Frage:
Die Wirtschaftskonferenz in Bahrain unter der Leitung von Kushner ist heute zu Ende gegangen. In seiner Eröffnungsrede in Manama sagte er: („Der Workshop in Bahrain ist nicht der Deal des Jahrhunderts, sondern die Chance des Jahrhunderts“... Sputnik Arabic am 25.06.2019). Ist diese Konferenz Teil des „Deals des Jahrhunderts“? Oder ist sie ein separates Projekt, wie Kushner behauptete? Warum wurde der Inhalt des Deals bisher nicht vollständig enthüllt? Gibt es Leaks dazu? Und wie hoch sind die Erfolgsaussichten? Möge Allah Sie mit Gutem belohnen.
Antwort:
Um die Antwort zu verdeutlichen, müssen folgende Punkte dargelegt werden:
Erstens: Die Bahrain-Konferenz:
Das Weiße Haus gab bekannt, dass es Ende nächsten Monats einen wirtschaftlichen „Workshop“ in der bahrainischen Hauptstadt Manama abhalten werde, bei dem der wirtschaftliche Teil des Friedensplans von Präsident Donald Trump für den Nahen Osten vorgestellt werden soll. (Asharq al-Awsat am 20. Mai 2019)
Vor dem Workshop in Bahrain enthüllte Kushner am 22.06.2019 Details des wirtschaftlichen Teils des Friedensplans. Der Plan sieht die Einrichtung eines internationalen Investitionsfonds in Höhe von 50 Milliarden Dollar zur Wiederbelebung der palästinensischen Wirtschaft und der Volkswirtschaften der benachbarten arabischen Staaten vor, zusätzlich zum Bau eines Verkehrskorridors zwischen dem Westjordanland und dem Gazastreifen im Wert von fünf Milliarden Dollar. (France 24 am 24.06.2019)
Am 25.06.2019 fand die von Manama und Washington einberufene Konferenz in Bahrain statt, die unter dem Namen „Frieden für Wohlstand – Workshop zur Förderung von Investitionen in den palästinensischen Gebieten“ bekannt ist. (BBC Arabic am 25.06.2019)
Jared Kushner, Berater und Schwiegersohn des US-Präsidenten Donald Trump, eröffnete in Manama den „Bahrain-Workshop“, ein wirtschaftliches Entwicklungsforum speziell für Palästina. Kushner enthüllte einige Details des US-Plans für die Entwicklung im Westjordanland und im Gazastreifen, dessen Wert auf 50 Milliarden Dollar geschätzt wird. Er wies darauf hin, dass die Möglichkeit bestehe, das Bruttoinlandsprodukt der Palästinenser zu verdoppeln und Arbeitsplätze zu schaffen. (RT Agenturen am 25.06.2019)
Jared Kushner sagte: „Washington wird einen Plan für eine politische Lösung bekannt geben, wenn er fertig ist.“ Er fügte hinzu: „Die Bahrain-Konferenz zeigt, dass das Problem im Nahen Osten wirtschaftlich gelöst werden kann“, so seine Behauptung. Diese Aussagen fielen nach Abschluss des wirtschaftlichen Workshops in Bahrain. (Al-Alam TV am 26.06.2019)
In der Abschlusserklärung hieß es: Die Teilnehmer des Workshops „Frieden für Wohlstand“ riefen dazu auf, Entwicklung und Investitionen zugunsten des palästinensischen Volkes zu fördern, um wirtschaftlichen Wohlstand zu erreichen. Der Plan sieht vor, 28 Milliarden Dollar in die palästinensischen Gebiete zu investieren und weitere 22 Milliarden Dollar (in Form von Zuschüssen und geförderten Krediten) für Jordanien, Ägypten und den Libanon bereitzustellen – Länder, die palästinensische Flüchtlinge beherbergen. (Anadolu Agency am 27.06.2019)
Somit ist die Konferenz ein Einstieg, um das Klima für die Durchsetzung des „Deals des Jahrhunderts“ bei dessen Bekanntgabe vorzubereiten. Mit anderen Worten: Es ist eine Bestechung nach Trumps Art für die Verräter unter den Arabern und Nicht-Arabern der Region, damit sie Trumps Deal schlucken, der für ihre Länder tödlich ist... Begreifen sie denn nicht?!
Zweitens: Der Deal des Jahrhunderts und was davon durchgesickert ist:
Amerika verfolgt das Projekt der Zweistaatenlösung seit 1959, seit der Ära von Eisenhower, der dieses Projekt initiierte. Er trieb Abdel Nasser an, es umzusetzen, woraufhin Amerika 1964 die PLO unter der Führung von Ahmad al-Shukeiri gründete. Nachdem Shukeiri die Organisation infolge der Niederlage von 1967 verlassen hatte, gelang es Großbritannien über seinen Agenten König Hussein und mit Unterstützung der Golfstaaten 1968, Jassir Arafat an die Spitze der PLO zu setzen. Arafat rief ursprünglich zur britischen Lösung – einem säkularen palästinensischen Staat – auf, als er 1965 die Fatah mit Unterstützung jener Agenten gründete. Doch unter dem Druck der amerikanischen Agenten Anwar al-Sadat in Ägypten und Hafiz al-Assad in Syrien gab er die britische Lösung auf und übernahm die amerikanische Lösung. So erkannte die Arabische Liga 1974 die PLO als alleinige und rechtmäßige Vertreterin des palästinensischen Volkes an. Ebenso wurde sie von den Vereinten Nationen anerkannt und erhielt Beobachterstatus. 1988 erkannte Arafat offiziell das zionistische Gebilde an und akzeptierte die Besetzung von etwa 80 % Palästinas, als er den Staat Palästina ausrief und offiziell das US-Projekt mit den Worten „zwei Staaten für zwei Völker in Palästina“ annahm. Dann wurde 1993 das Oslo-Abkommen unterzeichnet und die Errichtung einer palästinensischen Autonomiebehörde unter Führung der PLO angekündigt, mit dem Ziel, bis 1999 einen palästinensischen Staat zu gründen. Dennoch gelang es Amerika während der gesamten Clinton-Ära nicht, dies umzusetzen. Unter George W. Bush verabschiedete die Arabische Liga 2002 die sogenannte „Saudische Initiative“ (Arabische Friedensinitiative), die die Anerkennung des zionistischen Gebildes vorsah, falls dieses einen palästinensischen Staat akzeptiere. 2003 legte Amerika das Roadmap-Projekt vor, das die Errichtung eines palästinensischen Staates bis 2005 vorsah. Auch unter Obama wurde massiv versucht, die Zweistaatenlösung durchzusetzen, doch alle Versuche scheiterten. Als Trump kam, sah Amerika seine Unfähigkeit, die Zweistaatenlösung umzusetzen, und wollte sie ersetzen oder modifizieren. Der Kongress hatte bereits 1995 die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt des zionistischen Gebildes beschlossen, stellte es dem Präsidenten jedoch frei, wann dieser den Beschluss umsetzt.
Trump begann diesen Weg nach seinem Amtsantritt. Er erklärte in einer Rede, dass die Zweistaatenlösung nicht der einzige Weg sei, den israelisch-palästinensischen Konflikt zu beenden, und deutete an, dass er für alternative Optionen offen sei: „Ich schaue mir die Zweistaatenlösung und die Einstaatenlösung an. Wenn Israel und die Palästinenser damit glücklich sind, bin ich mit der Lösung glücklich, die sie bevorzugen.“ (Al-Jazeera am 16.02.2017). Es folgten weitere Schritte: Die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem im September 2017 bedeutete, dass Jerusalem in Trumps Plan Teil des zionistischen Gebildes sein würde. Danach sprachen Jared Kushner und Jason Greenblatt über den „Deal des Jahrhunderts“. Kushner reiste im Februar 2019 in zahlreiche Länder, um Unterstützung zu gewinnen, und traf sich mit Mohammed bin Salman, Erdogan sowie Führern der VAE, Bahrains und Omans. Die Bekanntgabe des Plans wurde immer wieder verschoben – erst auf die UN-Vollversammlung 2018, dann auf Anfang 2019, dann auf nach den Ramadan und nun auf November 2019, nach den erneuten Wahlen im zionistischen Gebilde. Trump zeigte sich verärgert über Netanjahu, weil dieser keine Regierung bilden konnte und Neuwahlen nötig wurden: „In Israel herrscht Chaos... Es ist lächerlich und wir sind nicht glücklich darüber.“ (Russia Today am 03.06.2019).
So hat Trump seinen Plan voller Freude vorbereitet und glaubt, dass ihm gelingen wird, woran seine Vorgänger gescheitert sind. Doch so Allah will, wird er ebenso scheitern wie die Zweistaatenlösung.
Drittens: Die Geheimhaltung und die Leaks:
Trump vergisst oder ignoriert, dass Palästina einen gewaltigen Stellenwert in den Herzen und Köpfen der Muslime einnimmt. Sie werden diesen Deal nicht akzeptieren, sondern ihn als Schlag ins Gesicht zurückweisen. Dennoch glaubte Trump, dass seine Milliarden eine „Karotte“ wären, um die Menschen in Palästina zu locken. Deshalb hielt er die Details geheim und ließ die Bahrain-Konferenz seinem Deal vorausgehen.
Zu den Leaks: Es scheint, dass die Leaks beabsichtigt sind. Die Zeitung Israel Hayom, die Sheldon Adelson gehört – einem großen Geldgeber Trumps und Vertrautem Netanjahus –, veröffentlichte am 07.05.2019 Details:
- Ein trilaterales Abkommen zwischen Israel, der PLO und der Hamas zur Gründung eines Staates namens „Neues Palästina“ im Westjordanland und Gaza ohne die Siedlungen.
- Die Siedlungsblöcke bleiben unter zionistischer Kontrolle und werden miteinander verbunden.
- Jerusalem wird nicht geteilt, sondern gemeinsam genutzt. Die arabischen Einwohner werden Bürger des „Neuen Palästinas“, nicht Israels. Die Stadtverwaltung bleibt israelisch, Palästina zahlt Steuern (Arnona) und Wassergebühren an sie.
- Ägypten verpachtet Land für einen Flughafen und Fabriken für Palästina, ohne Wohnrecht.
- Palästina darf keine Armee haben, nur Polizei. Die Hamas muss entwaffnet werden.
- Ein Korridor (Brücke) soll Gaza und das Westjordanland verbinden, finanziert von China, Japan, den USA usw.
- Das Jordantal bleibt in israelischer Hand.
Obwohl diese Leaks inoffiziell sind, spiegeln sie die Denkweise Trumps wider. Sie sind so extrem verräterisch, dass selbst die regionalen Herrscher Schwierigkeiten haben, sie zu akzeptieren. Sie bevorzugen die Zweistaatenlösung, die zwar ebenfalls Verrat ist, ihnen aber zumindest den Anschein eines Staates mit Flagge lässt. Trumps Deal lässt ihnen praktisch nichts.
Viertens: Was die Erfolgsaussichten von Trumps Deal betrifft, so gibt es keinen Erfolg. Selbst sein Urheber erwartet trotz seines Getöses ein Scheitern. Trump sagte, dass sein Außenminister Mike Pompeo mit der Einschätzung recht haben könnte, dass der Plan scheitern könnte. Pompeo hatte gegenüber jüdischen Führern geäußert, dass der Plan möglicherweise keinen „Schwung“ gewinne. (Times of Israel am 03.06.2019).
Trumps Dummheit lässt ihn nicht erkennen, dass Palästina nicht käuflich ist. Es ist die erste Gebetsrichtung der Muslime, die Stätte der dritten heiligen Moschee und der Ort der Nachtreise des Gesandten Allahs ﷺ. Die Armeen der Muslime werden es befreien, so Allah will, getragen vom Takbir der Soldaten und unter dem Schatten des Uqab-Banners. Wenn Trump heute unter den Ruwaybida-Herrschern solche findet, die sich nach schmutzigem Geld sehnen, so wird er morgen nur die gezückten Schwerter des Kalifats finden, um die Zionisten und ihre kolonialistischen Unterstützer zu bekämpfen. Dann wird Palästina befreit werden, so wie es einst von den Kreuzfahrern befreit wurde. Und der morgige Tag ist für den, der darauf wartet, nah.
Muslim überlieferte in seinem Sahih von Abu Huraira (r), dass der Gesandte Allahs ﷺ sagte:
لَا تَقُومُ السَّاعَةُ حَتَّى يُقَاتِلَ الْمُسْلِمُونَ الْيَهُودَ فَيَقْتُلهُمْ الْمُسْلِمُونَ...
„Die Stunde wird nicht schlagen, bis die Muslime gegen die Juden kämpfen und die Muslime sie töten...“
وَلَتَعْلَمُنَّ نَبَأَهُ بَعْدَ حِينٍ
„Und ihr werdet seine Kunde sicherlich nach einer gewissen Zeit erfahren.“ (Sure Sad [38]: 88)
- Schawwal 1440 n. H. 27.06.2019 n. Chr.