Antwort auf eine Frage
Frage: Es sind auffällige Versuche einiger Länder zu beobachten, insbesondere Russlands, Chinas und der Europäischen Union, eine andere Währung anstelle des US-Dollars im internationalen Zahlungsverkehr zu etablieren. Es wurden sogar Abkommen geschlossen, um in den jeweiligen Landeswährungen zu handeln, wie etwa das Abkommen Russlands mit Indien vom 31.10.2018 über den Verkauf von S-400-Raketen in russischer Währung oder mit der Türkei vor einem Monat über die Verwendung der jeweiligen Landeswährungen für ein ähnliches Raketengeschäft. Ebenso bei Erdoğans Treffen während des Gipfels der türkischsprachigen Staaten... China kündigte zudem an, seine Ölimporte aus dem Iran in Petroyuan zu bezahlen, und die chinesische Zentralbank unterzeichnete ein bilaterales Währungstauschabkommen mit ihrem japanischen Pendant über 200 Milliarden Yuan (29 Milliarden Dollar) gegen 3,4 Billionen Yen (31 Milliarden Dollar). Hat nun der „Countdown“ zur Beendigung der Dominanz des Dollars über die Weltwirtschaft begonnen?
Antwort: Um die Antwort zu verdeutlichen, muss die Realität der Stellung des Dollars in der Weltwirtschaft dargelegt werden:
Erstens: Die Bedeutung des Dollars begann durch das Bretton-Woods-Abkommen im Jahr 1944 hervorzutreten. Die USA setzten dort den Dollar und ihre Vorherrschaft durch, da sie als Sieger aus dem Weltkrieg hervorgingen und unversehrt geblieben waren. So wurde ein Finanzsystem verabschiedet, in dem sich die zehn größten Industrienationen bereit erklärten, einen festen Wechselkurs für ihre Landeswährungen gegenüber dem US-Dollar festzulegen. Im Gegenzug stimmten die USA zu, den US-Dollar an den Goldstandard zu binden (35 Dollar pro Unze Gold). Somit wurde der Umtausch von Dollars, die von ausländischen Zentralbanken vorgelegt wurden, zu einem festen Goldpreis garantiert. Zu jener Zeit besaßen die USA schätzungsweise zwei Drittel der weltweiten Goldreserven, während der Rest der Welt das verbleibende Drittel hielt. Doch die anhaltende Schwäche der US-Zahlungsbilanz infolge der Auslandsausgaben führte zu einem Rückgang der US-Goldreserven; zwischen 1961 und 1970 sanken diese um fast fünf Milliarden Dollar. Um die Goldreserven der USA zu schützen, entschied Präsident Nixon im Jahr 1971, die Konvertierbarkeit des Dollars in Gold auszusetzen, was das Ende des Goldstandards bedeutete.
Danach begegnete die Nixon-Regierung dieser neuen finanziellen Realität durch eine Reihe von Abkommen mit Saudi-Arabien (1972 bis 1974). So entstand der sogenannte Petrodollar, der anderen Ländern einen weiteren überzeugenden Grund gab, den Dollar zu horten und zu verwenden, da Öl – gemäß der Abkommen mit Saudi-Arabien als weltgrößtem Ölproduzenten – in Dollar bepreist wurde. Zudem stimmte Saudi-Arabien zu, Milliarden von US-Petrodollars über US-Rüstungsunternehmen, Infrastrukturprojekte und den Kauf von US-Staatsanleihen zu reinvestieren. Bis 1977 befanden sich mindestens 20 % aller ausländischen Staatsanleihen in saudischer Hand. Wenn man zum Öl noch das Gold hinzunimmt, das ebenfalls in Dollar bepreist wird, wurde deutlich, dass die Staaten bestrebt waren, den Dollar zu besitzen. So lag der Anteil des Dollars an den weltweiten Devisenreserven in den Zentralbanken bis zum Jahr 2000 bei etwa 71 %, sank jedoch danach auf 62 %. Zudem sind 40 % der weltweiten Schulden in Dollar denominiert.
Zweitens: Heute dominiert der US-Dollar den weltweiten Zahlungsverkehr. Diese Situation schafft einen künstlich riesigen Markt für den US-Dollar, was ihn von jeder anderen lokalen Währung unterscheidet. Der Dollar fungiert als Vermittler in unzähligen Transaktionen im Wert von täglich mehr als 5,4 Billionen Dollar, die in keinem Zusammenhang mit US-Produkten oder -Dienstleistungen stehen. Auffällig ist, dass der Dollar 84,9 % der täglichen Devisentransaktionen ausmacht, obwohl der Eigenhandel der USA weniger als die Hälfte dieses Prozentsatzes beträgt. Dies liegt daran, dass Drittstaaten den Dollar für ihren Handel nutzen! Die wirtschaftliche Macht des Dollars hat dazu geführt, dass die USA in der Lage sind, Zielstaaten wirtschaftlich und finanziell zu sanktionieren und sogar andere Länder davon abzuhalten, mit dem sanktionierten Land Handel zu treiben. Die USA können diese drakonischen Maßnahmen über das SWIFT-System (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication) durchsetzen, ein System zur Abwicklung von Zahlungen in Dollar. Da der Dollar die weltweite Reservewährung ist, erleichtert das SWIFT-System das internationale Dollarsystem. Länder weltweit wickeln ihre Transaktionen darüber ab, was sicherstellt, dass alle bilateralen Geschäfte auf dem Dollar basieren. Russland und China können beispielsweise keine Waren und Dienstleistungen in ihren Landeswährungen austauschen, sofern die Transaktionen nicht in Dollar über das SWIFT-System abgewickelt werden. Die USA können das System nutzen, um harte Wirtschaftssanktionen zu verhängen. Basierend auf diesem System schlossen die USA zwischen 2014 und 2015 mehrere russische Banken von SWIFT aus, als sich die Beziehungen zwischen den beiden Ländern verschlechterten. Im November 2018 verhängten die USA erneut scharfe Sanktionen gegen den Iran unter Nutzung von SWIFT, woraufhin sich mehrere europäische Unternehmen aus Furcht vor den USA weigerten, ihre Verträge mit dem Iran zu erfüllen.
All dies geschieht, wie erwähnt, weil der Dollar die weltweite Reservewährung ist: (Der Anteil des Dollars an den Reserven von 146 Zentralbanken weltweit lag Ende letzten Jahres bei 64 % der gesamten Devisenreserven dieser Banken. Der Euro belegte mit 20 % den zweiten Platz, während der Anteil des japanischen Yen und des britischen Pfunds jeweils 5 % nicht überstieg. Vom chinesischen Yuan ganz zu schweigen, dessen Reserven in diesen Banken 108 Milliarden US-Dollar nicht überschritten, was einem Anteil von weniger als 1 % entspricht... 19.08.2018 www.alquds.co.uk).
Drittens: Angesichts dieser Realität haben bedeutende Länder der Welt zwei Wege eingeschlagen, um den Einfluss des Dollars zu begrenzen. Den ersten Weg ging Europa 1999 mit der Einführung des Euro, der 2002 offiziell in Umlauf kam, um mit dem Dollar zu konkurrieren. Dies geschah auf der Grundlage der Wirtschaftskraft der europäischen Länder und ihres Vertrauens in ihre Wettbewerbsfähigkeit. Andere Länder wie Russland und China begannen ihre Bemühungen zur Begrenzung der Dollar-Hegemonie erst später, da sie zum Zeitpunkt der Einführung des Euro noch nicht wettbewerbsfähig genug waren. Erst nach der Finanzkrise 2008 fürchteten sie um den Wert ihrer Dollarreserven und schlossen sich den europäischen Bemühungen an. Mit dem Aufstieg Chinas zu einer Weltwirtschaftsmacht haben diese internationalen Bestrebungen nun eine spürbare Wirkung auf die Dollar-Dominanz...
So war die Wirtschaftskrise 2008 ein Weckruf für die Staaten, über den Status des Dollars nachzudenken. Beschleunigt wurde dieser Prozess jedoch durch die Provokationen und Sanktionen Trumps. Die neue Politik der Trump-Administration unter dem Motto „America First“ hat den Trend anderer Großmächte verstärkt, die globale Dominanz des US-Dollars einzuschränken. Während alle US-Regierungen im Interesse Amerikas handelten, ignoriert die Trump-Regierung die Interessen anderer Staaten fast vollständig. Trump forderte von Europa rückwirkende Zahlungen für den militärischen Schutz der USA, löste Spannungen aus, die einen Handelskrieg mit China entfachten, und verlangte von Japan und Südkorea Zahlungen für den Schutz vor nordkoreanischen Raketen. Als Trump Sanktionen gegen den Iran verhängte, schloss er jeden ein, der Dollars für den Kauf von iranischem Öl verwendet. Da China heute der größte Ölimporteur der Welt ist, motivierte Trumps Handeln China dazu, Maßnahmen gegen die Verwendung des Dollars zu ergreifen, insbesondere da es sich in einem Handelskrieg mit den USA befindet. Daher startete die Shanghai Futures Exchange im März 2018 ihre ersten Terminkontrakte für ausländische Investoren. Dieser Öl-Terminkontrakt wurde in Yuan denominiert, um mit den in Dollar denominierten Brent- und WTI-Kontrakten zu konkurrieren, die derzeit als Benchmark dienen.
Die Finanzkrise in den USA 2008, ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft vieler Länder, Trumps protektionistische Maßnahmen, der Handelskrieg sowie seine Finanz- und Wirtschaftspolitik – all dies beschleunigte das Aufkommen von Tendenzen gegen die Dollar-Hegemonie.
Viertens: Diese Verhaltensweisen haben einige Länder provoziert, insbesondere die starken und unabhängigen, aber teilweise auch Länder, die sich im Orbit der USA befinden. Ein effektiver Einfluss geht jedoch vor allem von den unabhängigen Staaten aus, da die Bewegungen der Satellitenstaaten meist nur vorübergehend und zweckgebunden sind und wieder aufhören, da sie den USA nicht wirksam entgegentreten können, solange sie in deren Orbit verbleiben. Wir werden die Handlungen dieser Staaten betrachten:
1- Handlungen unabhängiger Staaten:
a- Russland: Im Jahr 2009 schlug der russische Präsident Medwedew beim G8-Gipfel in London eine neue „Weltwährung“ als alternative Reservewährung zum Dollar vor. China, Russland, Indien, die Türkei und andere ölproduzierende Länder stimmten kürzlich zu, ihren gegenseitigen Handel und ihre Investitionen in ihren eigenen Währungen abzuwickeln. Trotz alledem werden Gold und Rohöl weiterhin in Dollar bepreist. Russlands wiederholte Ankündigungen, den Dollar durch andere nationale Währungen zu ersetzen und Zahlungen für russisches Öl in Nicht-Dollar-Währungen entgegenzunehmen, sind eine Reaktion auf die US-Sanktionen nach der Annexion der Krim und dem Konflikt in der Ostukraine seit 2015. Es ist auch eine Folge der Ermittlungen zur russischen Einmischung in die US-Wahlen 2016.
Die USA haben ihre Sanktionen gegen Russland seit 2015 stetig verschärft. Der Kongress weitete diese schrittweise aus, unter anderem durch den „Countering America's Adversaries Through Sanctions Act“ (CAATSA) vom August 2017. Dies waren sehr harte Maßnahmen, die dazu führten, dass große russische Banken vom Dollar-System abgeschnitten wurden, was einen Verfall des Rubels um 18 % gegenüber dem Dollar zur Folge hatte. Dies geschah zu einem Zeitpunkt, als Russland den Dollar für 58 % seiner Schulden verwendete. Russland geriet in eine Sackgasse, die es dazu drängte, die Verwendung des Dollars zu reduzieren und sich finanziell und wirtschaftlich davon zu befreien. Putin erklärte in einer Rede vor der Duma: („Wir müssen unsere wirtschaftliche Souveränität stärken. Der Ölhandel an der Börse findet in Dollar statt, und wir denken natürlich darüber nach, wie wir diese Last loswerden können...“ Er fuhr fort: „Wir haben in den letzten Jahrzehnten naiv gehandelt und gehofft, dass die erklärten Prinzipien im Welthandel und in der Weltwirtschaft eingehalten würden. Jetzt sehen wir, dass die Regeln der Welthandelsorganisation vielfach verletzt werden und Beschränkungen aus politischen Erwägungen auferlegt werden, die sie Sanktionen nennen“... Donia Al-Watan 09.05.2018). Infolgedessen begann Russland, seine Bestände an US-Staatsanleihen schrittweise zu reduzieren. Diese erreichten 2008 mit 223 Milliarden Dollar ihren Höchststand und sanken bis Ende letzten Jahres auf etwa 100 Milliarden. Angesichts der US-Sanktionen stieß Russland im April und Mai 2018 den Großteil seiner verbliebenen Anleihen ab und hält nun nur noch etwa 14,5 Milliarden Dollar an diesen Anleihen.
Dennoch kann Russland den Rubel nicht als Ersatz für den Dollar etablieren, da das geringe Vertrauen in den Rubel es erschwert, gewichtige Staaten hinter sich zu scharen. Viele Länder wollen den Rubel nicht kaufen, da er auf den Devisenmärkten stark schwankt und die Welt dem russischen Rubel als Reservewährung nicht vertraut. Das Beste, was Russland tun kann, ist Druck auf einige Länder auszuüben, russische Energielieferungen in Rubel zu bezahlen. Doch die russische Währung kann den Dollar nicht ersetzen. Dmitri Peskow, Putins Sprecher, sagte in einem Interview mit der Financial Times: („Eine zunehmende Zahl von Ländern, nicht nur im Osten, sondern auch in Europa, beginnt darüber nachzudenken, wie die Abhängigkeit vom US-Dollar verringert werden kann.“ „Sie erkennen plötzlich, dass es a) möglich ist, b) getan werden muss und c) man sich retten kann, wenn man es frühzeitig tut.“ Die Abschaffung des Dollars ist in gewissem Maße möglich, aber es geht nicht darum, ob man die Dollarzone verlassen will, sondern was die Alternative ist: Der Euro? Der Yuan? Oder der Bitcoin?“ Kureitschenko, der ehemalige stellvertretende Vorsitzende der russischen Zentralbank, sagte: „Jede dieser Optionen hat ihre eigenen Kosten; wir müssen die Kosten des Verbleibs beim Dollar gegen die Kosten für die Schaffung einer neuen Position abwägen.“... Financial Times, 03.10.2018). All dies zeigt, dass die russischen Offiziellen selbst nicht sicher sind, ob der Rubel als Weltwährung anstelle des Dollars taugt!
b- China: China könnte seine Währung, den Yuan, zu einem starken globalen Konkurrenten machen, doch sein globaler politischer Horizont ist begrenzt. Dies wirkt sich auf seine wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit gegenüber den USA aus. Daher konnte es seine Währung im internationalen Handel und auf den Finanzmärkten trotz seiner enormen Wirtschaftsleistung nicht durchsetzen und blieb stattdessen vom Dollar abhängig. China sammelte riesige Mengen an Dollars an, die in den letzten Jahren zwischen 3 und 4 Billionen Dollar schwankten! Obwohl es versuchte, sich von den US-Finanzinstitutionen zu distanzieren, gründete es die BRICS-Gruppe mit Russland, Indien, Brasilien und später Südafrika. Das gesamte Wirtschaftsvolumen der BRICS-Staaten übersteigt 15 Billionen Dollar, was etwa 20 % der Weltwirtschaft (74 Billionen Dollar) entspricht. Zudem gründete es im Juli 2015 die New Development Bank in Shanghai mit einem Kapital von 50 Milliarden Dollar (später 100 Milliarden Dollar) als Alternative zur Weltbank. Dennoch gab es den Dollar nicht auf!
Als Präsident Trump Sanktionen gegen den Iran verhängte, betraf dies jeden, der Dollar für iranisches Öl nutzte. Da China nun der größte Ölimporteur der Welt ist, motivierte dies China, Maßnahmen gegen den Dollar zu ergreifen. Im März 2018 startete die Shanghai Futures Exchange ihre ersten Öl-Terminkontrakte in Yuan, was den Dollar erschüttern könnte.
Was jedoch ernsthafte chinesische Bemühungen zur Verdrängung des Dollars einschränkt, ist die tiefe Verflechtung mit der US-Wirtschaft. Das Handelsvolumen zwischen den USA und China ist mit 500 Milliarden Dollar jährlich extrem hoch. China hält derzeit US-Staatsanleihen im Wert von 1,17 Billionen Dollar (laut der chinesischen Finanzzeitung Saixin, 20.09.2018), nach 1,3 Billionen im Jahr 2013. China ist der größte Halter dieser Anleihen weltweit. Seine Dollarreserven betragen zwischen 3 und 4 Billionen Dollar. Zudem exportierte China 2016 Waren im Wert von 2,1 Billionen Dollar und importierte Waren im Wert von 1,6 Billionen Dollar, was es zum zweitgrößten Handelsriesen nach den USA macht.
Diese Handelsintensität in Dollar sowie die Staatsanleihen führen dazu, dass China bei der Erschütterung des Dollars zögert. China ist sich bewusst, dass es der weltweit größte Leidtragende einer Dollar-Erschütterung wäre. Dies treibt es dazu, die Rolle des Dollars nur langsam und mit großer Vorsicht zu beschneiden, um seine Reserven zu schützen. Selbst wenn der gesamte Handel mit Russland (120 Milliarden Dollar jährlich) auf lokale Währungen umgestellt würde, bliebe dies im Vergleich zum weltweiten Handel von über 20 Billionen Dollar gering. China ist daher weniger mutig als Russland und vorsichtiger in seinem Bestreben, die Dollar-Hegemonie zu beenden.
Es scheint jedoch, dass China den Schaden der Dollar-Abhängigkeit erkannt hat, sei es durch seine Reserven oder Staatsanleihen. Es wurde zum weltweit größten Goldkäufer; seine Goldreserven stiegen von 600 Tonnen im Jahr 2008 auf 1.842 Tonnen im Jahr 2018. Dies erklärt den deutlichen Rückgang seiner Dollarreserven, die 2014 mit fast 4 Billionen Dollar ihren Höchststand erreichten (Trading Economics). Allein 2015 kaufte China über 700 Tonnen Gold. Bei den US-Staatsanleihen begann China nach der Krise 2008 mit Verkäufen, kehrte jedoch nach US-Drohungen (etwa bezüglich der Sicherheit chinesischen Spielzeugs) zu weiteren Käufen zurück, bis diese 2013 ihren Höhepunkt erreichten. Unter den Handelsdrohungen der Trump-Regierung begann China erneut, diese Bestände vorsichtig und ohne Konfrontation abzubauen. Zudem suchte es Wege, die Rolle des Dollars im Handel zu verringern, schloss Abkommen mit Russland und Japan und gründete die Shanghai International Energy Exchange für Ölhandel in goldgedecktem Yuan. Diese Börse sicherte sich in den ersten sechs Monaten bereits 10 % des weltweiten Ölhandels. Zudem wurde der Yuan in den Korb der Sonderziehungsrechte (SDR) des IWF aufgenommen (ab dem 01.10.2016 neben Dollar, Euro, Yen und Pfund; www.imf.org, 30.09.2016).
Trotz all dieser Maßnahmen machen die riesigen Bestände an Dollars und Anleihen Chinas Arbeit gegen den Dollar weniger effektiv. Daher macht der Yuan nur 1,7 % der internationalen Zahlungen aus, verglichen mit 40 % für den US-Dollar.
c- Die Europäische Union:
1999 wurde der Euro eingeführt und ab 2002 als Bargeld in Umlauf gebracht, um nationale Währungen bestimmter EU-Staaten zu ersetzen. Er versucht seither, mit dem Dollar zu konkurrieren. Hinter ihm stehen starke Wirtschaftsmächte wie Deutschland und Frankreich. Dadurch wurde der Euro zu einer starken Weltwährung mit dem Potenzial für kollektiven politischen Einfluss. Europa strebt zudem nach einer eigenen unabhängigen Armee. Der Euro macht etwa 20-23 % der weltweiten Devisenreserven aus. Ein Hauptfaktor, der den Euro an der Weltherrschaft hindert, ist jedoch die politische, militärische und wirtschaftliche Schwäche Europas gegenüber den USA. Die EU befindet sich im Verteidigungsmodus ihrer Existenz; der Brexit war ein Erschütterung des Vertrauens, und der Aufstieg separatistischer und rassistischer Bewegungen schwächt den Zusammenhalt und das Vertrauen in die Union. Das Fehlen einer einheitlichen politischen Entscheidungsgewalt spiegelt sich in der Währung wider.
2- Länder im Orbit der USA im Einvernehmen mit Russland, China und Europa:
- Türkei, Iran, Indien und Japan:
Der iranische Zentralbankchef Abdolnaser Hemmati gab bekannt, dass bei einem Treffen mit Vertretern Russlands und der Türkei die Frage des Handels unter Verwendung lokaler Währungen anstelle des Dollars erörtert wurde (Tehran Times, 09.09.2018).
Die Türkei, Russland und der Iran stimmten der Verwendung lokaler Währungen im gegenseitigen Handel zu, wie die Agentur Anadolu berichtete. Hemmati erklärte, dass die Transaktionen zu festgelegten Wechselkursen durchgeführt werden (https://ahvalnews.com/ar, 09.09.2018).
Im Oktober 2018 vereinbarten China und Japan ein Währungstauschgeschäft im Wert von 30 Milliarden Dollar, das größte für Japan.
Juri Borissow, der stellvertretende russische Ministerpräsident, erklärte am 31.10.2018, dass der Vertrag über die Lieferung von S-400-Systemen an Indien in der russischen Währung Rubel abgewickelt wird (ASH, 31.10.2018).
Diese Länder, die China und Russland für den Handel in Landeswährungen gewinnen wollen, befinden sich immer noch im Orbit der USA oder sind deren Vasallen. Das heißt, sie sind politisch an die USA gebunden und werden sich schnell wieder anpassen, ohne den Dollar als Reservewährung endgültig aufzugeben. Eine Entscheidung zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit muss mit einer politischen Unabhängigkeit einhergehen, wie es bei China und Russland der Fall ist. Dass sie lokale Währungen akzeptieren, liegt an akuten Umständen durch die USA, die bei deren Wegfall wieder zur Normalität zurückkehren werden.
Seit Präsident Trump Sanktionen gegen türkischen Stahl verhängte und die türkische Lira angriff, kritisiert Erdoğan den Dollar für den heimischen Konsum. Die Gesamtschulden der Türkei von über 400 Milliarden Dollar sind in Dollar fällig. Jedes Mal, wenn die Lira fällt, wird die Rückzahlung teurer, die Preise steigen und die Menschen leiden, woraufhin Erdoğan wie gewohnt feurige Reden schwingt! Sein Vorschlag auf dem Gipfel des Turkrates in Kirgisistan am 3. September, in lokaler Währung zu handeln, entbehrt der Realität, da die Türkei hauptsächlich mit der EU handelt. Die Türkei handelt, leiht und reserviert weiterhin in Dollar. Importiertes Öl, Gas und Rohstoffe werden in Dollar bezahlt. Als die USA die Sanktionen nach der Freilassung des Pastors aufhoben, kehrte die Türkei zur Routine zurück und verlor den Eifer für lokale Währungen. Die türkischsprachigen Staaten Zentralasiens folgen der russischen Politik, und der Handel mit ihnen ist im globalen Vergleich unbedeutend.
Der Iran ist durch harte US-Sanktionen seit Jahren vom US-Finanzsystem ausgeschlossen. Doch nach der Aufhebung der Sanktionen 2015 verkaufte er sein Öl sofort wieder gegen Dollar und schloss Verträge mit europäischen Firmen wie Airbus und Total ausschließlich in Dollar ab! Sanktionen beeinflussen das Verhalten des Irans nur temporär. Die USA entscheiden, ob der Iran im SWIFT-System bleibt. Nur wenn die USA die Tür zum Dollar schließen, droht der Iran mit dem Wechsel zu anderen Währungen.
Indien importiert schon lange russische Waffen, ohne dass die USA dies verhinderten, da Indien für die USA als Gegengewicht zu China in Asien wichtig ist. Indien wird daher kaum versuchen, den Dollar durch den Rubel oder Yuan als Weltwährung zu ersetzen.
Japans Bindung an die USA ist offensichtlich; sein Handel mit Russland bedeutet keineswegs eine Abkehr vom Dollar.
Fazit: Die Länder, die einen wirksamen Einfluss auf die Verdrängung des Dollars haben könnten, sind Russland, China und die Europäische Union. Doch jedes von ihnen hat schwächende Faktoren. Wenn sie diese nicht überwinden, wird sie ein „schwacher Dollar“ unvorbereitet treffen und ihre Reserven entwerten. Die USA leiden unter einer massiven Verschuldung. Das Magazin Washington Examiner berichtete am 01.10.2018, dass die US-Staatsschulden im Fiskaljahr 2018 um mehr als 1,2 Billionen Dollar auf 21,52 Billionen Dollar gestiegen sind.
Die über Jahrzehnte angehäuften Schulden haben das Land in eine finanzielle Sackgasse geführt. Seit 2008 sprangen die Schulden von 8 Billionen auf 21 Billionen Dollar. Dies bezeichnete Bolton als Gefahr für die nationale Sicherheit, die schnelle Lösungen erfordert. Die USA haben kaum eine andere Wahl, als mehr Liquidität zu pumpen (Dollars zu drucken). Dies wird zum Kollaps des Dollars oder zu einem „schwachen Dollar“ führen, wie es der US-Finanzminister nannte. Das bedeutet, dass alle Länder, die in Dollar handeln oder Reserven und Staatsanleihen halten, einen Teil ihres Vermögens verlieren werden – ein schwerer Schlag für diese Staaten!
Die derzeitige Realität erlaubt es diesen Ländern nicht, eine neue Weltwährung anstelle des Dollars zu etablieren. Dennoch brechen die Versuche Russlands und Chinas die Dollar-Hegemonie, wenn sie konsequent fortgesetzt werden. Die europäische Bewegung an der Seite Chinas hätte eine noch größere Wirkung. Der Kauf von Gold verstärkt dies, löst das Problem aber nicht, solange Gold eine bloße Ware in den Zentralbanken bleibt, die verkauft wird, um an Dollars zu kommen. Die einzige Lösung besteht darin, dass Gold und Silber selbst die Währung sind. Wenn Banknoten ausgegeben werden, müssen sie durch Gold oder Silber gedeckt sein und nicht nur eine Ware sein, um sogenannte „harte Währungen“ zu kaufen. Das bedeutet, dass die Zentralbank jedes Staates die Währung in Gold und Silber ausgibt. Es ist zulässig, eine Banknote auszugeben, die ihren Wert in Gold und Silber repräsentiert und dem Inhaber das Recht gibt, sie jederzeit bei der Bank gegen Gold oder Silber einzutauschen (Stellvertreterwährung). Dann gehört die Vorherrschaft dem Gold und Silber... Somit kann kein Staat den Reichtum anderer plündern, ihre Bemühungen ausbeuten oder seine Kriegsmaschinerie mit wertlosem Papier finanzieren. Derzeit gibt es keinen Staat, der dies umsetzt, außer dem künftigen Khilafah-Staat, der dies tun muss, weil es ein Scharia-Urteil ist, das Allah befohlen hat. Der Gesandte (s) hat dies in seinem Staat angewandt, und die rechtgeleiteten Kalifen sowie ihre Nachfolger folgten ihm, bis der Khilafah-Staat im Jahr 1342 n. H. (1924 n. Chr.) zerstört wurde. Seitdem herrscht das Falsche... das kapitalistische Prinzip beherrscht die Welt, dessen Anhängern es nur um Plünderung, die unrechtmäßige Aneignung des Besitzes der Menschen und das Anhäufen von Milliarden geht. Es ist eine ungerechte menschliche Herrschaft, deren zerstörerische Finanz- und Wirtschaftskrisen wir sehen. Dieses falsche Prinzip muss gestürzt werden, damit das islamische Prinzip der Wahrheit und Gerechtigkeit in seinem Staat herrscht, den Allah Seinen gläubigen Dienern versprochen hat:
وَعْدَ اللَّهِ لَا يُخْلِفُ اللَّهُ وَعْدَهُ وَلَكِنَّ أَكْثَرَ النَّاسِ لَا يَعْلَمُونَ
„[Es ist] die Verheißung Allahs. Allah bricht Seine Verheißung nicht, aber die meisten Menschen wissen es nicht.“ (Sure Ar-Rum [30]: 6)
Die Welt wird in finanzieller und wirtschaftlicher Not bleiben, solange sie nicht nach dem Gesetz Allahs richtet. Und Allah, der Erhabene, sagt die Wahrheit:
وَمَنْ أَعْرَضَ عَنْ ذِكْرِي فَإِنَّ لَهُ مَعِيشَةً ضَنْكاً
„Und wer sich von Meiner Ermahnung abwendet, der wird gewiss ein beengtes Leben führen.“ (Sure Ta-Ha [20]: 124)
- Rabi' al-Awwal 1440 n. H. 26.11.2018 n. Chr.