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Fragen & Antworten

Antwort auf eine Frage: Was steckt hinter der Zinserhöhung in den USA!

March 28, 2017
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Frage:

Am 15.03.2017 gab die Vorsitzende der US-Notenbank (Federal Reserve), Janet Yellen, bekannt, dass der Offenmarktausschuss der Fed beschlossen hat, den Leitzins (Riba) um einen Viertelprozentpunkt anzuheben. Dies ist das zweite Mal innerhalb von drei Monaten, dass der Zinssatz (Riba) erhöht wurde, wobei angedeutet wurde, dass im Laufe dieses Jahres zwei weitere Erhöhungen folgen könnten. Bekanntlich bedeutet eine Zinserhöhung (Riba) normalerweise eine Erholung der Wirtschaft, obwohl die US-Wirtschaft immer noch unter Krisen leidet. Was ist die Erklärung hierfür? Vielen Dank.

Antwort:

Die Zinssätze (Riba) in den USA wurden während der Finanzkrise im Jahr 2008 auf nahezu Null gesenkt und blieben sieben Jahre lang auf diesem Niveau, nämlich bis Dezember 2015. Zu diesem Zeitpunkt deutete Yellen ebenfalls an, die Zinssätze (Riba) im Laufe des Jahres 2016 mehrfach zu erhöhen. Dennoch scheiterte die Umsetzung dieser Erhöhungen weitgehend, und es kam erst Ende des Jahres zu einer Anhebung. Um die Gründe für die Erhöhung oder Senkung der Zinsen (Riba) zu verstehen, führen wir Folgendes an:

1- Das Ziel der Festlegung des Zinssatzes (Riba), die praktisch durch Entscheidungen über den Kauf und Verkauf von US-Staatsanleihen erfolgt, besteht darin, die Geldpolitik zu bestimmen. Insbesondere geht es darum, die Verfügbarkeit von Bargeld auf den US-Märkten zu steuern. Dies ist aus zwei Hauptgründen notwendig:

  • Weil ein Mangel an Bargeld auf den Märkten bei hohen Zinsen (Riba) das Wirtschaftswachstum verlangsamt, da die Menschen aufgrund der hohen Zinsen (Riba) weniger Kredite bei Banken aufnehmen.
  • Weil eine Zunahme der Geldmenge auf dem Markt bei niedrigen Zinsen (Riba) zur Inflation führt, da das Geldangebot auf den Märkten aufgrund der hohen Nachfrage nach Krediten infolge niedriger Zinsen (Riba) steigt.

2- Yellen behauptet seit 2015, dass der Zinssatz (Riba) angehoben werden müsse, weil die wirtschaftliche Rezession, die vor langer Zeit in Amerika begann, beendet sei und sich das Wirtschaftswachstum verbessere. Zudem sei es besser, die Zinsen (Riba) jetzt zu erhöhen, statt erst nach dem Einsetzen der Inflation. Dies ist Yellens ökonomische Philosophie hinter der Anhebung des Zinssatzes (Riba).

3- Dieses Argument ist nicht überzeugend, da die US-Wirtschaft weiterhin schwach ist. Die US-amerikanische und westliche Geldpolitik ist vielmehr an die Entscheidungen von Politikern gebunden und basiert nicht auf rein wirtschaftlichen Faktoren, wie es eigentlich sein sollte. Auch die Unabhängigkeit der US-Notenbank von der Regierungspolitik ist nur fiktiv. In Wahrheit sind die Entscheidungen über die Zinssätze (Riba) rein politischer Natur und richten sich nach politischen und wirtschaftlichen Erfordernissen. Die sieben Gouverneure der US-Notenbank werden vom US-Präsidenten mit Zustimmung des Senats für eine Amtszeit von vierzehn Jahren ernannt. Ebenso werden der Vorsitzende und sein Stellvertreter aus dem Kreis der Gouverneure vom US-Präsidenten für vier Jahre ernannt und können während ihrer Amtszeit nach dem Wunsch des Präsidenten mehrfach wiederernannt werden.

4- In der Praxis werden die Entscheidungen der US-Geldpolitik von zwei politischen Faktoren beeinflusst; einem internen und einem globalen:

  • Auf nationaler Ebene sind die US-Präsidenten bestrebt, die US-Wirtschaft zur Zeit der Wahlen kräftig wachsen zu lassen, da eine starke Wirtschaft die Wiederwahl des Präsidenten oder des Kandidaten seiner Partei unterstützt.
  • Auf internationaler Ebene steht Amerika in einem harten Wettbewerb mit den Volkswirtschaften anderer Länder. In diesen Zeiten sind die Weltwirtschaften aufgrund der Auswirkungen der globalen Rezession von 2008 immer noch schwach. Die Zinssätze (Riba) in Europa und Japan lagen bei nahezu Null. Eine Erhöhung der Zinssätze (Riba) in den USA führt zu einem massiven Kapitalfluss in Richtung Amerika, was katastrophale Folgen für die Volkswirtschaften anderer Länder haben kann!

5- Die derzeitige Erhöhung des Zinssatzes (Riba) in den USA wird für andere Weltwirtschaften schmerzhaft sein, wenn auch vielleicht nicht in dem Maße wie im letzten Jahr. Die New York Times berichtete am 09.03.2017 über Europa Folgendes: Eine offizielle Zinserhöhung (Riba) könnte noch Jahre entfernt sein. Die Europäische Zentralbank ließ den Leitzins (Riba) unverändert und erklärte, dass sie die Stimulierungsmaßnahmen zum Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen bis zum Jahresende fortsetzen werde, wenn auch ab April auf einem niedrigeren Niveau.

6- China hat die Absicht der USA erkannt, durch die Erhöhung des Zinssatzes (Riba) Europa in Bedrängnis zu bringen und Kapital abzuziehen. Daher erhöhte China seinen Zinssatz (Riba) zeitgleich mit der US-Erhöhung, um die Flucht chinesischen Kapitals aufgrund der höheren Zinsen in den USA zu verhindern und um sich an der Anziehung von europäischem Kapital zu beteiligen. So sah sich China gezwungen, die Erhöhung des Zinssatzes (Riba) unmittelbar nach der US-Entscheidung bekannt zu geben. Laut einem Bericht vom 16.03.2017 auf der Website von Bloomberg unter dem Titel "Chinas Zentralbank erhöht die Kreditkosten zeitgleich mit der Federal Reserve", liegt der Grund für die Erhöhung der Kreditkosten durch die chinesische Zentralbank darin, dass eine stabile Wirtschaft und die Erholung der Fabriken es ermöglichen, der Federal Reserve in ihrer Straffungspolitik zu folgen.

7- Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Erhöhung des Zinssatzes (Riba) in Amerika nicht auf eine Erholung der US-Wirtschaft zurückzuführen ist, sondern darauf abzielt, Kapital aus Europa anzuziehen, wo die Zinsen (Riba) bei nahezu Null liegen. Der Zweck ist also nicht nur wirtschaftlich, sondern dient darüber hinaus dazu, Europa zu schwächen, was es in Krisen stürzt, die zu seinem Auseinanderbrechen führen könnten.

  1. Dschumada al-Achira 1438 n. H. 28.03.2017 n. Chr.

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