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Fragen & Antworten

Antwort auf eine Frage: Nimmt der Iman zu und ab?

July 02, 2013
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Antwortenserie des Gelehrten Ata Bin Khalil Abu Al-Rashtah, Emir von Hizb ut-Tahrir, auf die Fragen der Besucher seiner Facebook-Seite

An Al-Wathiq Bi-Nasrillah

Frage:

Assalamu Alaikum wa Rahmatullahi wa Barakatuh... Ich bitte Sie um die Beantwortung meiner Frage: „Nimmt der Iman zu und ab?“ Ich möchte eine weitere, damit verbundene Frage hinzufügen: „Unterscheidet sich der Iman von einem Gläubigen zum anderen?“

Antwort:

Wa Alaikum Salaam wa Rahmatullahi wa Barakatuh.

  1. Der Iman ist die feste Überzeugung (at-tasdiq al-jazim), die mit der Realität übereinstimmt und auf einem Beweis beruht. Die „feste Überzeugung“ bedeutet eine definitive Gewissheit, die keinerlei Zweifel oder Unsicherheit zulässt. Dies ist auch die sprachliche Bedeutung von Iman, nämlich die feste Bestätigung. „Mit der Realität übereinstimmend“ bedeutet, dass die wahrnehmbaren Tatsachen sie bestätigen und ihr nicht widersprechen. Damit diese Überzeugung fest und realitätskonform ist, muss sie auf einem absolut sicheren Beweis (dalil qat'i) basieren. Dieser Beweis kann entweder:

    • Rational (aqli) sein, d. h. das Ergebnis einer rationalen Untersuchung wahrnehmbarer Tatsachen, wie die Untersuchung der Schöpfung, um auf Allah, den Schöpfer, zu schließen. Oder die Untersuchung des herabgesandten Wortes Allahs – des Edlen Korans –, um zu beweisen, dass er das Wort Allahs und kein Menschenwort ist, woraus folgt, dass Muhammad ﷺ, der das Wort Allahs brachte, ein Gesandter von Allah ist.
    • Oder überliefert (naqli) sein, d. h. durch eine absolut sichere Überlieferung von Allah in Seinem Edlen Buch oder von Seinem Gesandten ﷺ in einem mutawatir-Hadith. Dies betrifft den Glauben an das Verborgene (al-ghaib), die Engel, die früher herabgesandten Bücher, die früheren Propheten, den Jüngsten Tag und die Vorherbestimmung (al-qadar), sowohl das Gute als auch das Schlechte daran. Allah, der Erhabene, sagt:

    يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا آمِنُوا بِاللَّهِ وَرَسُولِهِ وَالْكِتَابِ الَّذِي نَزَّلَ عَلَى رَسُولِهِ وَالْكِتَابِ الَّذِي أَنْزَلَ مِنْ قَبْلُ وَمَنْ يَكْفُرْ بِاللَّهِ وَمَلَائِكَتِهِ وَكُتُبِهِ وَرُسُلِهِ وَالْيَوْمِ الْآخِرِ فَقَدْ ضَلَّ ضَلَالًا بَعِيدًا

    „O ihr, die ihr glaubt, glaubt an Allah und Seinen Gesandten und an das Buch, das Er auf Seinen Gesandten herabgesandt hat, und an die Schrift, die Er zuvor herabsandte. Wer an Allah, Seine Engel, Seine Schriften, Seine Gesandten und den Jüngsten Tag nicht glaubt, der ist weit abgeirrt.“ (Sure An-Nisa [4]: 136)

    Und der Gesandte ﷺ sagte in dem von Muslim überlieferten Hadith von Abdullah bin Omar, der berichtete, dass sein Vater Omar bin al-Khattab sagte: „Eines Tages, als wir beim Gesandten Allahs ﷺ saßen, erschien vor uns ein Mann mit sehr weißen Kleidern und sehr schwarzen Haaren... Er sagte: ‚O Muhammad... erzähle mir vom Iman.‘ Er antwortete:

    «أَنْ تُؤْمِنَ بِاللهِ، وَمَلَائِكَتِهِ، وَكُتُبِهِ، وَرُسُلِهِ، وَالْيَوْمِ الْآخِرِ، وَتُؤْمِنَ بِالْقَدَرِ خَيْرِهِ وَشَرِّهِ»

    ‚Dass du an Allah glaubst, an Seine Engel, Seine Bücher, Seine Gesandten, an den Jüngsten Tag und an die Vorherbestimmung (al-Qadar), sowohl an das Gute als auch an das Schlechte daran.‘ ... Später sagte er zu mir: ‚O Omar, weißt du, wer der Fragende war?‘ Ich sagte: ‚Allah und Sein Gesandter wissen es am besten.‘ Er sagte: ‚Es war Gabriel (Jibril), er kam zu euch, um euch euren Deen zu lehren.‘“

  2. Dies ist der Iman, und in diesem Sinne steht er dem Unglauben (kufr) gegenüber. Wer kein Gläubiger ist, ist definitiv ein Kafir; es gibt keinen „halben Gläubigen“ oder „halben Ungläubigen“.

    Allah, der Erhabene, sagt über die Gegenüberstellung von Iman und Kufr:

    إِنَّ اللَّهَ لَا يَسْتَحْيِي أَنْ يَضْرِبَ مَثَلًا مَا بَعُوضَةً فَمَا فَوْقَهَا فَأَمَّا الَّذِينَ آمَنُوا فَيَعْلَمُونَ أَنَّهُ الْحَقُّ مِنْ رَبِّهِمْ وَأَمَّا الَّذِينَ كَفَرُوا فَيَقُولُونَ مَاذَا أَرَادَ اللَّهُ بِهَذَا مَثَلًا

    „Allah schämt Sich nicht, ein Gleichnis mit einer Mücke oder mit etwas darüber zu prägen. Was nun diejenigen angeht, die glauben, so wissen sie, dass es die Wahrheit von ihrem Herrn ist. Was aber diejenigen angeht, die ungläubig sind, so sagen sie: ‚Was wollte Allah mit diesem als Gleichnis?‘“ (Sure Al-Baqara [2]: 26)

    Und Er sagt:

    إِنَّ الَّذِينَ اشْتَرَوُا الْكُفْرَ بِالْإِيمَانِ لَنْ يَضُرُّوا اللَّهَ شَيْئًا وَلَهُمْ عَذَابٌ أَلِيمٌ

    „Wahrlich, diejenigen, die den Unglauben für den Glauben erkauft haben, werden Allah in nichts schaden, und für sie wird es schmerzliche Strafe geben.“ (Sure Al-Imran [3]: 177)

    Und Er, der Erhabene, sagt:

    وَلَكِنِ اخْتَلَفُوا فَمِنْهُمْ مَنْ آمَنَ وَمِنْهُمْ مَنْ كَفَرَ

    „...doch sie wurden uneinig; so gab es unter ihnen manche, die glaubten, und andere, die ungläubig waren.“ (Sure Al-Baqara [2]: 253)

    Es gibt viele weitere Verse, die Iman und Kufr einander gegenüberstellen.

  3. Der Iman in dieser erwähnten Bedeutung (die feste Überzeugung, die mit der Realität übereinstimmt und auf einem Beweis beruht) nimmt weder zu noch ab. Er ist eine feste Überzeugung (tazdiq jazim), und Festigkeit kann nur vollständig sein. Es gibt keinen Glauben von 90 %, der dann auf 95 % oder 100 % ansteigt. Ebenso gibt es keinen Glauben von 100 %, der auf 95 % oder 90 % sinkt, denn diese Abnahme würde das Fehlen von Festigkeit bedeuten, also Zweifel und Unsicherheit. In diesem Fall wäre es kein Iman mehr, sondern Kufr.

  4. Um das Bild klarer zu machen, sagen wir:

    Die Begriffe „Zunahme“ und „Abnahme“ gehören im Arabischen zu den homonymen Begriffen (al-alfadh al-mushtaraka). Sie können eine quantitative Zunahme oder Abnahme bedeuten (in Umfang oder Größe), sie können aber auch Stärke und Schwäche bedeuten. Der Kontext (qarīna) bestimmt, welche Bedeutung gemeint ist. Wenn Zunahme und Abnahme in Verbindung mit dem Iman stehen, so ist die Bedeutung Stärke und Schwäche gemeint, da bei einer festen Überzeugung eine quantitative Zunahme oder Abnahme nicht möglich ist. In diesem Sinne sind die folgenden Verse zu verstehen:

    الَّذِينَ قَالَ لَهُمُ النَّاسُ إِنَّ النَّاسَ قَدْ جَمَعُوا لَكُمْ فَاخْشَوْهُمْ فَزَادَهُمْ إِيمَانًا وَقَالُوا حَسْبُنَا اللَّهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ

    „Diejenigen, zu denen die Leute sagten: ‚Die Menschen haben sich gegen euch versammelt, so fürchtet sie!‘, doch das mehrte sie in ihrem Glauben, und sie sagten: ‚Allah genügt uns, und Er ist der beste Sachwalter.‘“ (Sure Al-Imran [3]: 173)

    إِنَّمَا الْمُؤْمِنُونَ الَّذِينَ إِذَا ذُكِرَ اللَّهُ وَجِلَتْ قُلُوبُهُمْ وَإِذَا تُلِيَتْ عَلَيْهِمْ آيَاتُهُ زَادَتْهُمْ إِيمَانًا وَعَلَى رَبِّهِمْ يَتَوَكَّلُونَ

    „Die Gläubigen sind doch die, deren Herzen beben, wenn Allah genannt wird, und die, wenn ihnen Seine Zeichen verlesen werden, sie in ihrem Glauben stärken, und die auf ihren Herrn vertrauen.“ (Sure Al-Anfal [8]: 2)

    وَلَمَّا رَأَى الْمُؤْمِنُونَ الْأَحْزَابَ قَالُوا هَذَا مَا وَعَدَنَا اللَّهُ وَرَسُولُهُ وَصَدَقَ اللَّهُ وَرَسُولُهُ وَمَا زَادَهُمْ إِلَّا إِيمَانًا وَتَسْلِيمًا

    „Als die Gläubigen die Verbündeten sahen, sagten sie: ‚Das ist es, was Allah und Sein Gesandter uns versprochen haben; und Allah und Sein Gesandter haben die Wahrheit gesprochen.‘ Und es mehrte sie nur in Glauben und Ergebenheit.“ (Sure Al-Ahzab [33]: 22)

    Das bedeutet, dass der Glaube der Gläubigen aufgrund dieser Dinge, die Allah in den vorangegangenen Versen dargelegt hat, stärker und intensiver wurde. Das heißt, der Iman nimmt zu und ab durch Gehorsam, die Einhaltung der Scharia-Urteile, Gottesfurcht und den Dschihad auf Seinem Weg. All dies ist so, weil der Iman im Sinne der festen Überzeugung (at-tasdiq al-jazim) keine quantitative Zunahme oder Abnahme zulässt, da er sonst nicht mehr fest wäre, sondern in Zweifel umschlagen und somit zu Kufr würde.

    Es ist erwähnenswert, dass der Begriff „Iman“, wenn er ohne einschränkende Kontexte verwendet wird, die oben genannte Bedeutung hat. Wird er in einer anderen Bedeutung verwendet, wird dies durch den Kontext verdeutlicht. Zum Beispiel:

    وَمَا كَانَ اللَّهُ لِيُضِيعَ إِيمَانَكُمْ

    „Und Allah würde euren Glauben nicht verloren gehen lassen.“ (Sure Al-Baqara [2]: 143)

    Dies bedeutet hier „euer Gebet“. Als die Gebetsrichtung (qibla) geändert wurde, wurde dieser Vers offenbart:

    وَمَا جَعَلْنَا الْقِبْلَةَ الَّتِي كُنْتَ عَلَيْهَا إِلَّا لِنَعْلَمَ مَنْ يَتَّبِعُ الرَّسُولَ مِمَّنْ يَنْقَلِبُ عَلَى عَقِبَيْهِ وَإِنْ كَانَتْ لَكَبِيرَةً إِلَّا عَلَى الَّذِينَ هَدَى اللَّهُ وَمَا كَانَ اللَّهُ لِيُضِيعَ إِيمَانَكُمْ إِنَّ اللَّهَ بِالنَّاسِ لَرَءُوفٌ رَحِيمٌ

    „...Und Wir haben die Gebetsrichtung, die du zuvor hattest, nur deshalb festgelegt, um denjenigen, der dem Gesandten folgt, von demjenigen zu unterscheiden, der sich auf seinen Fersen umkehrt. Und wahrlich, es war schwer, außer für diejenigen, die Allah rechtgeleitet hat. Und Allah würde euren Glauben nicht verloren gehen lassen. Gewiss, Allah ist zu den Menschen gütig und barmherzig.“ (Sure Al-Baqara [2]: 143)

    Dies diente zur Beruhigung der Muslime, dass ihre früheren Gebete in Richtung der ersten Gebetsrichtung akzeptiert wurden und sie dafür belohnt werden. Ein weiteres Beispiel ist der Hadith des Gesandten Allahs ﷺ, den an-Nasa'i von Abu Huraira überlieferte: Der Gesandte Allahs ﷺ sagte:

    «الْإِيمَانُ بِضْعٌ وَسَبْعُونَ شُعْبَةً، أَفْضَلُهَا لَا إِلَهَ إِلَّا اللَّهُ، وَأَوْضَعُهَا إِمَاطَةُ الْأَذَى عَنِ الطَّرِيقِ»

    „Der Iman besteht aus siebzig und einigen Zweigen. Der beste davon ist die Aussage ‚Es gibt keinen Gott außer Allah‘ (la ilaha illa Allah), und der geringste davon ist das Entfernen eines Hindernisses vom Weg.“

    Es ist bekannt, dass das Nicht-Entfernen eines Hindernisses vom Weg jemanden nicht zum Kafir macht. Daher bedeutet Iman hier allgemein den Gehorsam gegenüber Allah.

    Wir bitten Ihn, den Erhabenen, dass unsere Herzen im Glauben gefestigt sind, dass wir in unseren Worten und Taten an den Bestimmungen des Islam festhalten und dass Allah uns mit denen versammelt, denen Er Seine Gnade erwiesen hat: den Propheten, den Wahrhaftigen, den Märtyrern und den Rechtschaffenen. Und wie gute Gefährten sind sie!

Euer Bruder Ata Bin Khalil Abu Al-Rashtah

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