Liebe Brüder,
as-salāmu ʿalaikum wa-raḥmatullāhi wa-barakātuh.
Alles Lob gebührt Allah. Segen und Friede seien auf dem Gesandten Allahs sowie auf seiner Familie, seinen Gefährten und jenen, die ihm folgen.
Allah hat es gefügt, dass ich in der Führung der Partei die Nachfolge zweier großartiger Männer antrete, die mir in Gottesfurcht und Tugendhaftigkeit vorausgingen und mich an Stärke und Gerechtigkeit übertrafen:
Der Erste: Abu Ibrahim, der Gründer und Erbauer der Partei, der ehrenwerte Gelehrte (Sheikh Taqiuddin an-Nabhani), möge Allah seiner Seele gnädig sein und ihn gemeinsam mit den Propheten, den Wahrhaftigen, den Märtyrern und den Rechtschaffenen versammeln – welch gute Gefährten sie doch sind.
Der Zweite: Abu Yusuf, die rechte Hand des Gründers und der Amir nach ihm, der tugendhafte Gelehrte (Sheikh Abdul Qadeem Zalloum). Möge Allah ihm vollkommene Gesundheit und Wohlbefinden schenken und seine Augen mit dem Rechtgeleiteten Kalifat erfreuen.
Die beiden Scheichs haben es jenen, die nach ihnen in die Führung der Partei kommen, wahrlich schwer gemacht (da sie die Messlatte so hoch gelegt haben). Er muss nun all seine Kapazität und all seine Anstrengung aufwenden, um ihren Rang zu erreichen oder ihm nahezukommen. Ich bitte Allah (t) um Beistand und Rechtleitung, auf dass ich mit Allahs Erlaubnis ein würdiger Nachfolger für solch großartige Vorgänger sein möge.
Liebe Brüder,
ich lebe unter euch, ich fühle, was ihr fühlt, und ich erkenne, was ihr erkennt. Ich weiß, dass die Drangsal uns fest im Griff hat oder kurz davorsteht, und dass die Verfolgung durch die Unterdrücker zugenommen hat. Die Verhaftungen, die Gefängnisse und die Last der Folter, die bis zum Martyrium führt, haben durch die Hände der Unterdrücker und ihrer Schergen gegen uns zugenommen. Ich weiß, dass viele von uns – ja wir alle – vor Sehnsucht nach der Errichtung des Kalifats brennen und Tag für Tag ungeduldig darauf warten. Ebenso gibt es unter uns jene, die glauben, dass dieser Angelegenheit nicht ihr gebührendes Recht zuteilwurde, mit der Begründung, dass sie an der Oberfläche nichts Greifbares sehen.
Ich weiß ebenso, dass viele von uns durch diese Umstände an Stärke, Iman, Vertrauen in die Führung und Seelenruhe gewonnen haben. Sie blieben standhaft und stehen weiterhin fest wie ein gewaltiger Berg. Weder die Fitna schwächt sie, noch lässt die Prüfung sie wanken. Vielmehr sind ihre Herzen und Augen davon erfüllt, den Kalifen zu sehen, wie er steht und den Treueid (Bay'a) der Menschen entgegennimmt, woraufhin sie herbeieilen, um ihm die Bay'a zu geben; oder sie sehen ihren Palast im Paradies und treten in ihn ein, indem sie ihrem Herrn danken und Seine Gnaden preisen.
Doch ich weiß auch, dass es jene gibt, die von diesen Umständen beeinflusst wurden, sodass sie von Verzweiflung oder einem Anflug davon befallen wurden. So setzten sie sich nach dem Stehen nieder oder stehen kurz davor, sich niederzusetzen. Es gibt sogar jene, die so weit gegangen sind, Zweifel gegenüber ihrer Führung zu hegen, weil ihnen die Distanz zu groß und der Weg zu lang erschien. Anstatt jedoch ihre Schritte zu beschleunigen, um das Ziel zu erreichen, blieben sie sitzen, zogen sich zurück und kamen schließlich vom Weg ab.
Das Nachsinnen über das Buch Allahs, die Sunna Seines Gesandten und seine Sīra (s) lässt die Verzweiflung schwinden, weckt die Hoffnung, entfacht das Feuer der Entschlossenheit aufs Neue und macht aus einem Menschen ein anderes Wesen: von jemandem mit leiser Stimme und schwindenden Kräften hin zu einem Donnerschlag, der die Unterdrücker erschüttert; und von jemandem, der bei einem Unglück ohnmächtig wird, hin zu jemandem, der beim Eintreten einer Krise frohlockt, weil er den Ausweg kommen sieht.
Was das Buch Allahs betrifft, so gibt es viele Verse, die verdeutlichen, dass die Not der Vorbote der Erleichterung ist, dass die Zuspitzung einer Krise der Schlüssel zu ihrer Lösung ist und dass der Sieg mit der Geduld kommt und die Erleichterung mit der Erschwernis. Der Erhabene sagt:
حَتَّىٰ إِذَا اسْتَيْأَسَ الرُّسُلُ وَظَنُّوا أَنَّهُمْ قَدْ كُذِبُوا جَاءَهُمْ نَصْرُنَا
„Bis dann, als die Gesandten die Hoffnung fast aufgaben und meinten, sie seien belogen worden, Unser Beistand zu ihnen kam.“ (Sure Yusuf [12]:110)
Und der Erhabene sagt:
مَسَّتْهُمُ الْبَأْسَاءُ وَالضَّرَّاءُ وَزُلْزِلُوا حَتَّىٰ يَقُولَ الرَّسُولُ وَالَّذِينَ آمَنُوا مَعَهُ مَتَىٰ نَصْرُ اللَّهِ أَلَا إِنَّ نَصْرَ اللَّهِ قَرِيبٌ
„... Not und Leid suchten sie heim, und sie wurden erschüttert, bis der Gesandte und die mit ihm Gläubigen sagten: 'Wann kommt die Hilfe Allahs?' Wahrlich, Allahs Hilfe ist nahe.“ (Sure al-Baqara [2]:214)
Der Gesandte Allahs (s) las einst:
فَإِنَّ مَعَ الْعُسْرِ يُسْرًا . إِنَّ مَعَ الْعُسْرِ يُسْرًا
„Gewiss, mit der Erschwernis geht Erleichterung einher. Gewiss, mit der Erschwernis geht Erleichterung einher.“ (Sure asch-Scharh [94]:5-6)
Und er sagte daraufhin, dass eine Erschwernis niemals zwei Erleichterungen besiegen wird.
Was die Sunna des Gesandten und seine Sīra (s) betrifft, so ist die Sache darin völlig klar. Die Kuffar fügten dem Gesandten Allahs (s) Schaden zu, und ihr Schaden intensivierte sich bis zum Äußersten, sodass sie beschlossen, den Gesandten Allahs (s) zu töten. Das heißt, der Schaden nahm zu und spitzte sich zu, bis er den Mordversuch erreichte – und Mord ist das Äußerste an Schaden. Als der Schaden sein Maximum erreichte und sie beschlossen, den Gesandten Allahs (s) zu töten, erfolgte die Erlaubnis Allahs (t) für Seinen Gesandten (s) zur Auswanderung (Hidschra), zur Errichtung des Staates und zum Ruhm der Muslime. Der Gipfel des Sieges lag also beim Gipfel des Schadens. Dies ist eine Gnade, die Allah Seinen gläubigen Dienern erwiesen hat: Während die Verschärfung einer Krise bei anderen die Kräfte schwächt und Verzweiflung hervorruft, verleiht sie den Gläubigen Kraft um Kraft und Frohbotschaft über Frohbotschaft über die nahende Erleichterung.
Liebe Brüder,
die Verschärfung der Krise ist das Zeichen für ihre Auflösung. Diese Enge, die uns von allen Seiten zu umschließen droht, muss uns dazu antreiben, all unsere Kapazität aufzuwenden und unermüdlich die Mittel zu ergreifen, die zum Ziel führen, egal wie lang und beschwerlich der Weg auch sein mag. Denn Allahs Ware ist teuer, das Paradies ist von Mühsal umgeben, und die „Krone der Pflichten“ (Tādsch al-Furūḍ) verdient es, dass man jedes Opfer für sie bringt. Das Kalifat wird nicht von alleine entstehen, sondern durch die Arme der wahrhaftigen Gläubigen. Wir sind, liebe Brüder, mit Allahs Erlaubnis entschlossen, kein rechtmäßiges Mittel, zu dem wir fähig sind, unversucht zu lassen. Wir werden Allah um Hilfe bitten und handeln, auf dass Allah eure und unsere Herzen in nicht allzu ferner Zeit heilen möge – und dies ist für Allah kein schweres Unterfangen.
Wir arbeiten, während unsere Augen nach dem Kalifat Ausschau halten und unsere Herzen danach schlagen. Wir sind voller Gewissheit über dessen Entstehen, denn der Gesandte Allahs (s) hat uns dies angekündigt und uns die frohe Botschaft verkündet: „... danach wird es ein Kalifat gemäß der Methode des Prophetentums geben.“ All dies ist wahrlich geeignet, den Eifer zu schärfen, die Entschlossenheit zu stärken und die Herzen zu weiten.
Liebe Brüder,
bevor ich diesen Brief an euch abschließe, möchte ich eine Sache erwähnen, die mir in dem oben genannten Hadith des Gesandten Allahs (s) aufgefallen ist. Nachdem der Gesandte (s) sagte: „Das Prophetentum wird unter euch sein, solange Allah es will“, erwähnte er, dass danach „ein Kalifat gemäß der Methode des Prophetentums sein wird“. Danach erwähnte der Gesandte (s) die Beißherrschaft und die Zwangsherrschaft. Dann erwähnte er (s), dass das Kalifat zurückkehren wird, und beschrieb es so, wie er das erste Kalifat beschrieb, indem er sagte: „... danach wird es ein Kalifat gemäß der Methode des Prophetentums sein.“ Das bedeutet, dass das Kalifat, das in Kürze – so Allah will – errichtet wird, von derselben Art wie das erste Rechtgeleitete Kalifat ist, da beide die gleiche Beschreibung tragen: „Kalifat gemäß der Methode des Prophetentums“. Als ich über diese Angelegenheit nachspann, erkannte ich, dass diejenigen, durch deren Hände das zweite Rechtgeleitete Kalifat errichtet wird, Menschen von der Art jener des ersten Rechtgeleiteten Kalifats sein werden – also von der Art der Gefährten des Gesandten Allahs (s).
So hat es sich in meinem Herzen gefestigt, dass, je mehr wir uns der Lebensweise (Sīra) jener gesegneten Gefährten annähern, desto näher rückt mit Allahs Erlaubnis die Errichtung des Rechtgeleiteten Kalifats. So helft mir, liebe Brüder, durch euch selbst, durch ernsthafte, wahrhaftige und aufrichtige Arbeit, damit wir wie jene ehrenwerten Gefährten werden: aufrichtig gegenüber Allah, wahrhaftig gegenüber dem Gesandten Allahs, wobei wir um Allahs willen den Tadel keines Tadelnden fürchten. Wir nähern uns Allah durch das an, was Er zur Pflicht gemacht hat, und verrichten an freiwilligen Taten (Nawāfil), was Allah will, um Ihm (t) noch näher zu kommen. Vielleicht verkürzen wir dadurch den Weg und hissen das Banner selbst, bevor es unsere Söhne hissen. Und dies ist für Allah kein schweres Unterfangen.
Der Gesandte Allahs (s) sagte, dass Allah (t) sprach:
مَنْ أَهَانَ لِي وَلِيًّا فَقَدْ بَارَزَنِي بِالْعَدَاوَةِ، ابْنَ آدَمَ لَنْ تُدْرِكَ مَا عِنْدِي إِلَّا بِأَدَاءِ مَا افْتَرَضْتُهُ عَلَيْكَ، وَلَا يَزَالُ عَبْدِي يَتَقَرَّبُ إِلَيَّ بِالنَّوَافِلِ حَتَّى أُحِبَّهُ، فَأَكُونَ قَلْبَهُ الَّذِي يَعْقِلُ بِهِ، وَلِسَانَهُ الَّذِي يَنْطِقُ بِهِ، وَبَصَرَهُ الَّذِي يُبْصِرُ بِهِ، فَإِذَا دَعَانِي أَجَبْتُهُ، وَإِذَا سأَلَنِي أَعْطَيْتُهُ، وَإِذَا اسْتَنْصَرَنِي نَصَرْتُهُ، وَأَحَبُّ عِبَادَةِ عَبْدِي إِلَيَّ النَّصِيحَةُ
„Wer einen Meiner Diener (Wali) kränkt, dem habe Ich den Krieg erklärt. O Sohn Adams, du wirst das, was bei Mir ist, nur durch die Erfüllung dessen erreichen, was Ich dir zur Pflicht gemacht habe. Und Mein Diener fährt fort, sich Mir durch freiwillige Taten zu nähern, bis Ich ihn liebe. Und wenn Ich ihn liebe, bin Ich sein Herz, mit dem er begreift, seine Zunge, mit der er spricht, und sein Auge, mit dem er sieht. Wenn er Mich anruft, antworte Ich ihm; wenn er Mich bittet, gebe Ich ihm; und wenn er Mich um Beistand bittet, helfe Ich ihm. Und die liebste Form des Gottesdienstes Meines Dieners für Mich ist der aufrichtige Rat (an-Nasīḥa).“
O Allah, wir rufen Dich an, so antworte uns, und wir bitten Dich um Beistand, so gewähre uns Sieg.
Wassalāmu ʿalaikum wa-raḥmatullāhi wa-barakātuh.
13. Safar al-Chair 1424 n. H. 15.04.2003 n. Chr.
Ihr Bruder Ata bin Khalil Abu al-Rashtah (Abu Yasin)