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Fragen & Antworten

Antwort auf eine Frage: Die Realität der Geldhortung und ihr Urteil

January 21, 2019
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(Serie der Antworten des ehrwürdigen Gelehrten Ata Bin Khalil Abu al-Rashta, Emir von Hizb ut-Tahrir, auf die Fragen der Besucher seiner Facebook-Seite „Fiqhi“)

Antwort auf eine Frage

An Nazia Rehman

Frage:

(Assalaam u alaykum Dear Shiekh, May Allah swt protect you and honour you.

Can you elaborate the definition of Hoarding? Living in this time of uncertainty with a capitalist system over us, it is easy to think we should have money aside as it is not known when an emergency will arise and the sudden cost of healthcare or emergency travel can be too much to bare.

Also in some cultures it is very normal to keep wedding gold as an asset for the children for their marriages.

Using this reality and the clear understanding of hoarding, please can you explain. Is it allowed for us to have savings for the future or are we obliged to circulate all wealth? JazakAllah hu Khairan.

Waslaam u alaykum

Umm Emaan – Pakistan) Ende.

Antwort:

Waalaykum assalam wa rahmatullahi wa barakatuhu.

Zunächst zitiere ich für Sie einiges aus dem Buch Das Wirtschaftssystem über das Verbot der Geldhortung und deren Definition:

(Das Verbot der Hortung von Gold und Silber ... Diese großen Reichtümer ermöglichen es ihren Besitzern, zu sparen, und tragen dazu bei, hohe Einkommen zu erzielen. So verbleibt der große Reichtum dort, wo das große Geld ist, denn Geld zieht Geld an. Auch wenn die Anstrengung (Arbeit) einen Einfluss auf den Erwerb von Wohlstand und die Schaffung von Möglichkeiten zur Nutzung von Vermögen hat, stellt dies an sich keine Gefahr für die Wirtschaft dar. Im Gegenteil, es mehrt den wirtschaftlichen Wohlstand der Gemeinschaft ebenso wie den des Einzelnen. Die Gefahr geht jedoch von dem Geld aus, das von einigen wohlhabenden Individuen gehortet wird. Durch die Hortung von Geld sinkt das Einkommensniveau, Arbeitslosigkeit breitet sich aus und die Menschen geraten in Armut. Daher muss die Hortung von Geld behandelt werden. Geld ist das Tauschmittel zwischen Ware und Ware, zwischen Ware und Arbeit sowie zwischen Arbeit und Arbeit; es ist der Maßstab für diesen Austausch. Wenn es vom Markt verschwindet und den Menschen nicht mehr zur Verfügung steht, kommt dieser Austausch zum Erliegen und das Rad der Wirtschaft bleibt stehen. Je mehr dieses Mittel in den Händen der Menschen verfügbar ist, desto mehr wird der Arbeitsprozess vorangetrieben...

... Es muss jedoch gewusst werden, dass dieser Schaden nur aus der Hortung (Kanz) von Geld resultiert, nicht aus dem Sparen (Iddikhar). Das Sparen bringt das Rad der Arbeit nicht zum Stillstand, sondern das Horten tut dies. Der Unterschied zwischen Horten und Sparen besteht darin, dass Horten das Ansammeln von Geld ohne Bedarf ist; es ist das Zurückhalten von Geld vom Markt. Sparen hingegen ist das Aufbewahren von Geld für einen bestimmten Bedarf, wie etwa das Ansammeln von Geld, um ein Haus zu bauen, zu heiraten, eine Fabrik zu kaufen, ein Geschäft zu eröffnen oder Ähnliches. Diese Art des Geldansammelns beeinträchtigt weder den Markt noch das Rad der Arbeit, da es kein Zurückhalten des Geldes ist, sondern ein Ansammeln, um es auszugeben. Es wird zirkulieren, sobald es für den vorgesehenen Zweck ausgegeben wird. Daher geht vom Sparen keine Gefahr aus; die Gefahr liegt allein im Horten von Geld, d. h. im Ansammeln ohne Bedarf.

Der Islam hat das Sparen von Gold und Silber erlaubt, da es ein Ansammeln von Geld für einen Bedarf darstellt. So erlaubte er dem Sklaven mit Freikaufsvertrag (Mukatab), zu arbeiten und Geld anzusammeln, um die Verpflichtung gegenüber seinem Herrn für seine Freilassung zu erfüllen. Er erlaubte dem Mann, Geld anzusammeln, um die Brautgabe (Mahr) für eine Frau zusammenzubringen, um sie zu heiraten. Er erlaubte das Ansammeln von Geld, um die Pflicht der Hajj zu erfüllen. Auf dieses angesammelte Geld aus Gold und Silber wurde keine andere Verpflichtung als die Zakat gelegt, wenn es den Nisab erreicht hat und ein Jahr (Hawl) darauf vergangen ist.

Gold und Silber waren zu der Zeit, als der Vers über das Verbot ihrer Hortung herabgesandt wurde, selbst das Tauschmittel und der Maßstab für die Arbeitsleistung und den Nutzen von Gütern, egal ob sie geprägt waren, wie Dirhams und Dinare, oder ungeprägt, wie Barren. Folglich richtet sich das Verbot gegen Gold und Silber in ihrer Eigenschaft als Tauschmittel.

Was die Hortung von Gold und Silber betrifft, so hat der Islam sie durch den klaren Text des Korans verboten. Der Erhabene sagt:

وَالَّذِينَ يَكْنِزُونَ الذَّهَبَ وَالْفِضَّةَ وَلَا يُنفِقُونَهَا فِي سَبِيلِ اللَّهِ فَبَشِّرْهُم بِعَذَابٍ أَلِيمٍ

„Und jenen, die Gold und Silber horten und es nicht auf dem Weg Allahs ausgeben, denen verkünde eine schmerzliche Strafe.“ (Sure At-Tauba [9]: 34)

Diese Drohung mit schmerzlicher Strafe für diejenigen, die Gold und Silber horten, ist ein deutlicher Beweis dafür, dass der Gesetzgeber das Unterlassen der Hortung verbindlich verlangt hat, womit die Hortung von Gold und Silber haram ist...) Ende des Zitates aus dem Buch Das Wirtschaftssystem über die Geldhortung. Dies muss gut verstanden werden, da die Antworten darauf basieren.

Uns wurde bereits eine ähnliche Frage gestellt, und meine Antwort an den Fragesteller am 13.01.2014 lautete wie folgt:

(1. Die Hortung von Geld (Kanz) ist das Ansammeln ohne Bedarf. Wenn jedoch ein legitimer Bedarf besteht, wie das Ansammeln von Geld für den Bau eines Hauses, den Kauf eines Grundstücks, den Bau einer Fabrik, den Wunsch zu heiraten, oder wenn man Kinder hat und für deren Schulgebühren spart, oder um ein Auto zu kaufen und Ähnliches, dann ist dies ein Ansammeln für einen Bedarf und keine Hortung. Vielmehr ist es ein erlaubtes Ansammeln, auf das Zakat gezahlt wird, wenn ein Jahr über den Nisab vergangen ist. Das Ansammeln für rein hypothetische Dinge hingegen ist Hortung und nicht erlaubt. Beispielsweise sammelt jemand Geld für den Fall, dass ein Erdbeben sein Haus zerstören könnte und er dann ein neues bauen will, oder er häuft Geld an und sagt, dies sei der Lebensunterhalt für die nächsten zwanzig Jahre!

  1. Das Ansammeln des Lebensunterhalts für sich und seine Unterhaltsberechtigten für die Dauer eines Jahres ist zulässig und stellt keine Hortung dar, da der Gesandte ﷺ den Müttern der Gläubigen den Unterhalt für ein Jahr gab. Muslim überlieferte von Umar, der sagte:

كَانَتْ أَمْوَالُ بَنِي النَّضِيرِ مِمَّا أَفَاءَ اللهُ عَلَى رَسُولِهِ، مِمَّا لَمْ يُوجِفْ عَلَيْهِ الْمُسْلِمُونَ بِخَيْلٍ وَلَا رِكَابٍ، فَكَانَتْ لِلنَّبِيِّ ﷺ خَاصَّةً، فَكَانَ يُنْفِقُ عَلَى أَهْلِهِ نَفَقَةَ سَنَةٍ، وَمَا بَقِيَ يَجْعَلُهُ فِي الْكُرَاعِ وَالسِّلَاحِ، عُدَّةً فِي سَبِيلِ اللهِ

„Die Besitztümer der Banu an-Nadir gehörten zu dem, was Allah Seinem Gesandten als Fai’ gewährt hatte, wofür die Muslime weder Pferde noch Kamele einsetzen mussten. Sie gehörten dem Propheten ﷺ persönlich. Er gab davon seiner Familie den Unterhalt für ein Jahr aus, und was übrig blieb, verwendete er für Reittiere und Waffen als Rüstung auf dem Wege Allahs.“

An-Nawawi sagt in seiner Erläuterung zu Sahih Muslim: „Der Satz ‚er gab seiner Familie den Unterhalt für ein Jahr aus‘ bedeutet, er legte für sie den Unterhalt für ein Jahr beiseite. Er pflegte es jedoch oft vor Ablauf des Jahres für gute Zwecke auszugeben, sodass das Jahr nicht vollendet wurde...“. Daher ist das Ansammeln von Geld für den Lebensunterhalt für die Dauer eines Jahres keine Hortung, und auf den Nisab wird Zakat gezahlt, wenn das Jahr verstrichen ist.

  1. Wenn eine arbeitende Frau Geld sammelt, um es für ihre Hochzeit zu verwenden, so ist dies keine Hortung... Ebenso ist es ihr erlaubt, wenn sie Kinder hat, für deren Schulgebühren oder Bedürfnisse zu sammeln... All dies ist keine Hortung, sondern es wird Zakat auf den Nisab gezahlt, wenn das Jahr verstrichen ist.

  2. Das Gleiche gilt für den Mann: Es ist ihm erlaubt, Geld zu sammeln, um zu heiraten, und dies ist keine Hortung. Ebenso ist es ihm erlaubt, wenn er Kinder hat, für deren Schulgebühren oder Bedürfnisse zu sammeln... All dies ist keine Hortung, sondern es wird Zakat auf den Nisab gezahlt, wenn das Jahr verstrichen ist.

  3. Was jedoch das vorsorgliche Ansammeln von Geld zur Bewältigung von Katastrophen betrifft, deren Eintritt unwahrscheinlich ist – unter der Annahme, dass sie, falls sie eintreten, Häuser zerstören und Besitz vernichten würden... und er möchte Geld vorsorglich für solche ungewöhnlichen Fälle sammeln, so ist dies nicht erlaubt.

  4. Die Lösung, die ich für diejenigen sehe, denen Allah reichlich Mittel gegeben hat, die über ihren Jahresunterhalt und den ihrer Angehörigen hinausgehen, ohne dass ein konkreter Bedarf besteht, für den das Geld ausgegeben werden soll: Ich meine, dass der Besitzer des Geldes es in einem erlaubten industriellen, kommerziellen oder landwirtschaftlichen Projekt investieren sollte, oder er spendet es, übernimmt Patenschaften für Waisen oder gibt es für rechtmäßige gute Zwecke aus. Er sollte es nicht ungenutzt anhäufen, denn in diesem Fall trifft das Urteil der Hortung zu, d. h. „das Aufbewahren ohne Bedarf, für den es ausgegeben werden soll“, und das ist verboten.)

Ich hoffe, dass dies ausreichend ist.

Ihr Bruder Ata Bin Khalil Abu al-Rashta

  1. Dschumada al-Ula 1440 n. H. 20.01.2019 n. Chr.

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