendet. Dieser wird nicht mit dem Mudari (Präsens) verwendet; im Madi (Vergangenheit) hingegen wird die Bedeutung zu einem „Bittgebet gegen das Aufhören“ (Du’a), was ein häufiger Fehler ist... Richtig ist „ma zala“ in der Vergangenheit und „la yazalu“ im Präsens... Ich hoffe, Sie akzeptieren meine Kritik... Mögen Ihre Bemühungen gesegnet sein, möge Allah Sie schützen, unseren führenden Scheich bewahren, ihn stärken und ihm zum Sieg verhelfen.
Antwort:
Wa Alaikum Assalam wa Rahmatullahi wa Barakatuh,
ich habe deine Anmerkung zum Eintreten von „la“ vor das Verb „zala“ gelesen, in der du sagst, dass das verneinende „la“ nur dann vor ein Verb in der Vergangenheitsform tritt, wenn es sich um ein Bittgebet handelt. Zunächst einmal ist es erfreulich, dass sich ein junger Mann für die Sprache interessiert, doch ist es ratsam, ein Thema in all seinen Aspekten zu erfassen. Als Antwort auf deine Anmerkung sage ich:
Das Verb „zala“ und seine Präsensform „yazalu“ unterscheiden sich von anderen Verben der Vergangenheit. Das Eintreten des verneinenden „la“ vor das Vergangenheitsverb „zala“ führt zur selben Bedeutung wie das Eintreten vor die Präsensform „yazalu“. Das bedeutet, es wird nicht so behandelt, als träte es vor ein reines Vergangenheitsverb, sondern als träte es vor ein Verb in der Gegenwartsform. Wenn du sagst: „la zala fulanun dschalisan“ (Person X sitzt noch immer), dann wird die Vergangenheitsbedeutung in die Gegenwart übertragen, als würdest du sagen: „la yazalu fulanun dschalisan“. Diese Besonderheit des Verbs „zala“ in Verbindung mit dem verneinenden „la“ existiert bei kaum einem anderen Vergangenheitsverb – und ich betone hier die Form „zala-yazalu“. Dementsprechend tritt das verneinende „la“ ganz regulär vor „zala“, sowohl für ein Bittgebet als auch für andere Zwecke:
a) Was das Bittgebet (Du'a) betrifft, so sagt man beispielsweise zu seinem Gefährten: „la zalta bi-khayr“ (Mögest du weiterhin wohlauf sein).
b) Was andere Zwecke außer dem Bittgebet betrifft, so findet sich dies in einem Hadith: Abu Bakr al-Faryabi (gest. 301 n. H.) überlieferte in seinem Buch „Al-Qadar“ einen Hadith von Nafi' über Ibn Umar, der sagte: Umm Salama sagte: „O Gesandter Allahs,
لَا زَالَ يُصِيبُكَ فِي كُلِّ عَامٍ وَجَعٌ مِنْ تِلْكِ الشَّاةِ الْمَسْمُومَةِ الَّتِي أَكَلْتَ
Der Gesandte Allahs ﷺ sagte daraufhin:
مَا أَصَابَنِي شَيْءٌ مِنْهَا إِلَّا وَهُوَ مَكْتُوبٌ عَلَيَّ وَآدَمُ فِي طِينَتِهِ
„Nichts davon hat mich getroffen, außer dass es mir bereits vorgeschrieben war, während Adam noch in seinem Lehm war.“ Hier ist offensichtlich, dass „la zala“ nicht als Bittgebet gemeint ist.
Erwähnenswert ist zudem, dass das Prädikat (Chabar) von „la zala“ dem Subjekt (Ism) je nach Kontext folgt, unabhängig davon, ob diese Beständigkeit von langer oder kurzer Dauer ist. Ahmad al-Hazmi sagt in seinem Werk Scharh Alfiyyat Ibn Malik (Ibn Malik gest. 672 n. H.): „Die Bedeutung von zala und seinen Schwestern deutet auf die Beständigkeit einer Eigenschaft beim Beschriebenen hin, seit dieser dafür empfänglich ist. Die Sprachgelehrten sind sich einig, dass diese vier Verben (zala, baraha, fati’a, infakka) dieselbe Bedeutung haben: Sie drücken die Beständigkeit der Eigenschaft (Prädikat) beim Beschriebenen (Subjekt) aus. Doch jede Beständigkeit richtet sich nach dem jeweiligen Satz: ‚La zala Zaidun 'aliman‘ (Zaid ist noch immer wissend) – hier ist der Ursprung, dass er mit Wissen beschrieben wird, solange er lebt. ‚La zala Zaidun qa'iman‘ (Zaid steht noch immer) – dies kann sich von Zeit zu Zeit ändern... ‚La zala Zaidun sa'iman‘ (Zaid fastet noch immer) – dies gilt für die Zeit des Fastens; wenn jedoch der Abend eintritt, endet diese Zeit...“ (Zitat Ende).
Wie du siehst, verwenden die Sprachgelehrten „la zala“ ganz regulär sowohl für Bittgebeten als auch für andere Aussagen.
Andere Verben der Vergangenheit:
a) Bei diesen ist das Bittgebet die vorherrschende Bedeutung, wenn „la“ vor sie tritt. So betet man gegen einen Feind mit den Worten: „la nasarahullahu“ (Möge Allah ihm keinen Sieg verleihen).
b) Die Verwendung zur reinen Verneinung mit „la“ ist hier selten, da die Vergangenheit bereits stattgefunden hat und eine Verneinung dessen (in dieser Form) wenig Sinn ergibt. Hierin unterscheidet es sich von „zala“, da das Eintreten von „la“ vor „zala“ dieses in die Bedeutung des Präsens überträgt (im Sinne von lam yazal). Andere Vergangenheitsverben bleiben jedoch in der Vergangenheitsbedeutung, weshalb ihre Verneinung mit „la“ selten ist. Sie tritt jedoch in bestimmten Fällen zur Verneinung auf, darunter:
- Wenn sie wiederholt wird, wie in:
فَلَا صَدَّقَ وَلَا صَلَّى
(Sure Al-Qiyamah [75]:31)
- Wenn ein „fa“ vorangestellt ist und das Wort nicht wörtlich wiederholt wird, schwankt die Bedeutung zwischen Verneinung und Anstachelung (Tahdid), wobei man nach Indizien für die Gewichtung sucht, wie in:
فَلَا اقْتَحَمَ الْعَقَبَةَ
(Sure Al-Balad [90]:11) Dies kann wie folgt verstanden werden:
Zur Verneinung, wie es in Ma’ani al-Qur’an von al-Akhfash (gest. 215 n. H.) heißt: „Und Er, gepriesen sei Er, sagt ﴿فَلَا اقْتَحَمَ الْعَقَبَةَ﴾, was bedeutet: Er hat sie nicht bezwungen (falam yaqtahim).“ Ebenso heißt es im Tafsir al-Kaschaf von al-Zamakhshari (gest. 538 n. H.), wo er es als Verneinung wertet, die in der Bedeutung wiederholt wird: „... Wenn du fragst: Warum wurde das ‚la‘, das vor die Vergangenheit tritt, hier nicht wiederholt, obwohl dies fast immer der Fall ist? Ich sage: Es ist in der Bedeutung wiederholt, denn der Sinn von ﴿فَلَا اقْتَحَمَ الْعَقَبَةَ﴾ ist: Er hat weder einen Sklaven befreit, noch einen Armen gespeist. Siehst du nicht, dass Er das Bezwingen des Hindernisses genau so erklärt hat?...“ Ebenso wird es in Mughni al-Labib von Abdullah bin Yusuf „Ibn Hischam“ (gest. 761 n. H.) angeführt.
Zur Anstachelung (Tahdid):
- In dem Buch Ma’ani al-Qur’an von al-Kisa’i (gest. 189 n. H.), S. 248 zur Sure al-Qiyamah, heißt es:
„... und Sein Wort ﴿فَلَا اقْتَحَمَ الْعَقَبَةَ﴾... bedeutet: Warum hat er nicht das Hindernis bezwungen? (afala-qtahama), wobei das Frage-Alif weggelassen wurde.“ (Zitat Ende).
- Im Tafsir von Abu Muhammad Sahl al-Tustari (gest. 283 n. H.) heißt es: „Sein Wort: ﴿فَلَا اقْتَحَمَ الْعَقَبَةَ﴾ bedeutet: Warum hat er nicht den Sirat und das Hindernis davor überquert...“ Die gleiche Bedeutung findet sich auch in den Tafsir-Werken von al-Tabari und Ibn Kathir. Al-Qurtubi führt in seinem Tafsir beide Bedeutungen an („er hat nicht“ und „warum hat er nicht“).
Zusammenfassung:
- „la“ tritt ganz regulär vor „zala-yazalu“, sowohl für Bittgebeten als auch für andere Aussagen.
- Vor andere Verben der Vergangenheit tritt „la“ selten zur Verneinung, da die Vergangenheit bereits abgeschlossen ist.
- Es tritt jedoch in spezifischen Fällen vor andere Vergangenheitsverben, unter anderem: wenn es wiederholt wird oder wenn ein „fa“ vorangestellt ist.
- Somit ist die Aussage des Admins „Der Konflikt ist in der Türkei la zala bestehend (la zala qa'iman)“ korrekt.
Dies ist mein Wissen zu dieser Angelegenheit, und über jedem Wissenden steht einer, der noch mehr weiß.
Ihr Bruder Ata bin Khalil Abu al-Rashta
- Dhu l-Hidschdscha 1437 n. H. 21.09.2016 n. Chr.
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