Frage:
Die pakistanische Zeitung The News zitierte am Sonntagabend, den 21.08.2011, den Armeechef General Ashfaq Kayani mit den Worten, die pakistanische Armee sei bereit, bei der Beendigung der Welle politischer und ethnischer Gewalt in der Stadt Karatschi zu helfen, falls die Regierung dies verlange.
Was ist die Realität hinter dieser Angelegenheit? Besteht eine tatsächliche Notwendigkeit für das Eingreifen der Armee in der Stadt, obwohl solche Angelegenheiten zu den Aufgaben der Polizei und nicht der Armee gehören? Oder dient dieses Eingreifen anderen Zwecken?
Antwort:
Um die Realität dessen, was geschehen ist, und dessen Beweggründe zu verstehen, führen wir Folgendes an:
Karatschi gilt als die größte Stadt Pakistans mit einer Bevölkerung von etwa 20 Millionen Menschen, die sich aus verschiedenen ethnischen Gruppen wie den Muhajirun, Paschtunen, Pandschaben, Sindhis, Bengalen und anderen zusammensetzt. Die Stadt ist zudem die Heimat religiöser Minderheiten wie Christen, Hindus, Sikhs, Bahai, Juden, Buddhisten und Ismailiten. Wenn der Staat die Bestimmungen des Islam nicht anwendet – wonach jedem sein Recht gegeben wird –, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit für den Ausbruch sektiererischer und religiöser Konflikte.
Nach dem afghanischen Dschihad gegen die sowjetische Besatzung wanderten viele Paschtunen in die Stadt Karatschi aus und ließen sich dort sowie in ihren Außenbezirken nieder. Die Stadt erlebte zudem einen Zustrom billiger und leicht verfügbarer Waffen in großer Zahl, wie etwa Maschinengewehre, was Auswirkungen auf die Stadt hatte. Ebenso flohen seit Musharrafs Einlenken zur Unterstützung des US-Krieges in den Stammesgebieten im Jahr 2003 – und aufgrund der Angriffe von US-Drohnen und der pakistanischen Armee auf diese Gebiete – Scharen von Paschtunen und anderen in die Stadt, um den Verbrechen der US-Flugzeuge zu entkommen und in Karatschi Sicherheit zu suchen.
Die USA „verdächtigten“ in letzter Zeit die Mudschahidin im Allgemeinen und die Taliban im Besonderen, sich in Karatschi sicher zu bewegen und von dort aus zum Dschihad aufzubrechen. Dies veranlasste die USA, Druck auf Kayani auszuüben, gegen Elemente der Taliban und der al-Qaida vorzugehen, die in Karatschi ansässig sind. Die USA begannen mit dieser Politik nach Mitte des letzten Jahres, insbesondere nachdem sie erklärt hatten, dass Faisal Shahzad den Anschlag am Times Square in New York am 01.05.2010 verübt habe. Daraufhin rückten die USA Karatschi ins Rampenlicht und erklärten, Shahzad habe sich frei in der Stadt bewegen können und stünde in Kontakt mit Bewaffneten. Darüber hinaus nutzten die USA das Geständnis der Taliban aus, den Angriff auf den Marinestützpunkt „Mehran“ in Karatschi am 22.05.2011 durchgeführt zu haben, um Druck auf Kayani auszuüben, damit dieser praktische Maßnahmen ergreift. Reuters zitierte am 27.05.2011 Clinton, die Pakistan einen Tag nach dem Angriff besuchte: „Dies war ein wichtiger Besuch, besonders weil wir einen Wendepunkt erreicht haben. Wir erwarten von Pakistan und der pakistanischen Regierung, in den kommenden Tagen entscheidende Schritte zu unternehmen. Viele Anführer der Taliban leben immer noch in Pakistan. Pakistan hat die Verantwortung, uns zu helfen, Afghanistan zu unterstützen, indem es verhindert, dass Aufständische von pakistanischem Boden aus Krieg führen.“
So sahen die USA in Karatschi einen Unruheherd, der sie ebenso beunruhigte wie die Stammesgebiete und die Grenze. Da sie jedoch in dicht besiedelten Städten wie Karatschi keine unbemannten Drohnen einsetzen können – während sie diese in den Grenzgebieten völlig frei nutzen –, einigten sie sich mit Kayani darauf, Einheiten der Armee nach Karatschi zu schicken. So soll die Armee den USA nicht nur bei der Bekämpfung der Mudschahidin in den Stammesgebieten und an der Grenze helfen, sondern sie auch bei der Verfolgung der Mudschahidin in Karatschi unterstützen.
Um eine mediale Rechtfertigung für das Eingreifen der Armee zu schaffen, stachelten sie ihre Handlanger in Karatschi an, Gewalttaten zwischen den verschiedenen Ethnien in der Stadt zu provozieren. Dies führte zu den Ereignissen, die zahlreiche Tote und Verletzte sowie die Zerstörung lebensnotwendiger Interessen zur Folge hatten. Al Jazeera Net zitierte am 18.08.2011 pakistanische Sicherheits- und Gesundheitsquellen: „Mehr als 39 Menschen wurden getötet und mehr als vierzig weitere verletzt innerhalb von 24 Stunden während einer neuen Gewaltwelle, die die Küstenstadt Karatschi im Süden Pakistans erschüttert. Sie nahm die Form eines Guerillakrieges an, doch die Polizei erklärte, sie habe politische Dimensionen.“
All dies dient dazu, eine neue Situation zu schaffen, in der die Menschen in Karatschi die Armee anflehen, einzugreifen, um Sicherheit und Ordnung wiederherzustellen. Die USA eilten ebenfalls herbei, um Kayani bei diesem Bestreben zu unterstützen, und boten Hilfe in Karatschi zur Bekämpfung der Sicherheitslosigkeit an. Am 09.08.2011 traf sich der Innenminister der Provinz Sindh, Manzoor Wassan, mit dem US-Generalkonsul William Martin, welcher sagte, dass die Vereinigten Staaten Ausrüstung und Fachwissen zur Bewältigung der Lage in der Stadt angeboten hätten.
Einige Politiker ließen sich von dieser Täuschung in die Irre führen, sodass lokale Politiker forderten, die Armee solle in Karatschi intervenieren, wie in einigen Medien am 03.08.2011 berichtet wurde. Eine Woche später kündigte die Armee ihre Absicht an, in die Stadt einzurücken. Eine militärische Quelle erklärte am 09.08.2011 nach einem Treffen Kayanis mit seinen ranghöchsten Generalen: „Wir haben in dem Treffen unsere Besorgnis über die Lage von Recht und Ordnung in Karatschi, ihre Verzweigungen und die Auswirkungen auf die Volkswirtschaft zum Ausdruck gebracht.“
Das Eingreifen der Armee in Karatschi dient den Interessen der USA. Ursprünglich sollte die Armee die US-Kriminellen verfolgen, die Afghanistan, ein muslimisches Land, besetzen, sowie die US-Kriminellen, welche die Sicherheit der Menschen in Pakistan untergraben, anstatt ihre muslimischen Brüder in Karatschi zu verfolgen, um die USA zufriedenzustellen. Was das Flehen einiger lokaler Kräfte nach der Armee betrifft, so geschieht dies entweder aus Kollaboration mit den US-Aggressoren und den verräterischen Handlangern Kayanis oder aus politischer Naivität und mangelndem Bewusstsein sowie der Täuschung durch die Propaganda einiger gekaufter Medien, in der Annahme, das Eingreifen der Armee diene der Wahrung der Sicherheit.
Die innere Sicherheit wird durch die Polizei gewahrt und nicht durch die Armee, welche das Land und die Menschen vor der US-Aggression schützen muss. Wir rufen alle aufrichtigen Kräfte dazu auf, das Eingreifen der Armee in den Städten zu verhindern und die Armee dazu zu drängen, sich der US-Aggression entgegenzustellen, die Afghanistan besetzt hält und Pakistan mit Drohnen sowie Spionen der CIA, des FBI und feindlichen Sicherheitsfirmen infiltriert.
Die Wahrung der Sicherheit gehört zu den Aufgaben der Polizei. Und die gemeinte Sicherheit ist die Sicherheit der Menschen, nicht die Sicherheit der USA; es ist die Gewährleistung von Sicherheit für jene, denen die Interessen des Landes am Herzen liegen, nicht für die Spione der USA und des Westens.
Allah, Sein Gesandter und die Gläubigen sind mit den Gottesfürchtigen und gegen die ungläubigen Kolonialisten. Und genau so muss es sein.