Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen
Antwort auf eine Frage
Was steckt hinter der Schlacht um die Rückeroberung von Mossul?
Frage:
Die Schlacht zur Rückeroberung von Mossul wurde am 17.10.2016 angekündigt. Was ist ihr eigentlicher Zweck? Wie sind die früheren Erklärungen von US-Beamten zu verstehen, die den Krieg um Mossul erst in Jahren erwarteten? Wird der „Islamische Staat“ (IS) enden, wenn er aus Mossul vertrieben wird? Warum gibt es dieses Wortgefecht zwischen der irakischen Regierung und dem türkischen Regime? Und warum beharrt die Türkei auf einer Teilnahme?
Antwort:
Wer die gegenwärtigen Ereignisse aufmerksam verfolgt, erkennt in ihnen ein Glied in einer Kette von Maßnahmen, deren Ziel es ist, die Zerschlagung des Irak zu vollenden. Dies soll durch die Schaffung einer sunnitischen und einer schiitischen Region geschehen, nachdem die kurdische Region bereits Realität geworden ist. Diese Politik wurde von den USA nicht erst heute oder seit der Besetzung des Irak begonnen, sondern bereits davor, als sie 1991 die Flugverbotszonen über dem Nordirak verhängten, wodurch die Region Kurdistan zu einem Quasi-Staat wurde. Als die USA den Irak 2003 besetzten, basierte das System, das der US-Verwalter Paul Bremer errichtete, auf einer sektiererisch-konfessionellen Grundlage mit Quoten für die verschiedenen Gruppen. Bremer bildete im Juli 2003 den sogenannten irakischen Regierungsrat und ernannte im August 2003 einen vorbereitenden Verfassungsausschuss aus 25 Mitgliedern. Dieser Ausschuss entwarf eine Verfassung, die den Irak zu einem Bundesstaat („Föderation“) auf der Grundlage von Regionen wie Kurdistan machte. Am 31. Januar 2005 wurden Wahlen abgehalten, um diesem Verfassungsprozess, wie er im Übergangsverwaltungsgesetz festgelegt war, Legitimität zu verleihen. Trotz der zweifelhaften Methoden, einschließlich Gewalt, gaben nur 58 % der registrierten Wähler ihre Stimme ab. So wurde diese Verfassung verabschiedet. Zu ihren Artikeln gehören:
Artikel (1) der Verfassung der Republik Irak von 2005 besagt: „Die Republik Irak ist ein Bundesstaat“. Artikel (116) besagt: „Das föderale System in der Republik Irak besteht aus einer Hauptstadt, Regionen, dezentralisierten Provinzen und lokalen Verwaltungen“. Artikel (117/I) legt fest: „Diese Verfassung erkennt bei ihrem Inkrafttreten die Region Kurdistan und ihre bestehenden Behörden als föderale Region an“. Wer die Befugnisse dieser Region betrachtet, erkennt das Ausmaß der Zerschlagung des Irak in naher Zukunft, zumal Artikel (119) die „Möglichkeit der Schaffung weiterer Regionen“ vorsieht. So säten die USA die Saat für die Zerschlagung des Irak durch diese unheilvolle Verfassung.
Die USA fühlten sich durch die Verabschiedung dieser Verfassung zum Erfolg beflügelt und beauftragten ihre Handlanger, die Umsetzung ganz oben auf ihre Prioritätenliste zu setzen, um die öffentliche Meinung darauf vorzubereiten. Dies gelang ihnen zunächst nicht, da es in den Gebieten, die heute als schiitische oder sunnitische Gebiete bezeichnet werden, keinerlei separatistische Aktivitäten gab, nicht einmal unter dem Namen „Regionen“. Selbst diese Bezeichnungen waren den Menschen fremd. Daher begannen die USA, das Umfeld auf ihre Weise vorzubereiten. Sie setzten auf Nuri al-Maliki – eine Person voller Groll gegen den Islam und die Muslime – und ernannten ihn am 20.05.2006 zum Premierminister. Seine Hauptaufgabe bestand darin, Feindseligkeit zwischen Sunniten und Schiiten zu schüren, sodass eine starke gegenseitige Ablehnung entstand. Al-Maliki war ein Sektierer par excellence, der andere provozierte und aufstachelte, wodurch das Klima für Teilung und Regionalisierung reif wurde. Er säte Feindschaft gegenüber Sunniten und Kurden, bis die Teilung des Irak für viele Menschen zu einer Forderung wurde. Dies war die Hauptaufgabe, für die die USA ihn einsetzten, weshalb sie seine Amtszeit bis zum 8. September 2014 verlängerten. Seine Regierungszeit war düster. Als die USA sich im Dezember 2011 militärisch zurückzogen, aber sicherheitspolitisch und politisch präsent blieben, war der Baum der Zwietracht bereits gereift. Al-Maliki trieb dies durch Tyrannei und einzigartige Arroganz weiter voran; wann immer der Konflikt abzuflauen drohte, entfachte er ihn durch provokative Taten und Worte neu. Die konfessionelle Aufrüstung gipfelte in der Gründung bewaffneter schiitischer Milizen.
Die USA fanden in Al-Maliki die ideale Person, um die Kluft zwischen den Muslimen zu vertiefen. Er provozierte die Sunniten absichtlich mit Hinterlist und Unterdrückung. Wenn die Menschen ein Ende des Unrechts oder ihre Rechte forderten, unterdrückte er sie gewaltsam, wie es 2012 bei den friedlichen Protesten in den sunnitischen Gebieten geschah. Ihre Forderungen waren einfach: Gerechtigkeit, die Freilassung von Gefangenen (insbesondere Frauen) und ein Ende willkürlicher nächtlicher Razzien. Es gab keine Forderung nach einem Sturz des Regimes, doch Malikis Regierung lehnte dies als „Unterstützung für Terroristen“ ab und schlug die Sitzstreiks nieder, um den Zorn in dieser Region so weit zu steigern, dass sie nach Autonomie oder einer föderalen Region verlangten. Maliki handelte dabei nur auf Anweisung oder mit Zustimmung seiner amerikanischen Herren. Parallel dazu forderten einige schiitische Bewegungen eine Region für die Schiiten im Süden nach dem Vorbild Kurdistans. Die Nachbarländer beteiligten sich ebenfalls daran, die konfessionelle Seite hervorzuheben. All dies geschieht in Ausführung der US-Politik, die keinen geeinten Irak will, sondern ein zerstückeltes, verfeindetes Land, in dem sich die Parteien gegenseitig bekämpfen und jede Seite verzweifelt an ihrer eigenen Region festhält.
In dieser Atmosphäre bewegte sich der IS, um in Mossul Fuß zu fassen. Die USA sahen, dass sein Eindringen in diesem Kontext mit den schiitischen Milizen die Kluft massiv vertiefen und das US-Ziel der Spaltung zwischen Sunniten und Schiiten fördern würde. Daher ließen sie Maliki die Armee aus Mossul abziehen, wobei Waffen und Bankgelder zurückgelassen wurden. Im Juni 2014 wurde der Fall Mossuls an den IS verkündet. Berichte bestätigen, dass die irakische Armee ohne echten Kampf abzog und ihre Ausrüstung zurückließ, obwohl sie zahlenmäßig und technisch überlegen war. Dies führte zu dem Verdacht einer absichtlichen Übergabe. Sogar Maliki gab später zu, dass das Geschehene eine Verschwörung war („Was Mossul erlebte, war eine Verschwörung“, Al-Maliki auf Facebook, Al-Hurra, 18.08.2015). Er versuchte jedoch, die Schuld von sich zu weisen, obwohl er als Premierminister und Oberbefehlshaber die Hauptverantwortung trug. Ähnliches wiederholte sich in Ramadi. Es scheint, dass die USA das Thema vertuschen wollten, da sie maßgeblich am Abzug der Armee beteiligt waren, um die Präsenz des IS – als vermeintlich sunnitische Kraft – neben den schiitischen Milizen zu ermöglichen und so den Weg für die regionale Föderalisierung zu ebnen. Die USA weigerten sich sogar, den IS beim Einmarsch in Mossul zu bombardieren. Obama erklärte am 13.06.2014, Washington werde sich nicht an militärischen Aktionen beteiligen, „solange kein politischer Plan der Iraker vorliege“, trotz des Sicherheitsabkommens und der Bitten der irakischen Regierung. Dies bedeutete, dass die USA keine Eile hatten einzugreifen, bis das Klima für das Projekt der Regionen durch das Anheizen der Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten reif war.
Wache Politiker erkennen dies. Wir erinnern hier an eine Meldung der Website „Iraq Today“ vom 06.12.2015 über hochrangige diplomatische Kreise, die US-Bedingungen für das Ende des IS durchsickern ließen: „Die Akzeptanz von drei Hauptregionen unter einer föderalen Regierung in Bagdad ist die Grundbedingung, um die Akte IS abzuschließen... Washington hat zugesagt, den Schutz dieser neuen föderalen Ordnung im Irak mit Unterstützung des Sicherheitsrates zu übernehmen.“
So nutzten die USA Malikis Sektierertum aus und instrumentalisierten später das Vorgehen des IS, um die Kluft zu vergrößern. Sie versuchten zudem, die Gräueltaten des IS mit dem Begriff des Kalifats zu verknüpfen, um diesen zu diskreditieren. Doch Allah vereitelte ihre Pläne, und die Menschen erkannten, dass das „Kalifat“ von Baghdadi nichts als hohles Gerede ist, während das wahre Kalifat, dessen Errichtung Allah befohlen hat, für Recht und Gerechtigkeit steht, Sicherheit bietet und Gutes in die Welt trägt.
Die türkische Präsenz im Nordirak dient demselben Zweck: Den Sunniten im Irak einen gewissen „Rückhalt“ zu geben, so wie der Iran den Schiiten Rückhalt gibt. Damit trägt das regionale Umfeld zur „Regionalisierung“ bei. Das Eingreifen der Türkei soll die Kluft vertiefen, indem sie als Beschützerin der Sunniten auftritt.
Der Streit zwischen Erdoğan und Abadi über die Teilnahme an der Schlacht und der Verbleib türkischer Truppen im Lager Baschiqa unterliegt der US-Politik. Erdoğan soll als Unterstützer der Sunniten erscheinen, um das US-Projekt der Regionen zu fördern, während Abadi durch seine Ablehnung schiitische Sympathien gewinnen will. Beides dient der Steigerung der Spannungen. Dass der Verbleib der türkischen Truppen diesem Zweck dient, ist kein Geheimnis mehr. Erdoğan forderte offen eine Region für Mossul analog zur Region Kurdistan und kritisierte in einer Rede in Beştepe am 18.10.2016 diejenigen, die der Autonomie im Norden zugestimmt hatten, dies aber für Mossul ablehnten.
Warum nun das Beharren auf der Schlacht um Mossul, entgegen früherer US-Aussagen?
Die USA waren früher der Meinung, die Zeit sei noch nicht reif. Doch Obama wollte seine unheilvolle Amtszeit mit einem Erfolg beenden. Er hatte auf Syrien gesetzt (durch iranische Milizen und russische Bomben), doch aufgrund des standhaften Widerstands in Aleppo schwand diese Hoffnung. So richtete er seinen Blick auf Mossul. Er drängte so sehr zur Eile, dass irakische Truppen Enklaven wie Hawidscha einfach umgingen. Die Wall Street Journal berichtete am 28.10.2016, dass dies den IS-Kämpfern Gegenangriffe ermöglichte. Ein Milizenführer bezeichnete Hawidscha als „Messer im Rücken des Nordiraks“ und sagte, die Regierung habe Mossul aus politischen Gründen und internationalem Druck vorgezogen.
So begann die Schlacht am 17.10.2016 mit rund 140.000 Beteiligten (Armee, Peschmerga, Milizen). Das US-Verteidigungsministerium bestätigte die volle Unterstützung und die Präsenz von US-Truppen zur logistischen Hilfe. Die Schlacht soll während und nach dem US-Wahlkampf andauern, damit Obama Siege für sich und die Demokraten verbuchen kann. Trotz interner und regionaler Reibereien zwischen der Türkei und dem Iran wird die Schlacht wohl gemäß der US-Politik fortgesetzt.
Die USA haben Europa, insbesondere Frankreich und Großbritannien, eine Rolle als Teil der Koalition zugewiesen, jedoch unter US-Führung, damit diese die US-Ziele der Zersplitterung des Irak nicht stören. Frankreich versucht sich dabei hervorzutun, etwa durch Konferenzen zur „politischen Zukunft Mossuls“. US-Verteidigungsminister Ashton Carter machte jedoch nach diesen Treffen deutlich, dass es um den Schutz der Mitgliedstaaten und die Beschleunigung der Pläne unter US-Regie geht.
Wird der IS enden, wenn Mossul fällt? Es sieht nicht danach aus. Er wird wohl zur Guerillataktik (Angriffe aus dem Hinterhalt) außerhalb der Städte übergehen, wie er es bereits in Ramadi tat. Da es ihm an politischem Bewusstsein mangelt, begeht er Taten, die er für vorteilhaft hält, die aber letztlich den Interessen der ungläubigen Kolonialmächte dienen.
Es ist unwahrscheinlich, dass die USA von ihrem Plan der drei Föderationen abweichen; dies ist mittlerweile Staatsdoktrin. Bereits 2006 verabschiedete der Kongress einen entsprechenden Entwurf von Joseph Biden (der 2009 Vizepräsident wurde). Obama übertrug Biden die Irak-Akte. Nach der Rückeroberung Mossuls wird der Fokus auf der politischen Verwaltung der sunnitischen Gebiete liegen – der schwierigste Teil des Plans. Doch dieses Projekt wird nicht leicht umzusetzen sein, denn im Irak gibt es aufrichtige Männer, die Allah und Seinem Gesandten (saw) treu sind und die Zerstückelung ihres Landes nicht akzeptieren werden.
Abschließend sagen wir den Menschen im Irak: Der Islam hat euch über Jahrhunderte vereint. Unter seinem Banner wart ihr stark und angesehen. Euer Land ist das Land der Helden, der Siege von Qadisiyya und Buwaib, das Land von Harun ar-Raschid, al-Mu'tasim und Saladin. Ein einiger Irak ist stark durch seine Menschen, ein zersplitterter Irak ist schwach. Wenn die Kurden glauben, eine eigene Region oder ein eigener Staat brächte ihnen dauerhafte Ehre, so irren sie; es wird letztlich ihr Untergang sein. Wenn die Sunniten glauben, eine eigene Region brächte ihnen ein angenehmes Leben, so wird dies nur von kurzer Dauer sein, gefolgt von Elend. Und wenn die Schiiten glauben, eine Region im Süden gäbe ihnen dauerhafte Macht, so wird dies bald in Schwäche und Erniedrigung umschlagen.
O Volk zwischen den beiden Strömen: Verwerft das Sektierertum und den Nationalismus!
«دَعُوهَا فَإِنَّهَا مُنْتِنَةٌ»
„Lasst sie (die Bindung an Stämme oder Sekten) sein, denn sie ist ekelhaft.“ (Bukhari)
Legt die sektiererischen Bezeichnungen ab und haltet an dem Namen fest, den Allah euch gegeben hat:
﴿هُوَ سَمَّاكُمُ الْمُسْلِمِينَ﴾
„Er hat euch Muslime genannt.“ (QS. Al-Hajj [22]: 78)
Kehrt zu diesem Namen zurück und haltet an ihm fest, um Ehre zu erlangen, sonst wird euch von überall her Erniedrigung treffen.
﴿إِنَّ فِي ذَلِكَ لَذِكْرَى لِمَنْ كَانَ لَهُ قَلْبٌ أَوْ أَلْقَى السَّمْعَ وَهُوَ شَهِيدٌ﴾
„Darin liegt wahrlich eine Ermahnung für jenen, der ein Herz hat oder der hinhört, während er bei Sinnen ist.“ (QS. Qaf [50]: 37)
- Muharram 1438 n. H. 30.10.2016 n. Chr.